Dies ist ein Beitrag zum Thema Verselbständigung von Betreuten im Unterforum Forum für Angehörige und betreute Menschen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Guten Abend an alle!!!
Ich habe schon öfters hier mitgelesen, aber noch nicht die ganz passenden Fragen und deren Beantwortung ...
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#1 |
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Einsteiger
Registriert seit: 06.01.2011
Beiträge: 15
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Guten Abend an alle!!!
![]() Ich habe schon öfters hier mitgelesen, aber noch nicht die ganz passenden Fragen und deren Beantwortung für mich gefunden!! ![]() Also war ich nun endlich mal mutig und hab mich angemeldet!!! Ich bin Mitte 30 und habe mich aufgrund von Depressionen mit Hilfe meiner Ärztin unter Betreuung stellen lassen.Es ging mir vor 2 Jahren sehr , sehr schlecht und ich finde/fand es sehr gut, dass es diese Möglichkeit der Hilfestellung gibt!!! Ich weiß sonst nicht, was ich sonst noch alles in den Sand gesetzt hätte- gerade was die behördlichen und finanziellen Belange angeht.Ich habe z.B. kaum noch Briefe geöffnet, weil ich Angst davor hatte.Ich war also ein kleiner "Vogel Strauß". ![]() Zu dieser Zeit bekam ich auch einiges an Medikamente verschrieben bekommen(habe jeden Tag ca.10 Stück genommen- wie verschrieben natürlich) Nun ist es so, dass ich nur noch eine Tablette frühs benötige und es mir viiieeel, viiieeel besser geht. Ich habe auch vor einem Jahr eine Psychotherapie angefangen und habe große Fortschritte gemacht( meine Therapeutin sagte letzte Woche zu mir, dass sie bei mir keine Zeichen einer Depression erkennen kann), habe wieder angefangen meine Hobbies nachzugehen: einfach gesagt - ich fühl mich fast wie früher. Nun habe ich vor allem eine Frage an die Berufsbetreuer unter euch. Wie verselbständigt ihr eure Betreuten, wenn ihr seht, dass es ihnen besser geht und sie auch in der Lage wären einige Angelegenheiten selbst zu übernehmen.Denn §1901 Abs. 4 besagt doch: (4) Innerhalb seines Aufgabenkreises hat der Betreuer dazu beizutragen, dass Möglichkeiten genutzt werden, die Krankheit oder Behinderung des Betreuten zu beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern. Wird die Betreuung berufsmäßig geführt, hat der Betreuer in geeigneten Fällen auf Anordnung des Gerichts zu Beginn der Betreuung einen Betreuungsplan zu erstellen. In dem Betreuungsplan sind die Ziele der Betreuung und die zu ihrer Erreichung zu ergreifenden Maßnahmen darzustellen. Ich würde gern anfangen einige Aufgaben, wie z.B. die Miet- und Stromüberweisungen, zu übernehmen, um wieder mehr Selbständigkeit für mich und mein Leben zu erreichen. Dazu muss ich sagen, dass für mich eine Betreuung für die Bereiche: Vermögenssorge, Gesundheitssorge und Behördenangelegenheiten besteht, alles ohne Einwilligungsvorbehalt. Ich möchte meine Betreuung noch nicht komplett aufheben lassen, weil ich gern für mich noch ein Stück Sicherheit möchte- gerade was bei mir die Schuldenregulierung betrifft. Habe aber auch schon einen Termin bei einer Schuldenberatungsstelle, welchen ich allein ausgemacht und wahrnehmen werde und auch schon allein angefangen habe meine Papiere zu ordnen..Ich sehe meinen Betreuer nur ca. alle 3 Monate. Ich möchte nächste Woche diese Punkte auch mit meinem Betreuer besprechen- bin schon sehr gespannt!!! ![]() Ich finde z.B. auch, dass der Punkt der Gesundheitssorge in der Betreuung völlig überflüssig ist. Mein Betreuer hat sich noch nie mit einem meiner Ärzte auseinandergesetzt und alle Termine mache ich selber aus und nehme sie alleine wahr.Ebenso hebe ich alle Rezeptbelege auf und sammel sie (zwecks Krankenkasse). Also könnte man doch diesen Punkt komplett streichen lassen? Was haltet ihr davon und vor allem: wie handhabt ihr das mit euren Betreuten, wenn sie Fortschritte machen? Ich freue mich schon auf eure Antworten. Liebe Grüße von mir!! ![]() P.S. Sorry, dass es so lang geworden ist!!! |
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#2 | |
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Berufsbetreuer / Verfahrenspfleger
Registriert seit: 16.03.2010
Beiträge: 948
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Zitat:
Mal flapsig gesprochen besteht der innere Sinn einer Betreuung darin, sich selbst überflüssig zu machen. Anders gesagt, es ist ein Prozess, bei dem ein Betroffener ein Stück seines Lebens begleitet wird, bis er wieder auf eigenen Füssen stehen kann. Leider lässt sich diese Idealvorstellung viel zu selten realisieren. So wie du es schilderst, kannst du aber offenbar eines Tages ohne Betreuer weiterleben - und willst dies ja auch. Wenn sich in einem Verfahren andeutet, dass die Verselbständigung des Betroffenen möglich ist, fange ich an, mit dem Betreuten abgestimmt natürlich, mich aus den Prozessen rauszunehmen. Ich betreue z.B. seit 4 Jahren einen jungen Mann, der auch mal geschlossen untergebracht war, welcher jetzt nach und nach die Übernahme seiner Angelegenheiten reklamiert - was ich auch gut begleiten kann, da er dazu jetzt in der Lage ist. Ggw. hat er seine Vermögensangelegenheiten selbst übernommen, testet sich darin und ich schaue nur nochmal gelegentlich aufs Konto. Demnächst werden wir das auch mit den Behördensachen so machen. Am Ende werde ich nur noch eingreifen, wenn er dies für nötig hält, um irgendwann die Betreuung zu beenden. Ich weiß, dass dies einige Kollegen anders sehen. Ich arbeite aber ohnehin nach dem Motto, dass ich für Betreute nur das erledige, was sie selbst nicht können. Man kann sich da als Betreuer auch sehr schnell funktionalisieren lassen. Ich kann dir also nur empfehlen, dich mit deinem Betreuer zusammenzusetzen und die ganze Angelegenheit zu besprechen. Sage ihm, was du willst, dass du Hilfe brauchst, dich aus der Betreuung zu lösen und dich zu verselbständigen - und ich denke da werden sich dann auch Wege finden. Viel Erfolg dabei. Gr. Rudi
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"Wenn jeder akzeptiert, was ich tue, mache ich irgendwas falsch!" Geändert von Rudi (08.01.2011 um 04:35 Uhr) |
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#3 |
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Admin
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 3,904
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Guten Morgen zusammen,
@Glockenblume, ich kann mich in allen Punkten Rudi nur anschliessen. ![]() Vielleicht noch eine kleine Ergänzung: meistens zum Jahresanfang setzen sich meine Kunden mit mir zusammen (die Älteren weniger), auf dem Programm steht ein Rückblick und eine Vorschau. Gerade Fortschritte werden manchmal leicht übersehen weil man im Alltag ja auch eher mit den Problemen befasst ist oder war. Jeder lässt noch mal Revue passieren was und wie sich im letzten Jahr die Betreuungssitaution gestaltet und vielleicht auch verändert hat. Dann wird der "Arbeitsplan" für das kommende Jahr neu aufgestellt, wo wollen wir jetzt noch hin und was kann evtl. auch schon aufgehoben werden? Die stückweise und übeschaubare Reduzierung macht einerseits stolz auf das bisher erreichte, gibt aber auch Mut das nächste Kapitel anzugehen. Ausserdem schafft es in dem anscheinend oft undurchsichtigen "Dschungel -Betreuung" Klarheit und halbwegs Struktur. Das gilt für meine Kunden und für mich auch. Dir wünsche für die Gespräche mit Deiner Betreuerin ebenfalls viel Erfolg. Grüsse Michaela
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diese kommunikation wurde im rahmen der überwachungsgesetze auf ihre kosten dauerhaft gespeichert und wird jederzeit weltweit gegen sie verwendet werden. |
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#4 |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 16.12.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 383
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Eigentlich hat Rudi das Meiste schon gesagt. Ich reduziere auch Stück für Stück meine Arbeit. Es wird ein "Fahrplan" besprochen. Da wo ich vielleicht vorher die Geldabhebungen gemacht habe, werden diese nun vom Betreuten durchgeführt. Anhand der Kontoauszüge kann man dann schauen, ob die Vereinbarungen klappen und der Betreute wirklich seinen finanziellen Rahmen erkennen kann. Und so geht die Übergabe in Schritten immer weiter voran.
Weiterhin schaue ich, welche Aufgabenkreise wirklich noch benötigt werden und auch hier wird dann ggf. reduziert. Gruß Christine |
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#5 |
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Einsteiger
Registriert seit: 06.01.2011
Beiträge: 15
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Vielen Dank für eure Antworten!!!
Na da werde ich nun mal den Schritt angehen!!!! ![]() Bei mir ist es denn auch so, dass ich das Geld , welches ich zum Leben brauche , auch selbst abheben kann und es nicht zugeteilt bekomme!!! ![]() Für mich werden eigentlich nur die Miete, Strom und 2 Ratenvereinbarungen durch meinen Betreuer an die betreffenden Stellen überwiesen. Also, ich habe schon das Glück sehr selbständig leben zu können. Darüber bin ich schon sehr froh, gerade wenn ich so lese, was hier anderen Menschen passiert ist. ![]() Allerdings , das muss ich dazu sagen, ich war noch nie zum Übernachten auf einer Psychiatrie-Station , nur einmal in einer Tagesklinik, um Therapien zu machen. Ich schein also nicht ein allzu schwieriger Fall zu sein!!! Vielleicht sehe ich deshalb meinen Betreuer nicht so häufig. Lieb Grüße von mir. |
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#6 |
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Einsteiger
Registriert seit: 17.08.2010
Beiträge: 23
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Hallo Glockenblume,
herzlichen Glückwunsch erst mal, dass du dich so gut (!) stabilisiert hast und auf dem Weg in die Selbständigkeit bist! Zitat: "Wie verselbständigt ihr eure Betreuten, wenn ihr seht, dass es ihnen besser geht und sie auch in der Lage wären einige Angelegenheiten selbst zu übernehmen." Es ist wohl ein altes Missverständnis, dass andere jemanden verselbständigen können. Sicherlich gibt es viele Möglichkeiten der Unterstützung, aber selbständig werden kann nur jede und jeder für sich selbst. In der großen diakonischen Einrichtung, in der ich lange gearbeitet habe, musste jede Mitarbeiterin und Mitarbeiter ein Empowerment-Seminar belegen, das war Pflicht - und letztendlich eine einzige Sparmassnahme, in der der Mitarbeiterschaft verklickert wurde, was sie den Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtung an Arbeiten übertragen sollten. Von Entscheidungsbefugnissen war da wenig die Rede. Dabei heißt Empowerment "Selbstermächtigung", also wieder (Entscheidungs-) Macht über das eigene Leben (zurück) bekommen. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Frauen- Schwulen und Schwarzen-Bewegung der 60er des letzten Jahrhunderts und war sehr kämpferisch gemeint. Soweit dieser kleine inhaltliche Ausflug (das musste mal raus) Dein Ziel sollte sein, die Betreuung loszuwerden. Aber raten kann ich dir, dir damit auch Zeit zu lassen, also nix zu überstürzen. Schuldenregulierung auf diesem Wege - sehr vernünftig! Lass die Papiere besser deinem Betreuer zukommen, als sie mal langsam selbst zu sortieren. Da ist es wichtig, dass alle Papiere in einer Hand sind!!! Kannst dir ja Kopien machen, wenn du magst. Miete und Strom wird normalerweise einfach abgebucht. Das hat vielleicht Symbolcharakter, aber ist am Ende unwesentlich. Sprich mit deinem Betreuer ab, was passieren muss, damit du dein Konto wieder selbst verwalten kannst. Vielleicht ist es auch besser, die eigentliche Kontoverwaltung erst mal beim Betreuer zu belassen, bis die Schuldenregulierung soweit abgeschlossen ist?! Du betonst, dass du das mit der Schuldnerberatung alleine machst. Warum?? Du solltest mit deinem Betreuer zusammenarbeiten und er mit dir, damit du wieder alleine klarkommen kannst. Hast du deinem Betreuer gesagt, dass du eine Betreuungsplanung möchtest? Ich wünsche dir, dass dein Betreuer einer von denen ist, die bereitwillig einen Schritt zurücktreten, sobald du das wünschst und er das fachlich für vertretbar hält. Wenn du deinen Betreuer nur alle drei Monate siehst, kannst du dir Notizen machen, was du ansprechen möchtest. Ich habe auch mehrere Betreute, die ihre Gesundheitssachen selbst regeln. Nur wenn mal Bedarf ist, werde ich eingeschaltet (dann gibt es die Möglichkeit). Ansonsten wird das raus genommen aus dem Betreuungskatalog. Und halt uns auf dem laufenden, ja? Viele Grüße, Antonia |
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#7 | |
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Einsteiger
Registriert seit: 06.01.2011
Beiträge: 15
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Guten Morgen an alle!!!
![]() Nun gibt es auch wieder Neuigkeiten von mir zu berichten!!! ![]() Also: Ich habe mit meinem Betreuer gesprochen und: Ich kann ab Februar die erwähnten Überweisungen selbst tätigen!!! Ich freue mich so sehr!!!![]() Ja, da hast du recht, dies betrifft allerdings nicht nur die Betreuten, welche sich sagen :"Naja, ich hab ja einen Betreuer, soll er das alles regeln...." Sondern auch die Betreuer, weil es vielleicht auch für diese, ein viel einfacher Weg sein KANN, wenn man einfach alles in die Hände nimmt, um auch einen viel besseren Überblick zu haben, da ja auch die meiste Arbeit sowieso zu Beginn der Betreuung am größten ist und der Betreute meist, zu diesem Zeitpunkt, gar nicht in der Lage ist, dies alles zu regeln. Denn sonst wäre ja wohl auch eine Betreuung nicht nötig gewesen!! Und so verselbstständigt dieser Prozess von beiden Seiten - mit dem Funktionalisieren lassen!!!![]() Zitat:
Wie du siehst, benutze ich auch das Wörtchen "WIR" , also ich sehe es schon so, dass mein Betreuer und ich zusammenarbeiten, denn anders würde es auch nicht funktionieren!!! Er weiß natürlich auch Bescheid, dass ich zur Schuldenberatung gehe!!! Ich wollte damit nur verdeutlichen, dass ich dabei bin, mein Leben wieder schrittweise in die Hand zu nehmen!!! Bei ihm liegen ja auch einige Schriftstücke, welche ich für die Schuldenberatung brauchte und welche ich auch , in Kopie, von ihm erhalten habe!!!![]() Ich bin auch nicht der Meinung, dass die Betreuung sofort beendet werden sollte, nur weil ich mich besser fühle, denn ich selbst habe auch schon ein wenig Zweifel, dass alles wie am Schnürchen klappen würde, wenn ich sie mit einem Male nicht mehr hätte. ![]() Das wäre ja, wie wenn man einem Kind dem Schwimmreifen wegnehmen würde und sagen würde: Du kannst toll mit Reifen schwimmen, also kannst du es auch ohne ihn!!! Also immer schön ein Schritt nach dem Anderen. ![]() Und: Natürlich werde ich euch auf dem Laufendem halten!!! ![]() Viele liebe Grüße von mir!!!
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#8 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 12.09.2010
Beiträge: 44
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Mich betrifft gerade etwas ganz ähnliches wie die Userin Glockenblume.
Als ich mal meinen Betreuer spontan am Telefon darauf ansprach, reagierte er leider eher verhalten und eindämmend. Ich finde an sich schon den Umstand, dass etwas so sensibles wie Betreuung gleich mal schnell für mehrere Jahre festgesetzt wird, sehr grenzwertig. Zumindest für Menschen, bei denen das Ziel die Selbständigkeit ist und die Prognosen dafür gut sind. Mein Betreuer fing dann an "X hätte er auch bis zum Berufseintritt begleitet".... X oder Y oder Z interessieren mich aber nicht, da ich eine ander Persönlichkeit, Vorgeschichte, Bedürfnisse und Ziele habe. So wie eine Betreuung jederzeit verlängert werden kann, sollte sie auch jederzeit verkürzt werden können. Und überhaupt sollte der Betreute selbst entscheiden können, wann die Betreuung zu Ende ist, oder zumindest mitentscheiden. Mein Vorschlag, nämlich vorerst ein Jahr (davor wurde ich schon zwei Jahre betreut), wurde komplett ignoriert. Die Betreuungsbehörde schlug fünf! Jahre vor, ohne mich dazu überhaupt anzuhören, meine Hausärztin zwei und ich eins. Beschlossen wurden dann drei Jahre. Ich meine auch, dass bei Betreuten wie mir, die eine Zukunft ohne Betreuung anstreben, vom Tag eins der Betreuung darauf hin gearbeitet werden sollte. Das heißt, mir nach und nach Aufgaben übertragen werden usw. Stattdessen läuft alles wie am ersten Tag. Wenn ich nicht eigenmächtig einfach Dinge selbst in die Hand nehme, bleibt das auch so. Einiges kann ich halt nicht eigenmächtig in die Hand nehmen, da der Betreuer die Obhut darüber hat. Er macht keine Anstalten, Verantwortung stückweise an mich zurück zu geben. Alle schwierigen Dinge wie Behördengänge, Verhandlungen mit Vermieter, also alles, was außerhalb der Routine anfällt, erledige ich allein. Das sagte er mir auch anfangs, dass er keine Lust hat, mich zu Behörden zu begleiten. Praktisch erledigt er nur die regelmäßig anfallenden Routinesachen für mich. Und die scheint er nicht aus der Hand geben zu wollen. Ich schlug vor, dass ich meine Finanzen anfange, wieder selbst zu verwalten. Ich habe keine Probleme, mein Geld einzuteilen, ich habe durch Kontopfändungen etc. eher gewissse Ängste, überhaupt Banken wieder zu betreten. Genau die bleiben aber, wenn ich am Monatsanfang das Geld vom Betreuer nach Hause gebracht bekomme. Den Termin kann ich mir aussuchen, er teilt auch nichts ein, aber so werde ich einfach nicht selbständig und baue keine Ängste vor Bankgebäuden ab. Außerdem finde ich es blöd, nicht einfach Geld abheben zu können, wenn ich es brauche, sondern immer einen bestimmten Betrag insgesamt ausgehändigt zu bekommen. Als ich das Thema ansprach, wich der Betreuer mir aus. Ich merke, wie ich langsam eine Antihaltung einnehme und den Betreuer nicht mehr als meinen Verbündeten betrachte, sondern als jemanden, der sich mit meiner Unselbständigkeit die eigene Existenz sichert. Da ich keine oder kaum mehr Probleme habe, hat er mit mir insgesamt sehr wenig Arbeit (sagte er letztens selbst, dass er kaum noch was macht und ich doch schon vieles selbst kläre). |
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#9 | |
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Admin
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 3,904
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Hallo Naschkatze,
vielleicht liegt das mit der Betreuungsdauer daran, dass grössere Probleme sich nicht mal so eben schnell lösen lassen. Betreuungen werden ja nur eingerichtet wenn alle anderen vorrangigen Mittel ausgeschöpft sind und nichts gebracht haben. Und wenn eine Situation verfahren ist, dann gehts eben nicht mehr schnell. Zitat:
Hast Du einen Einwilligungsvorbehalt in das Vermögen weil Du kein Geld abheben kannst? Ich habe bei Dir teilweise rausgelesen, dass Du von Deinem Betreuer Handlungen und Haltungen erwartest die eher einem Therapeuten zuzuschreiben sind? Das sind keine Betreueraufgaben, da müsste jemand anderes noch mit dazu um mit Dir Deine Unselbstständigkeit anzugehen. Gruss Michaela
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diese kommunikation wurde im rahmen der überwachungsgesetze auf ihre kosten dauerhaft gespeichert und wird jederzeit weltweit gegen sie verwendet werden. |
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Berufsbetreuer / Verfahrenspfleger
Registriert seit: 16.03.2010
Beiträge: 948
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Zitat:
Du kannst damit rechnen, dass die Beteiligten auch danach gefragt werden und viell. nicht deiner Meinung sind. Aber letztlich darf in Deutschland niemand gegen seinen freien Willen betreut werden. § 1896 1a BGB BGB - Einzelnorm Gr. Rudi
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"Wenn jeder akzeptiert, was ich tue, mache ich irgendwas falsch!" |
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