Dies ist ein Beitrag zum Thema Welche Milieus werden dem Klientel zugeschrieben? im Unterforum Off Topic Bereich , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo Leute!
Für eine Hausarbeit über mein angehendes Praktikum in einem Betreuungsbüro sollen wir u.a. untersuchen,
- welche Milieus den ...
|
|||||||
| Registrieren | Hilfe | Benutzerliste | Kalender | Suchen | Heutige Beiträge | Alle Foren als gelesen markieren |
|
|
#1 |
|
Gesperrt
Registriert seit: 25.02.2009
Ort: Köln
Beiträge: 3
|
Hallo Leute!
Für eine Hausarbeit über mein angehendes Praktikum in einem Betreuungsbüro sollen wir u.a. untersuchen, - welche Milieus den Betreuten vom Umfeld zugeschrieben werden und - was davon stimmt, was das Umfeld sagt. Außerdem: - Was sind die Lebenslagen und - Lebensräume der Betroffenen? - Wie sieht der Alltag der Betreuten aus? - Wie hoch/niedrig ist die politische Bedeutung von gesetzl. Betreuung? Ich bedanke mich schon mal im Voraus für rege Beiträge. ![]() Viele Grüße, rubensartist |
|
|
|
|
|
#2 |
|
Berufsbetreuer
Registriert seit: 21.02.2008
Ort: Dieburg
Beiträge: 250
|
Kleiner Tipp auf die Schnelle:
es heisst "die Klientel"
|
|
|
|
|
|
#3 |
|
Admin
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 3,582
|
Hallo rubensartist,
auf welche regen Beiträge hoffen Sie jetzt und welchen Nutzen könnten diese haben? Alle Fragen, bis auf die letzte, können Sie tatsächlich nur im Zusammenhang des Büros beantworten in dem Sie das Praktikum machen meine ich. Der Alltag eines Betreuten sieht aus wie der Alltag eines Menschen der mit HarztIV leben muss oder wie der Alltag einer Beamtenwitwe oder wie der einer alten Dame ohne grosse finanzielle Absicherung im Altenheim.usw. Betreuung bestimmt nicht den Alltag, das sind andere Faktoren Übrig bleibt die letzte Frage nach der politischen Bedeutung: Entmündigung wurde vom Staat 92 abgeschafft und sollte durch etwas individuelleres, ein differenzierteres Modell ersetzt werden, das waren die Betreuungen- gedacht als staatliche Hilfe für Menschen in gravierenden Notlagen. Mir kommt es oft so vor wie wenn damit auf Kosten der Justiz jetzt staatliche Fehlplanungen und Handlungen still korrigiert werden sollen. Gerade auch im Gesundheitswesen. Z. B. bei Suchterkrankungen. Ich bin oft entsetzt wenn ich feststelle, das ich dann gerufen werde wenn so gut wie gar nichts mehr geht (damit kein Missverständnis aufkommt, die Sucht alleine rechtfertigt keine Betreuung, die setzt erst über die Folgeschäden ein). Bei über der Hälfte meiner Betreuten hätte sich diese Folgeschäden aber vermeiden lassen wenn vorher bereits adäquate und theoretisch abrufbare Hilfen geleistet worden wären. Anderes Beispiel (und eine Verallgemeinerung da das hiesige Sozialamt- die Arge weniger- ein absolut lobenswerter Kooperationspartner für mich ist und ich nie das Gefühl habe gegeneinander sondern miteinander zu arbeiten) Betreuungen und Betreuer "verkommen" immer mehr zu Regulatoren. Ich weiss es, teilweise auch aus meiner Praxis und von Kollegen. Wir kontrollieren tagein tagaus irgendwelche Leistungsbescheide, legen endlos Widersprüche ein, stellen mindestens alle halbe Jahre immer wieder dieselben Anträge mit immer neuen Kopien der alten Mietverträge, der Einkünfte usw.obwohl seit Jahren die Leistung monatlich bereits vom Amt gezahlt wird, fertigen für einen einzigen Vorgang 7 Schreiben an die GEZ, teilen der Krankenkasse zum 100sten Mal mit, dass Zuzahlungsforderungen von 10 Jahren vorher sicher auch nicht darlehensweise oder in Raten vom SGBII begleichen lassen usw. usw. Die politische Bedeutung die Betreuungen zugemessen wird dagegen ist gleich Null. Das liegt sicher auch daran, dass Betreuer keine Lobby und keine adäquate Interessensvertretung haben. Die zwei, drei Verbände die es gibt sind oft damit beschäftigt sich selbst zu beschäftigen mit sog. Qualitätsregistern u.Ä., einer der grösseren Verbände auf jeden Fall. Betreuungen sind das Feigenblatt des Staates, denn wenn alles so funktionieren würde wie es sollte, auch und gerade im Gesundheitswesen, dann wären Betreuungen meiner Meinung nach weitgehend überflüssig. Aber wer gibt schon zu, dass es an seinem System krankt? Auf Kosten der Justiz wird im Sozialsektor gespart, und die Justiz ihrerseits denkt ständig - und teilweise auch verständlich- darüber nach wie man uns noch weniger Stunden für einen deutlich vermehrten Arbeitsaufwand "bescheren" könnte. Das Thema ist in meinen Augen zu komplex als dass es in einem Forum zu diskutieren wäre, was ich geschrieben habe ist also nur als Abriss zu sehen. Wenn das jetzt alles wie der totale Frust klang ist das einerseits auch so, andererseits liebe ich meinen Job trotzdem sehr und ich vermute, das wieder hat mit meinen Klienten zu tun .-) Für Sie viel neue und gute Erfahrungen im Praktikum, Gruss M. Mohr |
|
|
|
|
|
#4 |
|
Forums-Geselle
Registriert seit: 06.02.2009
Beiträge: 114
|
@rubensartist
Na das sind ja recht unglücklich formulierte Fragen. Es gibt kein bestimmtes "Milieu" in dem "die Betreuten" leben und es gibt auch nicht "das Umfeld" was über sie Vorurteile äußert. Betreut werden kann die reiche und an Demenz erkrankte Oma genauso wie der 18- jährige Intelligenzgeminderte aus der Reihenhaussiedlung oder die überschuldete und leicht psychotische ALG2- Empfängerin. Entsprechend ist der Alltag oder sind die Lebenslagen von Betreuten: nämlich bei jedem anders. Und Aussagen oder Meinungen über Betreute gibt es potentiell so viele wie es Menschen gibt die diesbezügliche Aussagen zu treffen in der Lage sind. Zur politischen Bedeutung von Betreuung und zu sonstigen Betreuungsrelevanten Themen findest Du bestimmt Informationen bei den Berufsverbänden BdB und VdB oder bei Wikipedia oder dem Bundesjustizministerium oder oder... BMJ | Betreuungsrecht Betreuung . de | Verbandszeitschriften des BdB e.V. Betreuung ? Wikipedia Geändert von volki (26.02.2009 um 09:04 Uhr) |
|
|
|
|
|
#5 |
|
Gesperrt
Registriert seit: 25.02.2009
Ort: Köln
Beiträge: 3
|
Vielen Dank für die Antworten!
Ich bekomme natürlich Informationen von meiner Praktikumsstelle, möchte jedoch auch noch andere Meinungen hören und vergleichen. Dass es schwierig ist, Betreute einem bestimmten Milieu zuzuordnen, habe ich bereits erkannt und werde das auch so in meiner Arbeit schreiben, bzw. werde Beispiele für die Vielzahl von Milieus und Lebenslagen nennen. Viele Grüße, rubensartist
|
|
|
|
|
|
#6 |
|
Ehrenamtlicher Betreuer
Registriert seit: 28.03.2008
Ort: NRW
Beiträge: 2,098
|
Hallo,
leider teilst Du uns nicht mit, in welchem Rahmen oder in welchem Ausbildungsgang die Hausarbeit geschrieben werden soll. Es geht in Deiner ersten Frage nicht um eine "objektive" Zuordnung, sondern doch um eine subjektive, von außen herangetragene "Zuschreibung" des Milieus. Dahinter verbirgt sich wohl die Frage nach Stigmatisierung und/oder Vorurteil, sowie die unausgesprochene Vermutung, mit Einrichtung einer ges. Betreuung gehe ein gesellschaftlicher Statusverlust einher. Werden Betreuungen nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen angeordnet? Wenn ja, wie wird denn dann in anderen Bevölkerungskreisen auf den Verlust der Handlungsfähigkeit reagiert? Wenn hier mit dem Milieu-Begriff hantiert wird, dann solltest Du mal unter SINUS Milieus, SIGMA-Modell oder Gerhard Schulzes "Erlebnisgesellschaft" nachschauen. Würde mich aber wundern, wenn Du darüber etwas fruchtbar machen könntest. Auf die oben schon angedeuteten Fragen nach Stigmatisierung und Statusverlust weisen ja auch die Hinweise auf "Lebenslage", "-raum" und "Alltag". Wohnen, Arbeit, Bildung, Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe bilden die Lebenslage ab. Auch hier dürfte die Frage im Mittelpunkt stehen, ob mit einer Betreuung eine Ausrichtung am gewohnten Lebensstandard möglich ist oder ob eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird. Ich bin aber skeptisch, ob ein Zusammenhang mit dem Betreuungsrecht hergestellt werden kann, oder ob nicht andere gesellschaftliche Tendenzen eine mögliche Verschlechterung der "Lebenslage" herbeiführen. Die politische Bedeutung gesetzlicher Betreuungen schätze ich als hoch ein. Einmal aus finanzieller Perspektive; bei der Betreuungsrechtreform wurden die finanziellen Folgekosten massiv unterschätz und die Politik versucht verzweifelt, die Kosten wieder einzufangen. Zum Weiteren aus demographischer Perspektive. Eine immer älter werdende Gesellschaft steht vor der Herausforderung, die damit einhergehenden Problem zu lösen. Es gibt nicht nur die "Golden ager", sondern auch immer mehr altersbedingte Krankheitsbilder, die Menschen an einer selbstbestimmten Lebensführung hindern. Im Bereich der med. Versorgung ist diese Entwicklung bereits mit Einführung der Pflegeversicherung aufgegriffen worden. Die soziale Versorgung der betroffenen Menschen wird aber nicht thematisiert. Eine ehrliche Politik würde der Bevölkerung sagen, dass in den nächsten Jahren weitere (finanzielle) Belastungen zu erwarten sind und das mglw. ein weiteres Sozialversicherungssystem für genau diesen Problemkreis installiert werden muß. Interessant ist nicht die Frage, ob die politische Bedeutung hoch oder niedrig ist. Interessant ist die Frage, wie die Politik heute mit dieser Herausforderung umgeht bzw. sie unter den Teppich kehrt. Z.B. ist die Forcierung von Vorsorge- und Betreuungsvollmachten nur ein bedenklicher Versuch, die gesamtgesellschaftliche Problematik wieder in die Privatsphäre der Familie zu verlagern (i.d.R. auf den Rücken der Frau) und sie dort dem Blick der Öffentlichkeit zu entziehen. Die Möglichkeit der kriminellen Machenschaften möchte ich hier gar nicht weiter ausführen. Nur soviel: die hohe Dunkelziffer der "Gewalt in der häuslichen Pflege" hat hier ein Pendant im "Mißbrauch der Vollmacht". Schließlich muß man auch das Sozialstaatsgebot unserer Verfassung mitdenken. Mit dem Verlust der historischen Alternative hat aber der Druck auf die politisch Verantwortlichen soweit nachgelassen, dass hier ja schon die Frage diskutiert werden kann, ob 85ig Jährigen noch Hüftgelenke implantiert werden sollen. Für den Umgang mit unter Betreuung stehenden Menschen läßt das nichts Gutes hoffen. Dabei ist auch noch nicht bedacht, dass immer mehr Menschen mit der Komplexität unserer Gesellschaft nicht mehr klar kommen und eigentlich bedeutend mehr soziale Unterstützung zur Verfügung stehen müßte. Wann sich dieser Zustand pathologisiert oder pathologisiert wird und Betreuungen wieder zur sozialen Disziplinierung degenerieren, bleibt offen. Was ist der Hintergrund Deines Praktikums. Hat der Evaluierungsprozess im Betreuungsrecht auch die Hochschulen aufgescheucht und suchen Profs nach Material, um sich in die Diskussion einzuschalten? Oder sind es andere Gründe? Gruß Kohlenklau
__________________
Ich trinke nur an Tagen, die auf 'g' enden, und mittwochs They tried to make me go to rehab, but I say no - no - no (Amy Winehouse) |
|
|
|
|
|
#7 |
|
Gesperrt
Registriert seit: 25.02.2009
Ort: Köln
Beiträge: 3
|
Hallo Kohlenlau,
vielen dank für Deine ausführliche Antwort. Im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit ist ein Praxissemester vorgesehen, welches am Montag beginnt. Da ich mich für das Thema Betreuung interessiere und einen Betreuer kenne, absolviere ich mein Praktikum dort. Im vergangenen Semester belegten wir ein Vorbereitungsseminar. Die Prüfung für dieses Seminar besteht aus der genannten Hausarbeit. Darin soll u.a. noch die Einrichtung vorgestellt werden, persönliche Motivation, Vorkenntnisse, usw. Während des Praktikums steht dann noch eine richtig fette Hausarbeit an, mit einem Schwerpunktthema usw. Die Antworten auf meine Fragen haben mir sehr weitergeholfen, bzw. das schon Erfahrene ergänzt. MfG, rubensartist
|
|
|
|
![]() |
| Lesezeichen |
| Stichworte |
| alltag, lebenslagen, milieus, umfeld, zuschreibungen |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
|
|