Dies ist ein Beitrag zum Thema bestattungskultur im Unterforum Off Topic Bereich , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo Heinz,
sehr interessant, was du da schreibst.
Der Mann meiner Freundin ist kürzlich im Hospiz verstorben. Es war sicher ...
|
|||||||
| Registrieren | Hilfe | Benutzerliste | Kalender | Suchen | Heutige Beiträge | Alle Foren als gelesen markieren |
|
|
#11 |
|
Forums-Geselle
Registriert seit: 05.01.2009
Beiträge: 72
|
Hallo Heinz,
sehr interessant, was du da schreibst. Der Mann meiner Freundin ist kürzlich im Hospiz verstorben. Es war sicher besser, als wäre er im Pflegeheim gewesen. Aber es entsprach nicht dem, was ich von einem Hospiz erwartet hätte. Gefühlsmäßig kam da nicht wirklich viel rüber. Ist vielleicht in anderen Hospizen anders. Dein Satz (weiß leider nicht mehr genau wie man zitiert): "Wer das Leben missachtet ist nicht unbedingt gut Freund mit dem Tod" usw. hat mich sehr nachdenklich gemacht. Mir ist aufgefallen, dass die Menschen, die das Leben wertschätzen, die es bewusst und intensiv leben, in allen Facetten, auch den negativen, auch "gut" sterben können. Hallo Na Da, Es beeindruckt mich, was du da schreibst von Afrika. Ich möchte auch am liebsten nach dem Tod an einem Ort weilen, an dem ich gerne gelebt habe. Tod muss nicht traurig sein. Von meiner Urgroßmutter gibt es eine überlieferte Geschichte, dass sie kurz vor ihrem Tod ihre Kinder beauftragt hat, gutes Essen und Wein zu kaufen und an dem Tag, an dem sie stirbt, jedes Jahr ein Fest zu feiern, aus Dankbarkeit, weil sie ein so schönes Leben hatte. Nachdem sie alles Geld immer "verlebt" hatte, gab es auch nichts zu vererben und deshalb auch keinen Streit. Ich denke, wenn man "wirklich" gelebt hat, kann man auch gut Abschied nehmen. Meinen Vater, den Enkel jener "Urgroßmutter", haben wir auch in den Tod begleitet, zuhause. Es war ein so schönes und intensives Erlebnis für alle. Ich glaube auch für meinen Vater. Wir hatten ihn auch danach noch lange zuhause behalten und konnten in Ruhe Abschied nehmen, konnten den Tod fühlen und riechen, weinen und lachen, alles war so nahe beieinander und so intensiv. Ich bin sehr dankbar für dieses Erlebnis. Evi |
|
|
|
|
|
#12 |
|
Gast
Beiträge: n/a
|
Hallo Evi, hallo Nada,
der Tod gibt immer wieder Fragen auf. Eine Frage ist, bestatten wir zur Ehren des/der Verstorbenen im Glauben, er schaut uns dabei zu oder bestatten wir zur Ehren der Hinterbliebenen, also für uns selbst als ein Teil der Trauerarbeit? Je nachdem welche Sicht man hat, kommt man zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen inbs. bei den sog. Gedenkfeiern. Die Katholiken lassen ja auch schon mal nach einem Jahr eine Messe lesen oder feiern. Ich neige eher zu der Ansicht, die gesamte Bestattungskultur und auch das Gedenken ist eine Geste für die Hinterblieben. Die Verstorbenen haben nichts mehr davon oder denen kann es egal sein. Also ist die Frage, wie wichtig ist mir eine Form, ein Ort der Bestattung und des Gedenkens im Hinblick auf den Verstorbenen wie aber auch im Hinblick auf meinen Tod und hinsichtlich die, die mich bestatten. Die anonyme Bestattung irgendwo unterm Rasenfeld finde ich sehr betrüblich bishin zu recht ichbezogen: niemand soll wissen, wo meine Überreste sind - versunken irgendwo in der Erde. Ähnlich ist es bei einer Seebestattung - irgendwo da draußen auf dem Meer. Was andere empfinden und ob sie sich wünschen, einen Ort des Gedenkens zu haben, ist den anonym Bestatteten reichlich egal. Das heißt, ein Friedhof, egal in welcher Form, ob Friedhain Friedwald, Urnenfeld, Sargfeld, Kolumbarien, ist nichts weiter als eine Konvention. Konventionen sind Teil einer Kultur. Wer diese Konvention ablehnt und somit auch diese Form der Kultur hier, sollte sich im Klaren sein, weshalb und ob er oder sie etwas Schöneres, Praktischeres oder Angemesseneres bevorzugt und weshalb. Gegen Veränderung kann niemand mehr etwas haben, da sich eben diese Kultur (Bestattungskultur) so oder so verändert. Wenn EU Recht auch hier ratifiziert wird, fällt der Friedhofzwang. Dann macht eh jeder, was und wie er oder sie es für richtig hält. Ob aber damit der Gemeinschaft ein Gefallen getan wird, möchte ich bezweifeln. Ich stehe gelegentlich andächtig vor irgendwelchen Namenstafel der vergangenen Kriege oder dgl. und lasse mich ermahnen. Schließlich heißt es ja auch Mahnmal oder Grabmal und damit ist nicht eine archeologische Aufforderung gemeint: grab mal! Und wenn denn der Tod immer mehr privatisiert und schließlich anonymisiert wird, bedeutet es auch, dass der Mensch immer anoymer wird: vergraben, vergessen, wertlos. Das heißt, je nach Form der Bestattungskultur kommt auch die Wertschätzung des Menschen zum Ausdruck: ist der Mensch auch noch wert, seiner zu gedenken, wenn er gestorben ist? Oder ist er nur und wie weit wichtig, solange er oder sie lebt? Es steht geschrieben, dass der Mensch klug werde, wenn er bedenkt, dass er sterben muss. Die Frage ist nun, was ist gemeint mit 'klug'? Ich finde es spannend und lehrreich zu erfahren und zu erleben, wie andere Menschen und Kulturen mit dem Tod und der Bestattung und dem Gedenken umgehen. Es führt mich immer wieder an eben diese Frage heran - und auch mein Tod rückt unaufhörlich näher. In diesem Sinn danke ich euch für eure Gedanken und Worte. Heinz Geändert von Heinz (05.08.2009 um 08:35 Uhr) |
|
![]() |
| Lesezeichen |
| Themen-Optionen | |
| Ansicht | |
|
|