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bestattungskultur

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hier soll ein Thema aus dem Bereich der Rechtsberatung/Bestattungskosten fort geführt werden. Da ich im Friedhofausschuss in unserer Kirchengemeinde bin, ...


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Alt 25.06.2009, 13:26   #1
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard bestattungskultur

hier soll ein Thema aus dem Bereich der Rechtsberatung/Bestattungskosten fort geführt werden.

Da ich im Friedhofausschuss in unserer Kirchengemeinde bin, bekomme ich die Entwicklung von Verkleinern der Friedhöfe direkt mit. Der Trend geht immer mehr zu billig, billig billig. Es fehlt am Geist. Die Vorstellung von der Auferstehung der Toten ist obsolet. Übrig blieb noch das Gedenken. Aber bitte ohne Grabpflege. Rasen tuts auch. Und wozu eine Sargbestattung? Urne ist preiswerter. Noch haben wir Friedhofszwang,aber nicht mehr einheitlich in Europa. Das europäische Recht wird auch den Friedhofzwang aufheben. Dann gibt es die Urne auf dem Kaminsims. Und natürlich den Streit der Angehörigen, wer denn die Asche des Partners und Vaters bekommen darf oder der Streit unter den Geschwistern.

Dann doch eher die Asche im Wind verstreuen oder unter einem Baum im Friedwald. Zwei Berufsstände haben schon jetzt Probleme: die Bestatter und die Steinmetze.

Die Frage ist, was ist der Mensch wert? Nur so lange, wie er dem Bruttosozialprodukt dientlich ist? aus den Augen aus dem Sinn? Was sagen uns die Gedenktafeln der Verstorbenen der beiden Weltkriege oder die Namen der Ermordeten in den Mauern von Konzentrationslagern? Ist es nur ein Gedenken des Unrechts oder gedenken wir auch der Menschen? Was sagen uns die Grabkreuze und Grabmale geschichtsträchtiger Friedhöfe mit konkreten Hinweisen auf die Verstorbenen?

Der Psalmist mahnt uns, klug zu werden, dass wir sterben müssen. Der Blick auf die Endlichkeit des Lebens und insbesondere des menschlichen soll uns anhalten, den Wert des Lebens zu ermessen.

Angesichts vom Klonen und dem technischen Erhalt von Leben (selbst einer schwangeren Toten bis zum Kaiserschnitt des Kindes oder wenn politisch-gesellschaftlicht opportun, wie bei Tito oder Arafat) wird Leben verfügbar. Nun wurde der Verfügung über das selbst bestimmte Lebensende mehr Akzeptanz eingeräumt. Aber niemand ist eine Insel. Nach dem Gesetz der großen Zahl entscheiden angesichts von Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen immer mehr, nicht länger leben zu wollen und schon gar nicht Objekt der Pflege oder Medizin zu werden.

Das bedeutet der Mensch wird und lässt sich zum Kostenfaktor degradieren. Dann ist es nur Recht, die Zahl der Verstorbenen und die Bestattungskosten zu kalkulieren.

Aber Gesellschaft und deren Zukunft ist mehr, als der Nutzen und die Kosten des Einzelnen. Das erkennt man anschaulich bei den Staatsbegräbnissen. Lady Di lebt immer noch, wie auch Elvis.
Aber kaum einer kennt noch Leibnitz, Herder, Humboldt, Freiherr von Stein oder auch Edith Stein.

Das bedeutet, wie ich in der Interessengemeinschaft Poesie
Forum Betreuung - Poesie
auf Goethe hinwies, alles Vergängliche ist ein Gleichnis. Und die Entwicklung der Bestattungskultur sagt uns viel, wie wir uns selbst sehen und bewerten. Oder nicht?

Heinz
 
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Alt 25.06.2009, 14:21   #2
Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von heiner
 
Registriert seit: 11.05.2009
Beiträge: 564
Standard

Hallo Heinz,

ich gebe Dir uneingeschränkt recht!

Aber Menschen mit unserer Einstellung von Kultur, hier vorallem der christlich-abendländischen Kultur, sind in unserer Gesellschaft leider in der Minderheit.
Siehe das Abstimmungsergebnis in Berlin, hinsichtlich des Religionunterrichts.

Herzliche Grüße
Heiner
heiner ist offline  
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Alt 25.06.2009, 19:35   #3
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

hallo heiner,

ein neues Thema: Religionsunterricht oder Ethikunterricht.

hab dieses Thema neu aufgemacht.
 
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Alt 25.06.2009, 23:58   #4
Einsteiger
 
Registriert seit: 06.03.2009
Ort: Völklingen
Beiträge: 18
Standard

@Heinz

ich habe mir gerade deinen beitrag durchgelesen und soweit es die späte stunde zulies auch verstanden, womit ich allerdings nicht konform gehe, ist der punkt urnenbestattung ist eh preiswerter...

das wertet für mich diese form der bestattung zu unrecht ab... denn im grunde (soviel ich noch weiß) sind die kosten höher, auch wenn die grabstelle natürlich preiswerter ist, aufgrund der geringeren fläche...

ich will hier nur als beispiel meine mutter anführen, die sich zu lebzeiten dafür entschieden hat, eingeäschert zu werden... es war ihr ausdrücklicher wunsch, den wir ihr nach ihrem tod auch entsprechend erfüllt haben...

prinzipiell davon auszugehen, dass es negativ ist, wenn ein verstorbener eingeäschert wird, finde ich bedenklich... denn es können auch andere überlegungen eine rolle spielen... meine mutter mochte die vorstellung nicht, (wenn ich es mal so salopp ausdrücken darf) langsam zu verrotten bzw wurmfutter zu werden, daher hatte sie sich z.b. so entschieden...

ich habe auch das gefühl, dass du mit manchen äußerungen übers ziel hinausgeschossen bist oder wolltest du extra provozieren, um eine diskussion anzuregen?


gruß
tuarin
__________________
Mit etwas Geschick kann man aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, eine Treppe bauen.
- Robert Lembke -
Tuarin ist offline  
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Alt 26.06.2009, 07:58   #5
Admin
 
Benutzerbild von michaela mohr
 
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 3,580
Standard

Hallo zusammen,

ich kann mich Tuarin nur anschliessen.

Und möchte noch ein Stück weitergehen, ich brauche kein Grab, weder Urne, noch Stein noch sonst was um zu "gedenken".
Das steht absichtlich in Anführungszeichen, ich "gedenke" nicht, der Begriff ist mir zu distanziert und zu fremd.
Ich habe bestimmte Menschen (auch persönlich unbekannte, z.B. Schriftsteller, ich bin fanatischer Leser) für immer im Herzen, da gehören sie für mich hin. Steine, Gräber, Urnen stören mich dabei nur.

Meine persönliche Entscheidung kein Objekt der Pflege und Medizin werden zu wollen im Fall hat überhaupt nichts mit Kosteneinsparungsgedanken zu tun sondern alleine mit meiner persönlichen Lebenseinstellung: irgendwann, bzw. genau dann, möchte ich, dass es einfach genug für mich ist. Punkt, da hat mir keiner reinzureden.

Und doch halte ich mich für kulturell/kultiviert.
Ich habe eine andere Kultur wie die erwähnte christlich- abendländische denn die muss nicht die allein seeligmachende sein, aber deswegen mutiere ich nicht gleich zum Barbaren.
Mir fehlt hier bißchen die Toleranz gegenüber anderen Werten und Kulturen.

Grüsse Michaela
michaela mohr ist offline  
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Alt 26.06.2009, 08:16   #6
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
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Hallo tuarin,

ich verstehe dich nicht ganz. Urnenbestattungen sind immer preiswerter als Sargbestattungen und zwar nicht nur wegen der Grabfläche und obwohl auch ein Sarg in die Brennkammer geschoben wird. Ich habe mehrere Bestattungen vorgesorgt und durchführen lassen. Und es gibt sicherlich auch ganz preiswerte Sargbestattungen im Rasenreihenfeld wohlmöglich noch im Pappkarton (kein Scherz, gibts wirklich).

Ich vermute ein Missverständnis: ich wollte nicht eine Urnenbestattung abwerten. Ich selbst werde mich auch einäschern oder für Studien- und Forschungszwecke verwenden lassen. Organspendeausweis habe ich schon seit Jahrzehnten. Wenn mein Körper nicht mehr funktioniert, ist eh egal, was mit ihm passiert.

Wichtig ist meines Erachtens nicht, wie man mit dem Leichnam, also dem Körper umgeht. Wichtig ist der Umgang mit dem Tod ansich. Davon hat zwar der Tote nichts mehr, ist aber wichtig für die Hinterbliebenen. Die gesamte Bestattungskultur ist kein Dienst an oder für den Verstorbenen, sondern ausschließlich für die Lebenden. Trauerarbeit ist das Stichwort und vor allem Kultur.

Der Zustand einer Gesellschaft ist ablesbar daran, wie sie mit ihren Verstorbenen umgeht. Gedenkt man ihrer und nicht nur der Reichen und Berühmten und Geehrten, sondern auch der Schwachen und Armen und Kranken und Unbedeutenden, so achtet man auch das Leben. Wo aber Geiz ist geil auch in der Bestattungskultur Einzug hält, wird der Mensch zum Konsumartikel. Nach Gebrauch und Funktion weg damit, namenslos verscharrt. War da was?

Ich gebe dir Recht, wenn du mir den Spiegel vorhälst. Auch ich lege keinen Wert darauf, dass man meiner gedenkt. Meine Asche in alle vier Winde und eine Geste der Ehrerbietung des Lebenskreislaufs aus Erde sind wir und zu Erde werden wir. Mein Beitrag fürs Leben und die Gesellschaft wird sich ebenfalls mit der Zeit verflüchtigen. Ich erkenne mich nicht mehr als eine Muschel am Strand oder ein Blatt am Baum und freue mich über den Gedanken, dass ein Spaziergänger oder ein Kind eine Muschel oder Kieselstein hochhebt, der ihm oder ihr gefällt und ich darin enthalten bin.

Nichts desto trotz setze ich mich dafür ein, dass es Formen des Gedenkens gibt. Ohne Erinnerung, ohne Gedenken, sind wir wurzellos, wissen wir nicht wer wir sind. Wieviele suchen ei lebenlang nach ihren Eltern, Großeltern und Vorfahren, auch wenn Schreckliches ans Licht kommt. Wie gedenken wir der Geschichte des Landes, dem wir entstammen? Wie wichtig ist uns zu wissen, wie der Mensch wurde, was er ist und was aus ihm wird, auch wenn der Neandertaler namenslos ist.

Und somit ist die Bestattungskultur, egal ob Urne oder Sarg, lebenswichtig für die Hinterbliebenen, Nachkommen und der Gemeinschaft.

Heinz
 
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Alt 04.08.2009, 16:47   #7
Evi
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Beiträge: 72
Standard

Hallo zusammen,

ich glaube, es ist unwesentlich, ob eine Erdbestattung oder eine Feuerbestattung stattfindet. Es gibt für beide Bestattungsformen gute Gründe und auch Anhänger derselben.

Habe allerdings schon öfter erlebt, dass Angehörige Probleme damit haben, wenn eine anonyme Bestattung stattfindet, weil sie keinen Ort der Trauer haben.

Ich selbst musste feststellen, dass ich nicht die gleichen Gefühle habe, wenn ich vor einem Urnengrab stehe, wie vor einem Erdgrab.
Das ist allerdings mein persönliches Empfinden.

Als ich letzthin mit einem Unternehmen meine Bestattungsvorsorge besprechen wollte, hat dieses mich immer wieder zu einer Feuerbestattung überreden wollen (vor allem der Kosten und der Einfachheit wegen), obwohl ich ausdrücklich eine Erdbestattung wollte.

Wichtiger als die Frage ob Erd- oder Feuerbestattung ist, meiner Meinung nach, ob mit dem Tod und dem Toten würdevoll umgegangen wird. Das läßt allerdings in meine Augen zunehmend zu wünschen übrig.

Ich kannte lange Zeit nur die Beisetzungen "auf dem Lande". Die waren irgendwie Balsam für die Seele der Angehörigen. Man hat sich irgendwie eingebettet gefühlt, in Rituale usw. Das war hilfreich. Es wurde auch noch oft über die Trauerfeier und die Toten gesprochen.

In den letzten Jahren war ich wiederholt auf Aussegnungsfeiern (Urnenbestattungen) in der Großstadt. Ich hatte das Gefühl, das ging wie am Fließband.
Die Feier hatte noch nicht angefangen, standen schon die nächsten vor der Tür. Es schien mir alles sehr oberflächlich und hektisch. War die Feier vorbei, war sofort "business as usual" angesagt.

Ich glaube, Trauerarbeit, die früher auf ganz natürliche Art stattfinden konnte,weil der Tod ein wichtiger, geachteter Bestandteil des Lebens war, wird heute sehr erschwert und kann oft nur mit Hilfe von teurer Psychotherapie nach langer Zeit des Verdrängens (und Leidens) geleistet werden.

Evi
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Alt 04.08.2009, 17:20   #8
Evi
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 05.01.2009
Beiträge: 72
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Hallo Heinz,

den Eindruck, dass der Mensch zunehmend zum Konsumartikel wird, habe ich auch. Sobald er nicht mehr funktioniert, weg damit, und wenn er vollends "kaputt" ist, dann eben so preisgünstig wie möglich entsorgen.

Bei Tieren fällt mir das schon lange auf. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir um verstorbene Haustiere in der Kindheit sehr trauerten. Sie wurden mit viel Aufwand und Ritualen beerdigt. Auf diese Weise bekam ich "Handwerkszeug" mit, das mir später sehr half mit Tod und Trauer umzugehen.

Heute erlebe ich sehr oft, dass Kinder nicht mehr großartig um Tiere trauern. Es wir ein neues beschafft und fertig. Häufig finden sie sogar, dass "das neue Modell viel besser ist, als das alte", wie mir letzthin ein Junge versicherte, als sein Hase gestorben war.

Evi
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Alt 04.08.2009, 17:30   #9
Heinz
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Beiträge: n/a
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Hallo Evi,

ich bin im Friedhofausschuss unserer Kirchengemeinde. Wir überlegen jetzt, in wie weit wir die Urnenbestattungen unattraktiver machen können. Leider ist die Frage des Geldes in allen Schattierungen entscheidend: möglichst billige Bestattung, Zusammenlegen oder Schließen der Friedhöfe, Urnen auf dem Kaminsims oder in den Schließfächern von Kolumbarien, Asche zum Diamanten oder im Friedwald. Wird sie verstreut, darf man nur mir Mundschutz daher, weil die Asche giftig ist.

Du schreibst vom Umgang mit dem Tod. Ich erlebe es immer wieder, selbst in Kreisen des Hospizes wird der Tod nicht ernst genommen: das Sterben - ja - das Loslassen und Verabschieden, auch. Aber nicht der Tod selbst. Es wird zwar immer wieder gesagt, der Tod sei ein Teil des Lebens, aber das ist rational - nicht emotional. Der Tod wird als das Gegenteil des Lebens erachtet, den es zu verhindern gilt. Eigentlich muss alles getan werden, dass man nicht stirbt, nicht jetzt, nicht so, am besten gar nicht.

Und dann kommt doch der gemeine, hinterhältig, gefühl- und rücksichtslose Tod, der den Partner, die Eltern, das Kind, den Freund, die Freundin nimmt. Mit welchem Recht? Woher hat der Tod das Recht, Leben zu beenden? Wer hat dem Tod das Recht gegeben? Gott? Kann nicht sein. Gott ist lieb und das Leben. Gott würde soetwas nie machen. Und da haben wir den Schlamassel: der Tod ist der Gegenspieler Gottes, weil wir uns nicht vorstellen können, dass Gott auch den Tod will und wohlmöglich den Todeskampf und den Unfall und das Verbrechen und die Krankheit und das Alter und und und.

In Trauerarbeit (selbst erlebt) wird wieder das Abschiednehmen, das Loslassen betrachtet und das Erhalten von Erinnerung und das Vergeben und Vergessen. Aber Gevatter Tod ist wieder nicht dabei. Aus dieser Widersprüchlichkeit resultieren viele Erscheinungen an Fragen bishin zum Verzweifeln. Und die Kirchen tun ihr Übriges, den Tod zu leugnen, so wie Petrus geleugnet hat, weil er Angst hatte, auch sterben zu müssen. Die Kirche ist mit den Trauernden. Sie spricht von einem Leben danach. Aber für die Bestattungskultur tut sich auch nichts mehr. Ob nun im Sarg oder in der Urne - aus Erde bist du und zu Erde wirst du. Was übrig bleibt ist Spekulation und Glaube.

Wir machen uns Gedanken über pflegeleichte Grabformen, Rasen oder Mulch, wir streiten uns über Grabgestaltung und Grabmale, wir diskutieren über Vorschriften und Bestattungszahlen. Und wieder ist Gevatter Tod, der Sensenmann oder Fährmann nicht dabei.

Die alten Mythologien hatten noch eine Vorstellung vom Wesen des Todes und von seinem Charakter. Da konnte wohlmöglich noch der Mensch dem Tod von der Schippe hopsen oder ihm ein Schnippchen schlagen oder noch um ein paar Jahre pokern. Da war der Tod auch mal gnädig und erlöste von Leid, Gram und aus Einsamkeit.

Ich finde es auch traurig, dass der Tod tabuisiert wird. Ich finde, der Tod ist ein fairer Gesell. Er hat Rechte und Pflichten, wie das Leben auch. Und wer das Leben missachtet, ist nicht unbedingt gut Freund mit dem Tod. Der Tod kann sich bitterlich rächen. Denn nur der hat mit dem Fährmann einen fairen Lohn ausgehandelt, der das Leben als Geschenk angenommen hat. Wer meint, Herr über Leben zu sein, ob nun über sein eigenes oder das der anderen, findet im Tod gewiss seinen Meister und - Richter.

Ich habe die Gespräche über Patientenverfügung immer weniger werden lassen. Es war zu deprimierend, wie mancher zum Leben und Sterben steht. Viele erhofften sich eine Garantie für das schmerzfreie Sterben, abends sich zum Schlafen legen und morgens nicht mehr aufwachen. Doch diese Garantie gibt es nicht und nur wenige erleben es so. Die meisten werden nochmals reanimiert und künstlich beatmet, wohlmöglich noch künstlich ernährt, obwohl Gevatter Tod schon am Bettrand stand und den, dessen Lebensuhr eigentlich abgelaufen war, hinüber begleiten wollte, aber wir haben es nicht zugelassen. Wir haben gehofft und gebetet und getan und gemacht, den geliebten Menschen aus den Klauen der Bestie zu entreißen. Wer hat nun Recht und wer darf was? Gehenlassen, sterbenlassen, wo vielleicht noch ein Fitzel an Hoffnung war? Ich glaube, davon kann sich keiner frei machen. Auch wir haben gekämpft und gehofft und - verloren.
Und so wird es bei anderen Ergrauten aus der Verwandtschaft wieder sein. Irgendwann. Glücklich der oder die, die sich schon zeitig mit dem Lebensende ausgesöhnt und mit dem Tod Frieden geschlossen hat.

In diesem Sinn
Heinz
 
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Alt 04.08.2009, 21:36   #10
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Registriert seit: 14.04.2009
Beiträge: 163
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Hallo,
vor einiger Zeit wurde im Fernsehen ein Beitrag der BBC ausgestrahlt.
Man berichtete von einem in Irland lebenden todkranken Mann, der im Kreise seiner Familie und Freunde seine letzten Stunden verbrachte. Es wurde gesungen, Geschichten erzählt und man rahmte den Todgeweihten in Liebe ein und versuchte ihn auf seinem letzten Weg soweit zu begleiten, wie es eben möglich ist. Nach dem Tod gab es eine Feuerbestattung und die Asche wurde im Rosengarten hinter dem Haus (ein Platz den der Tote sehr mochte) verstreut. Für mich blieb der Gedanke; ich möchte auch begraben sein, an dem Ort, den ich zu Lebzeiten geliebt habe. Die Erwägung, keine vorgegebene Grabstelle zu haben, hat einen ganz besonderen Reiz.
Und dies jenseits aller pekuniären Erwägungen.
Auch dieses ist Bestattungskultur.
In den Jahren in denen ich in Afrika gelebt habe, bin ich mit vielen Arten der Bestattung konfrontiert worden. So bleiben mir die Menschen im Dogon (Mali) ganz besonders in Erinnerung, die ihre Toten in die Felswände gebracht haben und nach einem Jahr eine Feier zu Ehren des Toten veranstaltet haben. Es waren ausgelassene Feste, mit Tanz und Gesang.
Ist das keine Bestattungskultur?
Damit will ich nur sagen, dass die Toleranz, anders Denkenden gegenüber, in der Diskussion gewahrt bleiben soll.
Und warum soll ich des Toten nicht gedenken können, wenn er an einem Ort beerdigt ist, wo eben kein Grabstein neben dem anderen steht, sondern mir bewusst ist, dass dies der Ort ist, an dem sich dieser Mensch ganz besonders wohl gefühlt hat.
Grüße NaDa

Geändert von NaDa (04.08.2009 um 21:38 Uhr)
NaDa ist offline  
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