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Moral

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Zitat: Zitat von Heinz Ich kann aber auch mit einem, zum Thema Moral passenden Hinweis aufwarten, den ich heute morgen ...


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Alt 09.08.2009, 20:09   #41
Forums-Geselle
 
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Blinzeln

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Ich kann aber auch mit einem, zum Thema Moral passenden Hinweis aufwarten, den ich heute morgen erhielt:

Wolfgang Engler: "Lüge als Prinzip". Aufrichtigkeit im Kapitalismus. Aufbau Verlag, Berlin 2009. 214 S., 19,95 €.

Lüge war mal unmoralisch bzw. anrüchig. Doch in der heutigen Zeit wird die Lüge zum Prinzip, ob nun im Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise oder der Politik oder auch nur im Verhältnis zu den Verfolgungsbehörden. Die Lüge gegenüber der Polizei oder dem Richter, um sich selbst zu schützen, ist nicht relevant und nicht strafbar. Und viel 'Getrickse' gegenüber dem Finanzamt ist selbstverständlich. Dem Staat darf doch nichts geschenkt werden! Und die Regierung und Parteien belügen die Bürger und die Bürger belügen die Gemeinschaft und letztlich sich selbst.

Und da sind wir wieder beim Kampf jeder gegen jeden, dazu
Hobbes Leviathan Krieg jeder gegen

Das heißt, ab einem gewissen Zustand, ob jetzt mit körperlicher Gewalt oder psychischer oder interlektueller, verliert die Moral an Boden.

Was sich im Großen abspielt, findet sich nach dem universellen Prinzip (Stephan Hawking) auch im Kleinen, bishin zur Nussschale. Heißt, gibt es irgendwo einen Bruch, das Große nicht bis auf das Kleine runter zu transferieren oder -formieren?

Gilt für die Politiker eine andere Moral als für die Bürger? Gibt es fürs Gerichte eine andere Moral als für Betreuer und Betreute?

Allein dieser Gedanke, differierender Moralvorstellungen finde ich äußerst reizvoll.

Besten Gruß
Heinz


Hallo Heinz,

es tut mir leid, dass ich eeir immer nur Brocken hinwerfe, aber zeitlich geht grad nicht mehr
Ja, lügen ist zum Prinzip geworden - manch einer versteckt sich dabei häufig hinter dem Terminus: "sachzwangsinduzierte" Unehrlichkeit, oder schwafelt was von systemimmanten Gegebenheiten o.ä. Politiker aller Couleur haben dies mittlerweile zum Prinzip ihres Handelns erhoben, verstehen dies aber geschickt zu verschleiern (auch die, die gegen den EU-Beitritt der Türkei sind, sind Profis im Verschleiern!).
Seit Max weber die moralischen Grundlagen unseres Unternehmertums in der "protestantischen Ethik" gefunden zu haben glaubte, ist viel Wasser den Rhein runter. Auch der Versuch Menschenwürde über den Arbeitsbegriff zu festigen, wie es noch Marx tat, ist längts perse...Selbst wenn ich 2 10 €-Scheine ne Woche alleine lasse, kommt kein Kleingeld raus, dennoch wird immer nur behauptet Geld arbeitet (?).
Was mir auffällt, ist dass durch die von dir beschriebene Arbeit der Steuerhinterziehung (nach Konz die legale), vielleicht doch gar nicht so viel Schaden entsteht - schliesslich gehts ja immer im die Binnennachfrage: Wenn der Facharbeiter Hugo B. mit seinen 1350€ netto bei der Steuererklärung so schummelt, dass 100€ mehr rauskommen, wo wandern die hin? Wenn Frau S. die Steuer um 30 Millionen jährlich bescheißt, wer hat dann was davon - so viel heimische Kartoffeln kann die nicht essen und so viele 12.Wagen braucht auch keiner....Kurz: Ist das Verhalten von Hugo B. amoralisch, wenn er seinen Kindern 2 Paar neue Schuhe im Jahr kauft - denk nur an die Langzeitwirkung hinsichtlich orthopädischer Einlagen, Haltungsschäden, o.ä.! Da wird dem Staat doch nichts von geschenkt, was er nicht eh sofort an die Lobbyisten und Besserverdiener abdrückt, im Gegenteil!!! Und genau deshalb sind wir nicht bei Hobbes, dass ist alles übelste neoliberalistische Propaganda - bei Hobbes gibt es ebenso Aussagen zur Moral, wie bei fast allen klassischen Denkern - nur sind die etwa so unbekannt, wie das Ahlener Programm der CDU von 1947!!!
Zu Hawkins sagt ich nicht viel, sondern frage eher, wem diese Theorie dient...Ein am C64 designter Algorithmus mit dem Apfelmännchen ist mir doch zu banal um aus ner Chaostheorie ne verifizierte Diagnosegrundlage abzuleiten...
Wenn Moral nicht kontextabhängig wär, wäre sie wohl genetisch, oder?

Gruß
M.
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Alt 10.08.2009, 14:43   #42
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo M.,

in welche Tiefen der Moral wollen wir uns noch begeben?
- du erwähnst das Ahlener Programm - das war noch eine CDU, was? joi. Im Vergleich zu heute! Aber was Adenauer schon draus gemacht? Was interessierte ihn, sein Geschwätz von gestern und vor allem in der Absprache mit der FDP, die er 'gelinkt' hat. Und nicht zuletzt die Moral vom Kanzler der Wiedervereinigung, die er eigentlich gar nicht wollte, sondern er praktisch hingetragen werden musste und sein Ehrenwort gegenüber dem Deutschen Volk oder doch eher gegenüber dem französischen Geheimdienst in der Luna-Affäre?

- tja und dann die Steuermoral. Hängt ja praktisch mit dem obigem zusammen - da war der schwarze Sherrif, der auf die Schwarzarbeiter eindrosch und gleichzeitig Schwarzgelder ins Ausland verschob. Und dann die Klamotte mit den verstorbenen Juden, die angeblich ihr Erbe der CDU vermacht haben sollen. Von wegen brutalstmögliche Aufklärung. Lächerlich.
Aber was ist legitim und was ist moralisch? Die Dienstwagenaffäre einstmals von Rita Süßmuth oder jetzt von Ullalala Schmidt? Völlig korrekt, aber moralisch? Ackermann verdient im Vergleich zu den Amis immer noch viel zu wenig. Und auch der Esser in der Mannesmann Geschichte oder der Zumwinkel, als Manager des Jahres. Alles völlig korrekt. Aber moralisch?

- du fragst nach genetischem Moralbegriff oder der 'Verankerung'. Das ist ja die Frage des Gewissens und da kommen die Philosophen und Soziologen und Neurologen und Psychologen, vielleicht noch Theologen. Und fragt man die Anthropologen und Historiker, bekommt man wieder andere Aspekte. Jedenfalls ist m.E. Moral ebenso Zeit und Kultur abhängig, wie die Frage des Gewissens. Man denke nur an das 'Anschwärzen' unter Adolf oder Ulbricht. Die Informellen waren systemtreu und taten ihr Bestes. Ebenso die Gläubigen im Mittelalter, die schon mal unliebsame Mitmenschen mit Hilfe der Kirche auf den Scheiterhaufen brachten.

- aber ich schweife ab - was ich an deinen Ausführungen interessant finde ist der Gedanke, dass ein 'Steuerbetrug' im Kleinen, der dem Bruttosozialprodukt wieder zugute kommt, anders zu bewerten ist, als der Entzug von Geld, wie zum Beispiel bei den Parteispenden. Doch welches Prinzip liegt dieser unterschiedlichen Wertung zugründe: der Zweck heiligt die Mittel?

Hatten wir schon mal und kommt auch immer wieder vor. Artet dann oft auch in eine Art Faustrecht aus - im übertragenen Sinn definiert jeder seine eigene Moral bzw. erachtet das als richtig und gut, was einem selber nutzt. Sehr gefährlich.

Bei der Gelegenheit: soeben hörte ich die Ankündigung im Radio WDR 5. Vermutlich die übernächste Sendung des philosophischen Radios geht über die moralischen Betrachtungen bei Nietzsche, interessanterweise betrachtet diese der bekannte Kabarettist Peter Zudeick (satirische Wochenrückblick), der ja die polischen Übermenschen allzugerne und treffend lächerlich macht. Ist eigentlich eine solche Despektierlichkeit gegenüber unseren Regenten moralzersetzend (Rückgang der Wahlbeteiligung) oder ein Zeichen funktionierender Demokratie und der politischen Willensbildung?

besten Gruß Heinz
 
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Alt 10.08.2009, 20:26   #43
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 12.05.2009
Beiträge: 200
Beitrag

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Hallo M.,

in welche Tiefen der Moral wollen wir uns noch begeben?

- du fragst nach genetischem Moralbegriff oder der 'Verankerung'. Das ist ja die Frage des Gewissens und da kommen die Philosophen und Soziologen und Neurologen und Psychologen, vielleicht noch Theologen. Und fragt man die Anthropologen und Historiker, bekommt man wieder andere Aspekte. Jedenfalls ist m.E. Moral ebenso Zeit und Kultur abhängig, wie die Frage des Gewissens.

- aber ich schweife ab - was ich an deinen Ausführungen interessant finde ist der Gedanke, dass ein 'Steuerbetrug' im Kleinen, der dem Bruttosozialprodukt wieder zugute kommt, anders zu bewerten ist, als der Entzug von Geld, wie zum Beispiel bei den Parteispenden. Doch welches Prinzip liegt dieser unterschiedlichen Wertung zugründe: der Zweck heiligt die Mittel?

Ist eigentlich eine solche Despektierlichkeit gegenüber unseren Regenten moralzersetzend (Rückgang der Wahlbeteiligung) oder ein Zeichen funktionierender Demokratie und der politischen Willensbildung?

besten Gruß Heinz
Hallo Heinz,

ich frag doch gar nicht danach, ob Moral genetisch ist - nur diese Apfelmännchengeschichte unterstellt diese Strukturähnlichenkeiten als naturgegeben...Nimm doch mal deine Grundschulklasse - ich denk du bist paar Takte älter als ich: Ihr ward 30 Schüler, wahrscheinlich Immigrantenanteil unter 10%, kamt alle aus derselben Gegend, die meisten gehörten noch dergelichen Kirchengemeinde an, also: Wie viele davon sind aktuell hier mit dir im Forum unterwegs? Keiner wahrscheinlich. Wieviele haben den selben Beruf wie du? Max 10 %. Komisch, ihr hattet doch alle exakt denselben Unterricht, oder? Dennoch wage ich mal zu behaupten, dass ihr euch auch 30-40 oder mehr Jahre nach dem Schulabschluß hinsichtlich mind. 90% moralischer Fragestellungen ähnelt - ganz einfach deshalb, weil jeder 6jährige schon Stufe 3 nach Kohlberg internalisiert hat - da ist nix genetisch dran, sondern hängt vom Kontext ab (s. H. Kohls Ehrenwort, was exakt dem Nivrau eines 1.Klässlers entspricht!)...
Zum Steuerbetrug: Der ist möglich und wird auch noch so genannt, obwohl gewisse Dinge ganz legal sind! Und ich behaupte mal mit Absicht: Solange man selbst dazu greift - auch wenn es legal ist!!! - hat es doch immer was von: Ich bescheiße die Leute. Hier liegt der Knackpunkt: Die wir da unten es genauso machen, wie die da oben, kann man sich darüber auch nicht empören. Dumm nur, dass wir unten es nicht machen müssten, wenn die oben nicht rein nach Ellenbogen leben würden. Das hat Methode. Sieh dir doch nur die Topbetrüger heutzutage an - 26 Jahre, 2 oder mehr Milliarden versenkt - da hat kein Schwein gesagt Steinbrücks Kopf muss rollen oder die Bankenaufsicht verschärft werden - das System funktioniert doch, man hat mal wieder einen geschnappt (während täglich locker 2 Milliarden den Völker zugunsten ihrer Macher - ja, man redet von Machern - aber was machen die eigentlich? - entwendet werden!).
Moralzusetzend, was soll das hinsichtlich des politischen Systems sein? Politik basiert nicht auf Moral, nur Gesetze. Und dann sieh bdir mal an, wie diese bei uns gehandhabt werden von Politikern. Politiker haben mit gesetzen nichts zu tun, die können noch nicht mal selbst welche aufstellen, dass machen die Lobbygruppen doch schon lange. Und wie viele Gesetze scheitern am BGH oder in der EU? Selbst Köhler, wirklich nicht der integere Mann, sackt doch genug ein, weil sie schlampig erstellt wurden...Angesichts dieser Tatsache, wundert es nicht, wenn die Neoliberalen gegen den Kommunismus, Wählerbeteiligung, Räterepublik, etc. sind - da müssten sie viel mehr Leute schmieren....

Gruß
M.
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Alt 11.08.2009, 07:42   #44
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
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Hallo M.,

die Unterscheidung von legalem 'Bescheißen' in der Frage von Steuerbetrug finde ich sehr interessant. Du hast völlig Recht, da spielt das Gewissen hinein, eigentlich ist es nicht korrekt, aber aufgrund der Gesetze und des Zeitgeistes (dem Staat und schon gar nicht dem Finanzamt - obwohl ja irgendwie miteinander verwandt - auch nur einen Euro zu schenken) ist es nahezu Pflicht, gegen die eigene Auffassung zu betuppen. Und manche verkehren es ins Gegenteil und wundern sich, wenn dann doch die Beamten mal das Konto filzen.

Insofern möchte ich dir, was die Moralvorstellungen meiner Mitschüler angeht, zum Teil widersprechen. Im Grundsatz magst du Recht haben, aber je nachdem, wie sich ihr Leben gestaltet hat und in welche Höhen sie gestiegen sind, oder zum Teil auch wieder abgestürzt sind, hat sich deren Moralvorstellungen mit der Zeit erheblich verändert. Und ich bin der Überzeugung, dass manches an gutgemeinter Empfehlung unserer Lehrer uns mitgegeben wurde, nicht auf fruchtbaren Boden fiel, sondern eher daneben.

Dein anderer Aspekt ist nicht minder interessant: die Bänker blieben im System und machen so weiter wie bisher: die Mitarbeiter werden angehalten, ebenfalls wieder Schrott unter die Leute zu bringen und an der Börse wird doller gepokert, als zuvor. Die Gier nach dem schnellen Geld ist halt angeheizt, wie man es bei der Abwrackprämie und beim Jackpot in Italien sieht. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise wurden, Gott sei dank, abgewendet. Ein schwarzer Freitag wäre vielleicht lehrreicher gewesen, aber halt auch für viele, die brav arbeiten, Steuern zahlen, sich an die Gesetze halten und Weihnachten in den Gottesdienst gehen.

Deine Verschreiber sind wirklich süß
Zitat:
Zitat von M.
Moralzusetzend, was soll das hinsichtlich des politischen Systems sein?
ich meinte
Zitat:
...gegenüber unseren Regenten moralzersetzend
Aber du hast auch hier völlig Recht: wie kann man dem politischen System noch Moral zusetzen. Und kann es überhaupt etwas zersetzend wirken, wo nichts da ist? Nun ja, es gibt sie schon noch. So wie Hans-Christian Ströbele gibt es noch andere, die auch immer wieder die Finger in die Wunden legen und das nicht nur bei den Grünen. Aber viele bleiben leider nicht nur im Wahlkampf im Hintergrund. Vielleicht auch aus guten Grund, um in Ruhe konstruktiv arbeiten zu können und nicht von einer voyeuristischen Presse gehetzt zu werden.

Damit schlage ich ein neues Kapitel auf: Moral und Presse - mit der Frage - und zum Teil wurde das ja hier schon ausgiebig diskutiert - ist es zum Beispiel Betreuungen förderlich, wenn nahezu regelmäßig die Schwarzen Schafe und ihr missbräuchliches Verhalten stellvertretend für einen Berufsstand exemplarisch vorgeführt werden? Wem nützt es? Den Betreuten, den Betreuern, den Politikern, der Presse?

Oder anders herum gefragt: ist Moral letztlich das, was uns die Presse vorgaukelt? Wenn es im medialen Zeitalter tatsächlich so ist, können wir getrost die Theorien der Sozialisation oder genetischer wohlmöglich noch archetypischer Veranlagung bishin zum Naturrecht schlicht vergessen. Oder nicht?

Besten Gruß
Heinz
 
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Alt 11.08.2009, 18:21   #45
Forums-Geselle
 
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Beiträge: 200
Rotes Gesicht

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen
Hallo M.,

die Unterscheidung von legalem 'Bescheißen' in der Frage von Steuerbetrug finde ich sehr interessant.

Dein anderer Aspekt ist nicht minder interessant: die Bänker blieben im System und machen so weiter wie bisher: die Mitarbeiter werden angehalten, ebenfalls wieder Schrott unter die Leute zu bringen und an der Börse wird doller gepokert, als zuvor.

Aber du hast auch hier völlig Recht: wie kann man dem politischen System noch Moral zusetzen. Und kann es überhaupt etwas zersetzend wirken, wo nichts da ist? Nun ja, es gibt sie schon noch. So wie Hans-Christian Ströbele gibt es noch andere, die auch immer wieder die Finger in die Wunden legen und das nicht nur bei den Grünen.
Damit schlage ich ein neues Kapitel auf: Moral und Presse - mit der Frage - und zum Teil wurde das ja hier schon ausgiebig diskutiert - ist es zum Beispiel Betreuungen förderlich, wenn nahezu regelmäßig die Schwarzen Schafe und ihr missbräuchliches Verhalten stellvertretend für einen Berufsstand exemplarisch vorgeführt werden? Wem nützt es? Den Betreuten, den Betreuern, den Politikern, der Presse?

Oder anders herum gefragt: ist Moral letztlich das, was uns die Presse vorgaukelt? Wenn es im medialen Zeitalter tatsächlich so ist, können wir getrost die Theorien der Sozialisation oder genetischer wohlmöglich noch archetypischer Veranlagung bishin zum Naturrecht schlicht vergessen. Oder nicht?

Besten Gruß
Heinz
Hallo Heinz,

es geht nicht ums Betuppen bei der Steuer, sondern darum, dass einem schon ein schlechtes Gewissen suggeriert wird, wenn man was berechtigt zurück haben will....
Klar gehts an der Börse gerade jetzt heiß zu - statt knapp 9000 Punkte dümpelt der Dax bei 5000 rum - überleg dir mal den Schnapp, wenn er von 5000 wieder auf 9000 steigt - gemessen an einem Anstieg von 9000 auf 12000, hmm? Hört sich doch gut an, wenn andere das bezahlen oder?
Bzgl. Presse und betreuern sag i ch jetzt nicht viel - denke da reicht der Hinweis auf die Frage der Professionalisiserung aus! Es fehlt die Lobby, auch wenn ich Lobbies hasse, aber ehrlich: Wie viele grottenschlechte Ärzte und Rechtsanwälte kennst du und wie oft geht sowas durch die Presse? (nicht das was unters Deckmäntelchen gehört, es ist nur die Frage im Umgang mit der Öffentlichkeit, die hier das wesentliche Problem darstellt...)
Und nein, Moral ist nicht das, was uns die Presse vorgaukelt, sondern das, wofür die Presse bezahlt wird!!!

Gruß
M.
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Alt 12.08.2009, 09:06   #46
Heinz
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Hallo M.

da kannste doch mal sehen: du meinst, man bekommen ein schlechtes Gewissen suggeriert, wenn man was berechtigt zurück haben will. Meine Sicht ist, dass man mehr oder weniger gezwungen wird, pfennigfuchserisch zu sein, wo man es eigentlich gar nicht will. Wer dem Staat was schenkt, wird doch als bekloppt angesehen. Das heißt, gegen die Gemeinschaft eingestellt zu sein, auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein hat ja schon schizophrene Züge. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht, natürlich bemühe ich auch einen Steuerberater - auch zur Gewissensberuhigung.

Aber seien wir doch mal ehrlich: das Hickhack, wer welche Kosten zu tragen hat, auf wessen Kosten was ausgetragen wird, wer der Leidtragende bei irgendwelchen Reformen und Projekten ist, ist doch widersinnig. Das fängt ganz oben an, wo vom Finanzminister verlangt und nicht nur erwartet wird, dass er einerseits die Schulden abbaut wegen der nachfolgenden Generationen, andererseits sich in Fragen der Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und was sonst noch großzügig erweisen soll.
Und was sich auf Ministerebene abspielt, geht über die Länder und Kommunen, wo irgendwelche dubiosen Geschäfte mit Amerika gemacht werden, wodurch manche Kommune in arge Bredouille geraten ist. Und von unten, sprich vom Bürger geht es übers Finanzamt oder durch Kirchenaustritte oder Desinteresse an ehrenamtlicher Arbeit und und und wieder noch oben, Schließung von Kindergärten und Schulen, Abbau von Stadtteilprojekten und und und.

Bei den Katholen gibt es die Gemeinde von unten. Die friedliche Revolution vor 20 Jahren, ein Glanzlicht in der deutschen Geschichte, wurde von der Basis aus betrieben. Und unsere Gesellschaft wartet - hoffe ich - darauf, dass auch hier sich BügerInnen versammeln und meinen, wir sind das Volk.

Nur wer ist der Gegner? Die allseits so beliebte Angie oder der zukünftige Außenminister Guido im ständigen Kleinkrieg um Profilierung mit dem Horst? Wie bekannt fuhr nicht nur Ullala mit dem Dienstwagen in Ferien, andere auch. Jetzt startet eine Kampagne gegen die Wahlmüdigkeit und Desinteresse. Wen soll man wählen? Wofür soll man sich einsetzen? Die Rezession wird zur Depression und nicht nur auf den Finanzmärkten. Und die Moral von der Geschicht? Jeder denkt nun mehr vorangig an sich. Wie hieß noch ein bekannter Spontispruch: wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.

Du beklagst die Lobby in Fragen der Professionalisierung von BetreuerInnen. Das kann ich nicht ganz verstehen. Der BdB ist ganz gut am Zug, nachgefolgt von VfB und VGT. Da ist schon kräftige Lobbyarbeit. Und zur Professionalisierung hat insb. der BdB zusammen mit dem VfB auch schon einen Menge auf den Weg gebracht mit Zertifizierung und Qualitätsmanagement und Berufsbild und Fortbildungen und Nachqualifizierungen und und und.

Zitat:
Zitat von M.
Und nein, Moral ist nicht das, was uns die Presse vorgaukelt, sondern das, wofür die Presse bezahlt wird!!!
Hey, wer bezahlt die Presse? Wer kauft die Blödzeitung, die Blödheit verspricht? Wer will denn die Wahrheit nicht hören und lieber an blühende Landschaften (H. Kohl) glauben, wo der Westen zum Insolvenzverwalter für den Osten wurde? Weshalb wurde denn von unserm ach so beliebten Bundespräsidenten vormals das Milliardenloch an Staatsverschuldung durch die Wiedervereinigung vor der Wiederwahl des Dicken verschwiegen? Die Predigt von Pinoccio aus dem Saarland wollte doch nur die Wenigsten wahr haben.
nur mal als ein Beispiel Politik Forum • Thema anzeigen - Unser System lebt von Geschichtslügen oder
Die Überwindung der ... - Google Bücher

Das heißt, die Presse, insb. die Billigpresse lebt von den niedrigen Instinkten vieler, die sie bedienen. Stichwort Stammtischparolen.
Guido hat jetzt wieder einen populistischen Vorstoß gemacht: Gesetze und Verordnungen sollen sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflösen, also ein befristete Wirksamkeit von Gesetzen statt aufwendiges parlamentarisches Verfahren, Gesetze wieder aufzuheben. Hört sich gut an. Wieviele mögen darauf reinfallen?

Und die Moral? Vergiss es.

In diesem Sinn
Heinz
 
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Alt 12.08.2009, 20:54   #47
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Beiträge: 200
Blinzeln

Zitat:
Zitat von Heinz Beitrag anzeigen

Aber seien wir doch mal ehrlich: das Hickhack, wer welche Kosten zu tragen hat, auf wessen Kosten was ausgetragen wird, wer der Leidtragende bei irgendwelchen Reformen und Projekten ist, ist doch widersinnig. Das fängt ganz oben an, wo vom Finanzminister verlangt und nicht nur erwartet wird, dass er einerseits die Schulden abbaut wegen der nachfolgenden Generationen, andererseits sich in Fragen der Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und was sonst noch großzügig erweisen soll.

Bei den Katholen gibt es die Gemeinde von unten. Die friedliche Revolution vor 20 Jahren, ein Glanzlicht in der deutschen Geschichte, wurde von der Basis aus betrieben. Und unsere Gesellschaft wartet - hoffe ich - darauf, dass auch hier sich BügerInnen versammeln und meinen, wir sind das Volk.

Nur wer ist der Gegner?

Hey, wer bezahlt die Presse? Wer kauft die Blödzeitung, die Blödheit verspricht? Wer will denn die Wahrheit nicht hören und lieber an blühende Landschaften (H. Kohl) glauben, wo der Westen zum Insolvenzverwalter für den Osten wurde? ... Die Predigt von Pinoccio aus dem Saarland wollte doch nur die Wenigsten wahr haben.
nur mal als ein Beispiel Politik Forum • Thema anzeigen - Unser System lebt von Geschichtslügen oder
Die Überwindung der ... - Google Bücher

Das heißt, die Presse, insb. die Billigpresse lebt von den niedrigen Instinkten vieler, die sie bedienen. Stichwort Stammtischparolen.
Guido hat jetzt wieder einen populistischen Vorstoß gemacht: Gesetze und Verordnungen sollen sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflösen, also ein befristete Wirksamkeit von Gesetzen statt aufwendiges parlamentarisches Verfahren, Gesetze wieder aufzuheben. Hört sich gut an. Wieviele mögen darauf reinfallen?

Und die Moral? Vergiss es.

In diesem Sinn
Heinz
Hallo Heinz,

ja es ist widersinnig in einem Sozialstaat darüber zu diskutieren, ob unsere Lehrer (also die A11 bis A16) ein Anrecht darauf haben, bei ihrem Gehalt ein eigenes Zimmer zur Berufsausübung steuerlich absetzen zu dürfen, während man von Harzt4 Kindern erwartet, dass die Schuhe 3 Generationen halten (okay zu platt, dann nimm mal 200€ monatlich fürs Arbeitszimmer, mal 12 Monate mal 10 Jahre, davon nimmst du dann 3% (steuerliche Erleichtung aus dieser Summe) = 720€, dann überlegst du dir mal welcher Harzt4 Empfänger in dem Bereich nen Kühlschrank kauft)....
Soll dies etwa Ausdruck einer sozialen Marktwirtschaft sein:
http://www.bundesfinanzministerium.d.../pdf/vsp_3.pdf ?
Der Gegner ist der Neokapitalisismus, Guido und Angie sind nur Stichwortgeber, Stammtische nur Empfänger der Botschaften. Glaubst du wirklich Springer verdient Geld an der Drucklegung der Bild??? Ich denke eher die verdienen da Geld mit der Drucklegung gewisser Wahrheiten...
Die Idee mit der Selbstauflösung von Staatshilfen finde ich gut - die Schaumweinsteuer finanziert ja immer noch die kaiserliche Flotte, der Soli fette Bonzen im Umkreis von Berlin, etc.pp. Wens dem quitschgelben Bruschen damit gut geht, dies zu fordern, bitte doch nach der Wahl ist vor der Wahl und dann fällt Möllemann nochmals aus den Wolken´..
Zu Nietsche sag ich jetzt nicht, der Punkt mit dem Interesse ist bekannt und wohlwollend akzept(h)iert...

Gruß
M.
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