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Empfindlichkeiten

Dies ist ein Beitrag zum Thema Empfindlichkeiten im Unterforum Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Schönen guten Tag,ich schreibe mir heute mal den Betreuerfrust von der Seele, weil ich denke, vielleicht geht es ja anderen ...


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Alt 06.10.2010, 14:43   #1
Ich bin neu hier
 
Registriert seit: 17.07.2010
Beiträge: 6
Standard Empfindlichkeiten

Schönen guten Tag,ich schreibe mir heute mal den Betreuerfrust von der Seele, weil ich denke, vielleicht geht es ja anderen Betreuern ähnlich mit den Empfindlichkeiten der betreuer in den Hausgemeinschaften und Wohnstätten.

Ich habe die Betreuung einer 54jährigen Dame übernommen, deren bisherige gesetzliche Betreuerin die 89jährige Mutter war. diese war selbst schon einige Jahre im Pflegeheim und die Betreuer im Wohnheim haben mit ihrer Vollmacht gehandelt und auch über die Konten verfügt.
Nun komme ich als neue gesetzliche Betreuerin und frage höflich nach den Kontounterlagen, den Medikamenten die verordnet wurden, den Gehaltsnachweisen aus den Werkstätten usw.kurz , um mir ein Bild zu machen um sämtliche Unterlagen und habe überhaupt nicht damit gerechnet, das dieses Ansinnen nicht nur bei dem Bezugsbetreuer, nein bei allen Betreuern Unverständnis auslöst. Nach dem Motto : "Wieso eigentlich, daß haben wir immer alles vorschriftsmäßig geführt, vertrauen sie uns nicht?" Der Hinweis, daß ich als gesetzliche Betreuerin einen ganz anderen Status habe als die Mutter, weigert man sich zu begreifen. Das ich für bestimmte Anschaffungen , Antrag beim zuständigen Sozalamt stellen muß und zwar vor dem Kauf , wird staunend zur Kenntnis genommen. Auch, daß ich es schon ein wenig befremdlich finde, daß die Betreute grad mal in einer mehrtägigen Freizeit ist und man ganz "vergessen" habe mir dieses mitzuteilen.
Auf dem Girokonto befinden sich knapp 900,00 € - weit entfernt vom Schonvermögen. Aber von Seiten der Betreuer heißt es, " Sie hat doch viel Geld auf dem Konto, hat kein Hobby, sitzt nur im Rollstuhl, so viel hat manch einer von uns nicht auf dem Konto". Ein Antrag für Bekleidung wurde zwar beim Sozialamt gestellt, da die Betreute aber einen Mehrbedarf hat, da Kleidungsstücke nicht lange halten, weil sie sich bei gestörter Motorik nicht immer zaghaft an- und auszieht, wird der Mehrbedarf im 1. Wäschehaus vor Ort geordert, da dort so nettes Verkauspersonal bedient.
Meine vorsichtige Nachfrage ob nicht wenigstens bei Pullovern oder Hosen mal im AWO-Laden nach Passendem geschaut werden sollte, war für die Betreuer total unverständlich "Würden Sie dahingehen" war die betroffene Frage, "Nein, aber ich lebe auch nicht von Leistungen des XII. Sozialgesetzbuches, bringe aber dort auch gut erhaltene Kleidung hin" war meine leicht unterkühlte Antwort. Darauf verständnisloses Schweigen................eine etwas ratlose und nachdenkliche Friesin

Geändert von friesin (06.10.2010 um 14:49 Uhr)
friesin ist offline  
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Alt 06.10.2010, 15:34   #2
Stammgast
 
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Beiträge: 522
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Zitat:
Zitat von friesin Beitrag anzeigen
[...] Nun komme ich als neue gesetzliche Betreuerin und frage höflich nach den Kontounterlagen, den Medikamenten die verordnet wurden, den Gehaltsnachweisen aus den Werkstätten usw.kurz , um mir ein Bild zu machen um sämtliche Unterlagen und habe überhaupt nicht damit gerechnet, das dieses Ansinnen nicht nur bei dem Bezugsbetreuer, nein bei allen Betreuern Unverständnis auslöst. Nach dem Motto : "Wieso eigentlich, daß haben wir immer alles vorschriftsmäßig geführt, vertrauen sie uns nicht?"
Möglicherweise wächst Vertrauen, wenn es denn von denen, die es möchten, begründet wird.
Und darum geht es auch gar nicht. Auch, wenn es von Lenin ist: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."

Vielleicht macht es Sinn, ein strukturiertes Gespräch mit der Leitung des Heimes zu führen, deinen Informationsbedarf dort deutlich zu machen und deine Bedingungen - dort deutlich zu machen - in aller Freundlichkeit.
Ein gemeinsam unterzeichnetes Protokoll verpflichtet alle Beteiligten.
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Es ist kein Ding an sich weder gut noch schlecht.
Unser Denken macht es erst dazu.

Theophrastus Bombastus von Hohenheim
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Alt 06.10.2010, 15:49   #3
Held der Arbeit
 
Registriert seit: 25.08.2010
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 420
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Hallo Friesin!

Ganz ruhig, einmal tief Luft holen! )

Ich kann Dich mittlerweile sehr gut verstehen, kenne aber auch " die andere Seite", die der WST-Betreuer sehr gut! Gerade in diesem Bereich finden sich sehr viele Menschen, die tatsächlich über wesentlich weniger als 900 Euronen auf dem Konto verfügen...im Vergleich zu diesen Menschen hat Deine Dame schon ganz gut was auf der Kante...ist natürlich nicht wirklich der Fall, wird aber gerne so empfunden! Hinzu kommen dann noch die unterschiedlichsten Meinungen über z.B. Standards, Qualität der Kleidung die gekauft wird usw. ...der eine Kollege ist der Meinung, Qualität (teuer) zahlt sich aus, der andere kauft lieber im Second-Hand-Shop (günstig) und dafür häufiger ein...ist wirklich nicht immer einfach, im mehrköpfigen Team auf einen vernünftigen (!) Nenner zu kommen und gleichzeitig die individuelle (!) Situation eines jeden Bewohners nicht unberücksichtigt zu lassen!
Aber...das sollen alles keineswegs Argumente für den von Dir beschriebenen Umgang der WST-Betreuer mit Dir sein!!!
Du mußt den Mitarbeitern auf jeden Fall sehr deutlich machen, dass eine Menge Entscheidungen ab sofort von Dir getroffen werden und dass dies auch so sein muß!!! Vielleicht zeigen sie ja mehr Verständnis für Dich, wenn Du sie über Deine Pflichten wie z.B. Rechnungslegung oder Verantwortung für die mediz. Versorgung (und natürlich die Medikation!) aufklärst...wobei ich der Meinung bin, dass diese Aufklärungsarbeit NICHT zu Deinen Aufgaben gehört, aber vielleicht das zukünftige Miteinander-Arbeiten etwas erleichtern würde!
Ich hoffe Ihr erreicht doch noch eine respektvolle und professionelle Basis für die Zusammenarbeit !!!

Ganz liebe Grüße und einen stressfreien und entfrustenden Feierabend!

Thorsten
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Superthor! ist offline  
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Alt 06.10.2010, 18:55   #4
Ich bin neu hier
 
Registriert seit: 17.07.2010
Beiträge: 6
Standard Empfindlichkeiten

Zunächst einmal lieben Dank für die aufmunternden Zeilen.

Ist es sehr anmassend von mir, dem bisherigen "Finanzbetreuer" zu bitten, doch einmal zu überdenken, wie die rechtliche Lage ist, wenn er die Bankkarte von Betreuten mit nach Hause nimmt, an seinem Wohnort bei der Bank Geld für`s Bargeldkonto abhebt, die Kontoauszüge zieht und die meiner Ansicht nach vertraulichen Unterlagen, vom Datenschutz will ich gar nicht reden, bei ihm daheim dann bis zum nächsten Dienst verwahrt. Dies alles abgesegnet von der Wohnstättenleitung, die dies Vorgehen normal findet........????????? und sich wundert, daß ein gesetzlicher Betreuer sich derart engagiert, wörtlich:"Sie sind doch keine Angehörige"

Und gerade die Angehörigen haben doch den Antrag auf gestl. Betreuung beim AG gestellt........
friesin ist offline  
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Alt 07.10.2010, 08:10   #5
Held der Arbeit
 
Registriert seit: 25.08.2010
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 420
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Moin Friesin!

Wow!!! Nicht schlecht!!! Konto-Card mit nach Hause nehmen geht ja wohl so was von überhaupt nicht!!!!! Scheint ja ein sehr sportliches Vorgehen in dem Laden zu herrschen!!! Kannst ja die Leitung mal fragen, wie sie sich die Meinung der Heimaufsicht bzw. Finanzprüfer zu diesem Fall vorstellt...unglaublich die Sache!!!

Für mich ( in Deiner Situation ) wäre das allein ein Grund, die Karte sofort einzusacken!!!...dann mit der Karte und Deiner Urkunde zur Bank/Sparkasse...alles auf Online-Verkehr umstellen lassen, die Kontoauszüge an Dich schicken lassen und gut ist!!!

Das Taschengeld kannst Du dann ja auf Anfrage der WST je nach Bedarf und für ein paar Wochen dort vorbeibringen, Dir schick quittieren lassen und Dir dann auch gleich die internen TG-Abrechnungen aushändigen lassen (...wenn Du sie etwas ärgern möchtest!)...diese kannst Du Dir natürlich auch zuschicken lassen...auf jeden Fall MÜSSEN sie Dir auf Verlangen ausgehändigt werden!!!

Selbstverständlich haben sie Dir auch die Abrechnungen "Deiner Dame" auszuhändigen...muss wohl nicht weiter thematisiert werden!

Ich persönlich vertrete ja einen möglichst harmonischen Umgang zwischen Betreuer und WST-Mitarbeitern / Leitung...aber alles hat seine Grenzen!...und wenn derart unprofessionell gearbeitet wird, ist diese Grenze erreicht!!!

Bleib standhaft und lass Dich nicht in diese Arbeitsweise reinziehn!

Lieben Gruß,
Thorsten
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Alt 07.10.2010, 12:15   #6
Stammgast
 
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Beiträge: 522
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Zitat:
Zitat von friesin Beitrag anzeigen
Ist es sehr anmassend von mir, dem bisherigen "Finanzbetreuer" zu bitten, doch einmal zu überdenken, wie die rechtliche Lage ist, wenn er die Bankkarte von Betreuten mit nach Hause nimmt, [...]. Dies alles abgesegnet von der Wohnstättenleitung, die dies Vorgehen normal findet........?????????
Nein, ist es nicht.

Deshalb verwies ich ja auf ein klärendes Gespräch, in dem die rechtlichen Zusammenhänge der Angelegenheit dargelegt werden können.

Die geschilderte Praxis ist - wohlmeinend betrachtet - eine, äh..., vorauseilende Entlastung der gesetzlichen Betreuung? Distanziert betrachtet ist es schlicht illegal.
Und wenn Du sagst, daß Du das lieber korrekt handhaben möchtest (mit einem freundlichen Hinweis auf die faktische Übergriffigkeit), ist klar, daß das Heim sofort alle Unterlagen und Abrechnungen herausgeben muß, einschließlich der Kontokarte.
Kein Vertun.
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Theophrastus Bombastus von Hohenheim
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