Dies ist ein Beitrag zum Thema Beleidigungen von Betreuten im Unterforum Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Ich merke gerade, dass mir scheinbar viele Fragen auf der Seele brennen und ich noch sehr unsicher bin. Vielen Dank ...
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Forums-Azubi
Registriert seit: 30.10.2010
Beiträge: 44
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Ich merke gerade, dass mir scheinbar viele Fragen auf der Seele brennen und ich noch sehr unsicher bin. Vielen Dank erstmal für Eure schnellen Antworten. Dieses Forum ist sehr, sehr hilfreich für mich!
Wie geht Ihr denn mit Beleidigungen gegen Eure Person um, die von Betreuten geäußert werden? Geht Ihr einfach darüber hinweg oder versucht Ihr ihnen klar zu machen, dass das keine Art des vernünftigen Umgangs ist? Schönen Sonntag noch und viele Grüße Cinderella |
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#2 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 15.08.2010
Ort: 38384 Gevensleben
Beiträge: 45
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Hallo Cinderella,
ich denke, darauf gibt es keine pauschale Antwort. Erstmal: wie und wodurch bist Du denn beleidigt worden? Mir selber ist es noch nicht so oft passiert. Eine Betreute habe ich allerdings, die hat ein so geringes Selbstwertgefühl - sie ist Analphabetin mit einer Lernbehinderung- das ganze ist für sie sehr schambesetzt- dass sowie ich etwas sage oder (für sie )tue,das sie mit ihrem Handicap konfrontiert, sie sich sehr schnell getroffen fühlt, und dann verbal äußerst heftig reagiert, mir alles böse unterstellt, die Betreuung rückgängig machen will und Vorstellungen über den Ablauf der Betreuung äußert, der arbeitstechnisch schlicht nicht einzuhalten ist. Inzwischen gehe ich so damit um, daß ich hinhöre und prüfe, wo hat sie "recht", wo habe ich tatsächlich nicht mit der nötigen Achtung, dem nötigen Feingefühl geredet oder gesprochen". Dafür kann ich sagen: Ich verstehe Sie und es tut mir leid. - Das entwaffnet sie in der Regel und danach können wir normal weiterreden. Den Rest verbuche ich unter dem, was zu ihrem Problem gehört und weswegen sie ja überhaupt erst die Betreuung bekommen hat. - Aber wie gesagt: bei ihr ist es für mich sehr deutlich, wie ihre Beleidigungen zu ihrer Geschichte und ihrem Thema gehören. Was also ist Dir geschehen? Gruss Sikoba |
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#3 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 30.10.2010
Beiträge: 44
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Hallo Sikoba,
es geht um den Problemfall, den ich schon beschrieben habe. Grundsätzlich halte ich das auch so wie Du. Die Tochter meiner Betreuten ist in wirklich sehr großen finanziellen Schwierigkeiten. Vor 2 Monaten setzte die Tochter meiner Betreuten sie mit Drohungen unter Druck, sich umzubringen, falls sie nicht auf ihr Wohneigentum eine Hypothek zur Schuldabsicherung eintragen lässt. Vorher hat sie sich schon eine Lebensversicherung abtreten lassen und mehrere Tausend Euro Bares schlichtweg erpresst. Aufgrund dessen habe ich die Vermögenssorge beantragt und auch promt bekommen. Die alte Dame hat diese Drohungen dieser Tochter auch dem gutachenden Arzt berichtet und auch den großen Zwiespalt, in dem sie sich zwangsläufig befindet. Der Beschluss ist nun 6 Wochen her. Als ich sie letzte Woche besuchte, um für die Rechnungslegung für die Barabhebungen von ihrem Konto die Unterschrift zu holen, war sie außer sich. Sie beschuldigte mich, sie zur Unterschrift genötigt zu haben, es wäre alles nicht so schlimm gewesen wie beschrieben, sie weigere sich die Unterschrift zu leisten und habe einen Anwalt zugezogen. Als ich nicht nachvollziehen konnte, woher die plötzliche Aufregung kam, sagte sie sie wolle die monatliche Rechnungselgung nicht. Außerdem warf sie mir vor "hinter ihrem Rücken" bei der Bank gewesen zu sein um die monatlichen Kontoauszüge zu bekommen. Als ich ihr nochmals zu erklären versuchte, dass dies alles nur zu ihrem Schutz diene und sie trotzdem mit ihrem Geld machen könne was sie wolle, sagte sie, dass ich mich nicht dümmer machen sollte, als ich eh schon bin. Daraufhin bin ich aufgestanden und gegangen. Ich sagte zu ihr, dass ich sehe dass sie in Aufregung ist, ich mich aber von ihr nicht beleidigen lasse. Die Dame wohnt in den ärmlichsten Verhältnissen, hat fast 2500 Euro Rente, ein stark renovierungsbedürftiges Haus und leistet sich selber nichts. Ich vermute, dass die Tochter dahintersteckt. Nun ist Funkstille. Und ehrlich gesagt, weiß ich nicht wie ich mich weiter verhalten soll. Danke für Deine Anteilnahme und Interesse! LG Cinderella Geändert von Cinderella (07.11.2010 um 14:24 Uhr) |
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#4 |
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Held der Arbeit
Registriert seit: 25.08.2010
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 420
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Hallo Cinderella!
Also, ich werde in meinem Job fast täglich und z.T. sehr heftig beleidigt!...ist nicht schön...aber auch nicht wirklich schlimm! Wie Sikoba schon schrieb, hat es seine Gründe, warum die Leutchen unter Betreuung stehen, bzw. in Einrichtungen leben...und ganz sicher hat es auch gute Gründe, dass sie derart - uns sicher nicht immer recht - auf Gegebenheiten, welcher Art auch immer, reagieren...sei es aus Unverständnis, Emotionen, welche nicht immer kontrolliert werden können oder auch einfach dem Gefühl, ungerecht behandelt oder bevormundet zu werden. Häufig zwingen mich solche Beleidigungen und Beschimpfungen, mein Vorgehen und getroffene Entscheidungen noch einmal zu hinterfragen...ist ja grundsätzlich nicht verkehrt! Der wichtigste Punkt für mich ist aber, dass ich diese Beleidigungen nicht persönlich nehme!...denn so sind sie sicher nur in den seltensten Fällen (wenn überhaupt) gemeint...und genau so, kann ich mit diesen Vorwürfen auch gut umgehen! ...und dazu kommt, dass das Fell mit den Jahren immer dicker wurde!!! ![]() Lieben Gruß und ein schönes Rest-Wochenende! Thorsten
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#5 | |
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Admin
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 3,916
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Hallo Cinderella,
ich hatte das an andere Stelle schon mal erwähnt, zieh doch vielleicht einen dickeren Mantel an. Wirst Du brauchen mit der Zeit.Zitat:
Du wirst Dich daran gewöhnen müssen, dass unsere Kunden krank, und oft auch nicht wirklich glücklich mit uns sind. Klar sollte man soweit möglich die Contenace bewahren können und nicht mit Schimpfwörtern um sich schmeissen aber, und da hat Thorsten völlig recht, man muss auch nicht zwingend alles persönlich nehmen und immer direkt auf sich beziehen. Meine Klienten kommen überwiegend aus ...ähem sog. "niederen" Kulturkreisen, wenig Schule, kaum Erziehung usw. Da sehe ich dann schon auch über einiges weg- wobei offene Respektlosigkeit und absolut derbe Beleidigungen natürlich nicht ignoriert werden. Kommt aber auch so gut wie nie vor zum Glück. Oft bin ich auch die einzige bei der sie ihren geballten Frust mal loswerden können, ich habe Respekt und Achtung vor meinen Kunden aber lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage und buche einiges unter "Krankheit" ab. Gruss Michaela
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diese kommunikation wurde im rahmen der überwachungsgesetze auf ihre kosten dauerhaft gespeichert und wird jederzeit weltweit gegen sie verwendet werden. |
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#6 |
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Berufsbetreuerin / Rechtsanwältin
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 529
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Wenn eine Betreute oder ein Angehöriger zu mir sagen würde, ich solle mich "nicht dümmer machen, als ich bin", würde ich wahrscheinlich antworten, dass ich immer versuche, mich meinem Gegenüber anzupassen und verständlich zu machen.
Wenn alle mich lieb haben, mache ich irgendetwas falsch, und wenn Verwandte mich beschimpfen, dann kann ich doch einigermaßen sicher sein, dass ich im Interesse meiner Betreuten offenbar an der richtigen Stelle bohre.
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Die gefährlichsten Unwahrheiten sind die Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg) |
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#7 |
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Admin
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 1,590
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Moin Cinderella
Meine Reaktion ist da unterschiedlich: Ist der Betreute gerade akut krank und die Beschimpfungen begründen sich in einer durch die Krankheit verursachten Ablehnung, dann stört mich das überhaupt nicht. Den Betreuten war es nach Abklingen der akuten Phase üblicherweise sehr peinlich mich beschimpft zu haben. Auch sonst finde ich es nicht sonderlich problematisch, wenn mich ein Betreuter beschimpft. Schließlich muss ich manchmal Dinge tun, die mir in dessen Lage auch nicht gefallen würden. dann kann ich die Flüche schon verstehen. Wenn aber ein Betreuter sich nicht betreuen lassen will und mich deshalb hartnäckig beschimpft und gegen die Betreuung revoltiert, dann schlage ich ihm vor, die Betreuung aufheben zu lassen. Ich erkläre dann aber auch, wie die Wand voraussichtlich aussehen wird, gegen die er/sie dann dengeln wird... ... und dass ich nicht am Hungertuch nagen werde, wenn die Betreuung aufgehoben wird - Ich sage aber auch, dass irgendwann bei mir Schluss ist und - er/sie sich wieder mit mir unterhalten kann, wenn es auch höflich geht - oder ich die Betreuung von meiner Seite her aufheben lasse. Meistens läßt es sich danach besser miteinander umgehen. Wenn mich fremde Personen beschimpfen, juckt mich es erst dann, wenn es Strafanzeigen hagelt oder ich mal wieder in der Presse verrissen werde. Vergangene Woche hat mich die Angehörige eines Ex-Betreuten bei einem Bildungsträger diskriminiert. In diesem Fall überlege ich mir schon, ob ich nicht zur Abwechslung mal nachtragend werde und diese Intrigenschlampe mit einer Verleumdungsklage beglücke. Schließlich hat sie mir von ein paar Jahren Unkosten i.H.v. etwa 7000,00 € bereitet, die ich nicht wieder eintreiben konnte. Ein kleines Dankeschön hat sie dafür schon verdient. ![]() MfG Imre
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Fehler sind dazu da, um sie zu machen und daraus zu lernen. Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen. |
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#8 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 15.08.2010
Ort: 38384 Gevensleben
Beiträge: 45
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Hallo Cinderella,
wie Du auf der sachlichen Ebene diesen Konflikt lösen kannst, da hast Du ja schon an anderer Stelle gute Hinweise erhalten, wie ich gelesen habe. Deshalb beziehe ich mich jetzt "nur" auf die Beziehungsebene. Also, was Dir da passiert ist, ist bestimmt den meisten, die für sich einen Beruf im helfenden/sozialen Bereich gewählt haben, auch schon passiert. - Sagt Dir die Transaktionsanalyse (TA) mit dem Beziehungs/Rollen-dreieck " Täter-Opfer-Helfer" was? Das Opfer schreit, der/die Retterin eilt herbei, will das Opfer verteidigen und was passiert?... Genau das, was Du erlebt hast: das Opfer solidarisiert sich mit dem Täter und auf einmal ist der Retter das Opfer.... das kann - mit Rollenwechsel- so bis in alle Ewigkeit gespielt werden, wenn man nicht aufpasst. Was ist passiert? Du hast Dich zwischen Mutter und Tochter gestellt. Nur, die Tochter ist ganz wichtig für die Mutter (und umgekehrt). Über das Geld handeln die beiden ihre Beziehung aus: offensichtlich "schuldet" Deine Betreute ihrer Tochter auf einer sehr existenziellen Ebene noch etwas. Nun hast Du keinen therapeutischen Auftrag als gesetzl. Betreuerin. Das heißt: Du mußt dich aus der Beziehung raushalten! Auch und gerade mit inneren Bewertungen ("die böse Tochter"), Du merkst, das nimmt Dir dann Deine Betreute krumm. Sie braucht ihre Tochter mehr als Dich. Also mußt Du einen Weg finden, wie Du Deiner Verantwortung gerecht wirst bei der Vermögenssorge ohne die Tochter anzugreifen. Ich finde, da hast Du schon einen guten Tip gekriegt, wie Du die Mutter entlasten kannst. (Sparbuch anlegen). Es klingt paradox: aber Du gewinnst die Mutter nur, wenn Du auch die Tochter in ihrem schweren Schicksal würdigst. Die braucht ja wohl auch Hilfe - wohlgemerkt, nicht Deine. Du bist nur für die Mutter zuständig. - Deine Betreute hat Angst, deshalb ist sie ausfallend geworden. Mit Gruß Sikoba |
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Held der Arbeit
Registriert seit: 25.08.2010
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 420
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Zitat:
Also Imre.....ICH BIN SCHOCKIERT!!!!!!!!!!!!!! ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Thorsten
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#10 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 30.10.2010
Beiträge: 44
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Vielen Dank Euch allen!
Vor allem Sikoba! Das Täter-Opfer-Helfer-Dreieck kenne ich soagr sehr gut und beherzige das auch! Nur in diesem Fall scheine ich wirklich in die Falle getappt zu sein. Habe nicht aufgepaßt und mich tatsächlich emotional zu sehr reingehängt. Das wird mir eine Lehre sein. Danke nochmal fürs Augenöffnen! ![]() Lg Cinderella |
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