Dies ist ein Beitrag zum Thema Demenz im Unterforum Situation der Betreuer/innen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo ,
ich begleite zur Zeit noch eine Berufsbetreuerin deren Klientin ich später als ehrenamtlicher Betreuer übernehmen soll, ich bin ...
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#1 |
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Forums-Gesellen-Anwärter
Registriert seit: 31.03.2009
Beiträge: 58
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Hallo
,ich begleite zur Zeit noch eine Berufsbetreuerin deren Klientin ich später als ehrenamtlicher Betreuer übernehmen soll, ich bin also noch nicht ihr rechtlicher Betreuer und komplett ohne rechtlichen Befugnis. Hintergrund ist das man gesundheitliche Probleme bei der Betreuten vermutete die sich auch bewahrheitet haben. Der Aufwand schien für mich als "Neueinsteiger" zu imens zu sein, daher hat man sich vorerst für diese "Zwischenlösung" entschieden. Die Klientin wurde dann im zuge der Betreuung durch die Berufsbetreuerin, nach einem Krankenhausaufenthalt, einem Altenheim übergeben weil man eine Demenz feststellte, so habe ich das zumindest vermittelt bekommen. Nun besuche ich diese Klientin einmal wöchentlich im Altenheim um den Kontakt zu beleben. Ihr Gesundheitszustand hat sich in den letzten Wochen merklich gebessert, ihre Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit ist enorm gesteigert, sie kann spontan auf Bemerkungen rückantworten. Hätte man mir nicht gesagt das sie dement ist, ich würde glauben es handelt sich um eine geistig rege alte Dame. Ich werde nun von ihr wiederholt gefragt warum sie im Heim ist und man ihr das Geld genommen hat. Das sind Fragen die ich leider schlecht beantworten kann, wobei sie im Detail um Personenvorstellung bittet, "derer die dafür verantwortlich sind". Wie argumentiert Ihr im Umgang mit Dementen und wie gestaltet Ihr den Kontakt. Gruß Thomas Geändert von Ehrenamtler (30.06.2009 um 13:13 Uhr) |
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#2 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Hallo Thomas,
ich fand folgende recht gut verständige Seite Demenz: Pflege & Betreuung kompakt ich tue mich mit an Demenz Erkrankten recht schwer. Aber letztlich spiegeln diese Menschen uns nur. Sie zeigen uns, dass der Mensch keine Maschine ist und nicht immer linerar logisch denkt oder handelt. Das heißt der Umgang mit Dementiellen ist nichts weiter als ein Infragestellen des Lebens, der Lebensanschauung und Lebenshaltung. Aus diesem Blickwinkel heraus sind dann die Dementiellen nicht mehr nur die Hilfsbedürftigen und Verwirrten und Vergesslichen und Orientierungslosen, sondern sind im Grunde auch Lehrer. Das heißt, ohne dass sie es wissen oder wollen, lehren sie uns 'Nichtbehinderten' den Begriff der Behinderung zu hinterfragen: wann ist wer wie behindert? Diese Frage schlägt auch auf die Geschäftsfähigkeit durch: an 'guten' Tagen voll orientiert; keine Bedenken, ob das, was er oder sie sagt und will auch ernst zu nehmen ist und an anderen Tagen ganz offensichtlich durch den Wind gepfiffen, wissen wir, im nächsten Augenblick alles wieder vergessen also auch nicht geschäftsfähig. Entscheidende Aspekte im Umgang mit an Demenz Erkrankten sind die Begriffe Kongruenz, Authenzität und weniger Empathie. Das bedeutet: kongruent mit der oder dem Dementiellen - wenn jemand misstrauisch ist, dann nicht sagen, ist doch quatsch, brauchste doch nicht sein, sondern ernst nehmen und fragen, weshalb und volles Verständnis signalisieren. Das hat manchmal auch den Anschein von Paranoia, wo man auch die Ängste und Stimmen der Kranken ernst zu nehmen hat. Authenzität ist die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber: wenn ich merke, dass mich der Betreute an meine ebenfalls altersstarrsinnige Mutter oder Vater erinnert und die Gefahr der Übertragung besteht, habe ich die Pflicht gegenüber dem Betreuten, meine Gefühle zu objektivieren, also angemessen auf den Betreuten zu reagieren. Und wenn ich merke, dass meine Geduld und Nachsicht dem Ende entgegen geht, dass ich das auch ruhig dem Betreuten mitteile und sage, dass mein Maß bald voll ist. Und ihm oder ihr mitteilen, bevor das Maß voll ist und nicht schon der letzte Nerv geraubt wurde. Emphatie ist das Mitfühlen. Das ist auch ganz wichtig, gerade bei Ängsten und Traurigkeit. Aber wichtig ist die professionelle Distanz. BetreuerInnen sind keine Angehörige, auch wenn ein Dementieller mitunter in dem Betreuer seinen Sohn oder gar seinen 'Papa' oder 'Mama' wiedererkennt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Grenze der rechtlichen Betreuung auch für Ehrenamtler erreicht. An dieser Stelle ist das Pflegepersonal gefragt. Noch ein Stichwort ist wichtig: double bind. Dementielle bekommen oft mit, dass hinter ihrem Rücken anders gesprochen wird, als mit ihnen direkt. Also mit dem PflegerInnen und der Heimleitung so zu sprechen und mit dem Betreuten aber anders, kann verheerend sein, wenn der oder die Betreute es mitbekommt. Aufgabe der Betreuung ist, Sachverhalte zu klären oder zu arrangieren. Aber dies möglichst dem Betreuten auch zu vermitteln. Da hilft schon mal eine Gesprächsnotiz oder bei prekären Angelegenheiten, dass dies im Beisein einer Pflegeperson geschieht, damit nicht die Gefahr besteht, dass die Erkrankte Betreuer und Pflegepersonal gegeneinander ausspielt nach dem Motto, 'das hat mir meine Betreuerin mir nie gesagt'. So bin ich immer ganz gut gefahren. Aber die Profis aus der Altenpflege werden hier natürlich noch einiges ergänzen können. Heinz |
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#3 |
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Forums-Gesellen-Anwärter
Registriert seit: 31.03.2009
Beiträge: 58
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Hallo Heinz,
puuh, das war viel, hörte sich aber sehr gut an. Ich werde mir deine Antwort ausdrucken und als Leitfaden zur Seite legen. Danke Thomas
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