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Leben gerettet

Dies ist ein Beitrag zum Thema Leben gerettet im Unterforum Situation der Betreuer/innen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo, eben musste ich die Ehefrau eines Betreuten retten. Sie hatte einen Strick genommen und versucht, sich aufzuhängen. Hat aber ...


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Alt 08.09.2010, 11:58   #1
Ehrenamtlicher Betreuer
 
Registriert seit: 23.02.2004
Ort: im Norden
Beiträge: 1,219
Standard Leben gerettet

Hallo,

eben musste ich die Ehefrau eines Betreuten retten. Sie hatte einen Strick genommen und versucht, sich aufzuhängen. Hat aber nicht geklappt, ich kam rechtzeitig und habe sie losgeschnitten. Nun ist sie im Krankenhaus.

Schon derb, was man als ehrenamtlicher Betreuer manchmal erlebt...

Gruss

Andreas
AndreasLübeck ist offline  
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Alt 08.09.2010, 16:48   #2
ehrenamtliche Betreuerin
 
Registriert seit: 01.09.2010
Ort: Münsterland
Beiträge: 89
Standard Hi Andreas,

oh Gott kann ich da nur sagen, glaub manchmal braucht man selber jemanden um so etwas zu verarbeiten. Na ist ja man gut daß es dieses Forum gibt!!

Lieben Gruß

Doro
Doro ist offline  
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Alt 08.09.2010, 18:37   #3
Annatevka67
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hoffe es überwiegt die Erleichterung, dass es grad noch geklappt hat + nicht der Schrecken!!!
Einen ruhigen Abend dem "Schutzengel"!!!
 
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Alt 08.09.2010, 19:12   #4
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 02.07.2009
Ort: Norddeutschland
Beiträge: 80
Standard

Zitat:
Zitat von Annatevka67 Beitrag anzeigen
Hoffe es überwiegt die Erleichterung, dass es grad noch geklappt hat + nicht der Schrecken!!!
Einen ruhigen Abend dem "Schutzengel"!!!
Dem möchte ich mich aus tiefstem Herzen anschließen!
__________________
LG v.
Henrik
Henrik ist offline  
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Alt 08.09.2010, 19:14   #5
Admin
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 1,590
Standard

Moin Andreas

Gratuliere, dass du es rechtzeitig geschafft hast. Solche Erlebnisse hat man noch nach Jahren richtig bildhaft in Erinnerung, als würde der Filme gerade eben erst gelaufen sein.

Ich wünsche Dir, dass Du so etwas nicht wieder erleben mußt. Und wenn doch, dass Du auch dann rechtzeitig da bist.

MfG

Imre
__________________
Fehler sind dazu da, um sie zu machen
und daraus zu lernen.
Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen.
Imre Holocher ist offline  
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Alt 08.09.2010, 23:57   #6
Gesperrt
 
Registriert seit: 18.08.2005
Ort: im Baumhaus
Beiträge: 624
Standard Leben gerettet

Andreas, hoffentlich wird sie dir den Rettungsversuch nicht sehr übel nehmen. Also erhängen ist schon ganz schön mutig.

Auf akute Suizidgefahr wird auch bei verschiedenen Psychopharmaka hingewiesen. Da kräht aber kein Hahn danach, wenns passiert ist.

Gruss mary
mary ist offline  
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Alt 09.09.2010, 00:15   #7
Gesperrt
 
Registriert seit: 04.04.2004
Ort: NRW
Beiträge: 2,302
Standard

Zitat:
Auf akute Suizidgefahr wird auch bei verschiedenen Psychopharmaka hingewiesen. Da kräht aber kein Hahn danach, wenns passiert ist.


Du hast aber sicherlich auch mitbekommen, dass das Teufelszeug Psychopharmaka mehr Leben rettet als es jemals auslöschen wird.

Wenn Du Dir den Beipackzettel von gängigen Medikamenten durchliest, dann dürftest Du gar nix mehr nehmen. Dadurch kommen mehr Leute zu Tode als durch einen Suizid unter Einnahme von Psychophamaka.

@ Andreas, ich kann mich nur anschließen und hoffe Du hast diesen Schock inzwischen einigermaßen überwunden.

Tina L. ist offline  
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Alt 09.09.2010, 06:36   #8
Ehrenamtlicher Betreuer
 
Registriert seit: 23.02.2004
Ort: im Norden
Beiträge: 1,219
Standard

Hallo,

danke für die lieben Worte, mir geht es ganz gut.

Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann (vielleicht gilt das Nachfolgende ja nur für Schleswig-Holstein): wenn sich jemand umzubringen versucht, und die Polizei bzw. der Rettungsdienst erhält davon Kenntnis, wird dieser Mensch auch gegen seinen Willen (!) in die Psychatrie gebracht.

Angeblich soll die Gesetzeslage so sein - wer sein Leben weg werfen will, ist nicht ganz normal. So hat ein Polizist mir das erklärt.

Nun bin ich der Letzte, der für Selbstmord ist. Aber wenn jemand mit 84 Jahren, nach einem schlechten Leben mit Gewalt in der Ehe, körperlichem Verfall und sehr häufigen Schmerzen (angeblich austherapiert) sich umbringen will, sollte man doch nicht eine Zwangseinweisung veranlassen.

Nun gut, ich bin nicht der Betreuer der Frau, sondern ihres Ehemannes. Aber in der Krankenhauszwangsunterbringung sehe ich absolut keinen Sinn, man kann aus ihr kein junges Mädchen machen, und sie wird es wieder versuchen.

Gruß

Andreas
AndreasLübeck ist offline  
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Alt 09.09.2010, 09:09   #9
Berufsbetreuer / Verfahrenspfleger
 
Registriert seit: 24.10.2009
Beiträge: 911
Standard

Zitat:
Zitat von AndreasLübeck Beitrag anzeigen
Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann (vielleicht gilt das Nachfolgende ja nur für Schleswig-Holstein): wenn sich jemand umzubringen versucht, und die Polizei bzw. der Rettungsdienst erhält davon Kenntnis, wird dieser Mensch auch gegen seinen Willen (!) in die Psychatrie gebracht.
Lässt sich aus den jeweiligen PsychKG ableiten.
Man geht ja davon aus, dass der Mensch einen sehr großen (Über-)Lebenswillen hat und normalerweise mehrere psychische und physische Instanzen verhindern, dass er sich selbst vorsätzlich massiv Schaden zufügt oder gar umbringt. Sind diese Instanzen und dieser Lebenswille nicht mehr vorhanden, geht man davon aus, dass irgendwas schief laufen muss - z. B. in Form einer psychischen Erkrankung oder Störung. Entsprechend hält man es dann für erforderlich, einzugreifen und den Menschen auch gegen seinen Willen "vor sich selbst" zu schützen.
Ob das Sinn macht...? Da kann man wohl unterschiedlicher Meinung sein. Dazu ist der Wikipedia-Artikel übrigens ganz spannend.


Zitat:
Nun gut, ich bin nicht der Betreuer der Frau, sondern ihres Ehemannes. Aber in der Krankenhauszwangsunterbringung sehe ich absolut keinen Sinn, man kann aus ihr kein junges Mädchen machen, und sie wird es wieder versuchen.
Die Problematik, die dahinter steckt, ist wohl die, dass man nicht so ohne Weiteres sagen kann, ob sie "wirklich" aus dem Leben scheiden wollte - oder ob sie nur glaubte, das tun zu wollen, aufgrund einer akuten Depression z.B. und eigentlich trotz aller Lasten lebensfroh ist.
Es gibt Menschen, die auch in hohem Alter und mit ständigen Schmerzen die Lebensfreude nicht verlieren - die scheinbar "eindeutigen" Gründe für einen Freitod sind also nicht zwingend welche.
__________________


Geändert von Chesterfield (09.09.2010 um 09:12 Uhr)
Chesterfield ist offline  
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Alt 17.09.2010, 15:28   #10
nam
Stammgast
 
Benutzerbild von nam
 
Registriert seit: 27.04.2009
Ort: leider noch deutschland
Beiträge: 562
Standard @ Tina L.

finde jetzt nur dieses beispiel.... aber man darf es ja mal anführen zu deiner behauptung, was mortalitäten mit/ohne medikation angeht......

4. Mortalität durch Suizid:
Die Gesamtmortalität durch Suizid liegt bei Menschen mit Schizophrenie-Diagnose zwischen 4% und 13%. Im Mittel geht man von 10% aus (Inskip et al. 1998; Meltzer 1998). Nach der ersten psychotischen Episode ist der Suizid die Haupttodesursache und im ersten Jahr besonders häufig (Mortensen et al. 1993). Die Dunkelziffer vor allem in Kliniken ist hoch (Finzen 1988). Eine nationale finnische Erhebung ermittelt eine 37-fach erhöhte – jedoch insgesamt mit 1,2% niedrige – Suizidrate bei schizophren diagnostizierten Patienten in den ersten 3,5 Jahren nach der ersten Episode, die Neuroleptika eigenmächtig abgesetzt haben (26 vs. 1 Suizid bei einer Gesamtkohorte von 2230 Ersterkrankten). 38% der Patienten setzten bereits innerhalb des ersten Monats nach der Entlassung die Neuroleptika ab (Tiihonen et al 2006). Historisch ist die Suizidrate seit Einführung der Neuroleptika bei einem Vergleich mit der kustodialen vor-neuroleptischen Psychiatrie in Wales (1875-1924) um das 20-Fache (Healy et al. 2006), in den USA seit 1950 um das 8-Fache gestiegen (Farberow et al. 1978). Auch eine norwegische Erhebung bestätigt einen Anstieg der Mortalität durch Suizid und Unfälle seit Einführung der Neuroleptika (Saugstad/Odegard 1979).

Die erhöhte Suizidrate seit Anwendung der Neuroleptika liegt wahrscheinlich
  1. in den veränderten Versorgungsstrukturen mit therapeutischer Diskontinuität und unangemessenen, nicht bedürfnisgerechten Therapieprozessen (Finzen 1988),
  2. in pharmakogenen Effekten durch und nach Neuroleptika, z.B. Neuroleptika induzierte Depressivität, Dysphorie und Akathisie (Lehmann 1996,2002), „neuroleptisches Diskontinuitätssyndrom“ mit Reboundeffekten (Gilbert et al. 1995; Tranter et al. 1998), Intensivierung von Psychosen nach Neuroleptikabehandlung (upregulation), sowie
  3. gesamtgesellschaftlichen Prozessen mit z.B. beruflicher und sozialer Ausgrenzung, Vereinsamung und Stigmatisierung begründet.
  4. Auch frühe Anerkenntnis einer psychiatrischen Diagnose 6 Monate nach der ersten psychotischen Episode bedingt erhöhte Depressivität und zumindest signifikant mehr Suizidversuche (Crumlish et al. 2005).
  5. Selbstverständlich sind auch intrapsychische, biografische, sozialkontextuelle und Krankheitsverarbeitungsaspekte von wesentlicher Bedeutung.
Vor allem ist aber davon auszugehen, dass das heute allgemein vorherrschende Behandlungsmodell mit Standardneuroleptisierung ohne wesentliche Mitentscheidung des Patienten in Verbindung mit struktureller und personeller Diskontinuität unverändert hohe Non-Compliance-Raten aufrechterhält. Den Patienten bleibt wenig Spielraum zu Behandlungsversuchen ohne Neuroleptika oder begleiteten Absetzversuchen, sodass Behandlungsabbrüche mit Anstieg der Suizide die Folge sind. Patienten Medikamente aufzuzwingen, die sie außerhalb der Kontrolle mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder absetzen, birgt offensichtlich lebensgefährdende Risiken.
In finnischen Modellregionen mit selektiver Neuroleptikatherapie traten keine Suizide in der Gruppe der neuroleptikafrei behandelten Patienten auf.

Quelle/Link:

BPE Rundbrief 3/2007 - Mortalität durch Neuroleptika (Volkmar Aderhold)
__________________
Der Barbar, erkennen wir, hat es leicht gesund zu sein, für den Kulturmenschen ist es eine schwere Aufgabe. Sigmund Freud

Geändert von nam (17.09.2010 um 15:30 Uhr)
nam ist offline  
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