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Betreuungsänderungsgesetz

Dies ist ein Beitrag zum Thema Betreuungsänderungsgesetz im Unterforum Beiträge zu Rechtsfragen bis 2015 , Teil der Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts
HI Meine Betreuerin hat mir heute gesagt das sie ab jetzt nur noch 1 mal im Monat zu mir kommen ...


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Alt 24.11.2004, 21:36   #1
"Betreuerschreck"
 
Benutzerbild von Momo
 
Registriert seit: 24.09.2004
Beiträge: 3,058
Standard Betreuungsänderungsgesetz

HI
Meine Betreuerin hat mir heute gesagt das sie ab jetzt nur noch 1 mal im Monat zu mir kommen kann.Das Gericht würde nicht mehr zahlen.Die stellen sich auf den Standpunkt ein Betreuer wäre nicht zum "händchenhalten" da.

Nun habe ich aber gelesen das in dem neuen Betreuungrecht, ich glaube es ist noch nicht durch, die Stundensätze nach Krankheitsbildern und Arbeitsaufwand bemessen werden sollen.

Ehrlich gesagt blick ich da jetzt überhaupt nicht mehr durch.Kann mich vielleicht mal jemand aufklären?

Und was das "händchenhalten"betrifft darum ging es nie.

Und es ist mir auch ehrlich gesagt schleierhaft wie ein Betreuer der seinen Klienten nur einmal im Monat sieht beurteilen soll wie es ihm geht.

Lg MOMO
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Alt 25.11.2004, 12:53   #2
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard BetrRÄndG

Hallo Momo,

nichts Genaues weiß man/frau nicht - nicht einmal die alle PolitikerInnen, die letztlich darüber entscheiden werden. Wann, ist auch noch nicht klar. Erst einmal bleibt alles wie es ist. Sie sind aber kräftig zugange. Mit dem Gesetz ist spätestens Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Sollte ja schon zum 01.01.05 wirksam werden, war aber nichts, weil sie sich nicht einigen können, wo und wie gespart werden soll. Am liebsten wäre es ihnen, wenn es gar keine frei beruflichen Betreuer mehr gäbe und notwendige Betreuungen nur noch von Ehrenamtlichen, die kaum was kosten, wahrgenommen werden.

Mit der Zeit (seit 1992) machten sich immer mehr BetreuerInnen selbständig und wie bei den Ärzten, mit der Zahl wuchs auch die der Betreuten. Also denken die Oberschlauen, weniger Betreuer, weniger Betreute, weniger Ausgaben für Betreuungen. Ein Landesjustizminister meinte gar, es sollten doch die Sozialarbeiter der Kommunen machen (werden zwar auch eingespart, aber ist ihm doch egal).

Um möglichst vielen beruflichen BetreuerInnen ihre Arbeit zu verleiden, werden so massive Einschränkungen beschlossen, dass natürlich letztlich die Betreuten darunter zu leiden haben. Und wenn sie leiden, dann doch bitte in der Psychiatrie oder im Wohnheim. Dass auch dort Personal eingespart wird (Gesundheitsreform) und es immer schwieriger wird, einen Heimplatz zu bekommen, nehmen die Verantwortlichen nicht wahr (Scheuklappen).

Nun zu dir und deiner Betreuerin. Sie plant natürlich auch schon ihre Arbeitszeit bei den Betreuungen, die sie wahrnehmen muss, um davon leben zu können (im Schnitt 50 Betreuungen Minimum). Wieviel Zeit dann noch für den/die Einzelnen übrig bleibt, lässt sich kaum vorstellen. Und was für Betreute noch wirklich bewegt, verändert, verbessert werden kann, noch viel weniger.

Geascht sind nicht nur die Betreuten, auch die BetreuerInnen, die den Job weiterhin machen wollen oder müssen.

Deine Info von wegen Vergütung nach Krankheitsbildern ist mir neu, aber nicht unwahrscheinlich. Geplant war eine Stundenvergütung je nach dem, ob die/der Betreute im Heim lebt (3,5 Stunden pro Monat) oder in einer eigenen Wohnung und ob die Betreuung gerade eingerichtet wurde (max. 7,5 Stunden im Monat) oder schon länger besteht (gestuft weniger).

Dann passieren für Politiker schier unvorstellbar Krisen, wo ein Mehrbedarf an Zeit (Zwangseinweisung, Wohnungswechsel, Gerichtsverfahren, Heimunterbringung u. dgl.) entsteht. Dann darf der/die Betreuerin dann gegenüber dem Gericht lange Briefe (unentgeltlich natürlich) schreiben, um ein paar Euro mehr zu bekommen. Dieser Verwaltungsaufwand wird auch nicht berücksichtigt.

Summa summarum: für alle wird es ungemütlicher und die Letzten beißen die Hunde. Wahrscheinlich Straßenköter, denen es im Tierheim dann besser geht, als manchem Betreuten.

Du verstehst meinen Zynismus. Was bleibt uns denn sonst noch?

Gruß Heinz
 
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Alt 26.11.2004, 19:47   #3
"Betreuerschreck"
 
Benutzerbild von Momo
 
Registriert seit: 24.09.2004
Beiträge: 3,058
Standard Betreuungsänderungsgesetz

Hallo heinz

Ja ich verstehe deinen Zynismus nur zu gut.Ich bin auch so was von sauer nicht nur wegen mir, sondern weil hier wieder mal so mit Menschen umgegangen wird. Aber es ist wohl so. menschlichkeit wird heutzutage nicht mehr bezahlt.Klar ist das alles was da jetzt eingespart werden soll total unrealistisch es verursacht letzten Endes auch erhebliche Mehrkoste. Es wird einfach nur umgeschichtet.

Es wird so kommen das die engagierten Betreuer ihren Job hinscjmeissen und die anderen werden bleiben.

Mir selbst hat meine Betreuung in den letzten Jahren viel gebracht auch deswegen weil da jemand war der sich auch wirklich engagiert hat. Ich war lange nicht mehr in der Psychiatrie aber vielleicht sollte ich mal wieder dorthin meinen Aufenthaltsort verlegen damit sie mal soo richtig bezahlen könnten:O)) Ist jetzt zynisch gemeint.

Also das mit der Staffelung nach Krankheitsbilder und aufwand hab ich bei "Sozial Service" gelsen. Hab den Artikel auch noch irgendwo.

Ich verstehe auch nicht wieso die Betreuer jetzt ihre Klienten nur noch vom Schreibtisch aus verwalten sollen obwohl doch im Gesetz steht die persönliche Betreuung soll im Vordergrund stehen.

Na ja Papier ist ja geduldig.

Ich hab schon zu viele Menschen zugrunde gehen gesehen als wenn mich dies was jetzt passiert kalt lassen könnte.
Jeder jammert über die Kälte in unserer Gesellschaft aber sie tun auch alles dafür das es auch so bleibt.

Puhh.........

LG MOMO
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Alt 27.11.2004, 14:22   #4
Heinz
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard reform

Hi Momo,

das mit dem Zynismus ist so ne zweischneidige Sache - einerseits tut es gut, so richtig vom Leder zu ziehen, vor allem politisches Kabarett ist mir Salbe auf seelische Wunden. Andererseits reißt es einen immer tiefer in die Depression (gemeint ist nicht das Krankheitsbild, sondern die Denkweise): alles ist schlecht und wird nur noch schlechter.

Die Reform musste sein und die Opposition würde alles nur noch verschlimmbessern. Leider sind die Abgehobenen derart von der Realität weg, dass sie die Folgen ihres Handelns nicht überblicken. Was solls.

Letztlich liegt es an uns, an einem/r jeden von uns, sich mit der Entwicklung einzulassen und für sich einen passablen Weg zu finden. Sicherlich habe auch ich bei mancher Betreuten schon mal länger als unbedingt (gerichtlich anerkannt) notwendig gesessen und zugehört oder Hilfestellung gegeben (Händchengehalten). Und das werde ich, soweit es sich möglichen machen lässt, auch weiterhin tun. Schließlich lerne ich von den Betreuten ebenso, wie ich ihnen helfe. Es ist ein Geben und Nehmen und wer sich in der persönlichen Arbeit mit Betreuten zurücknimmt, schneidet sich selbst.

Andererseits gilt es aber auch, den/die Betreute auf andere Beziehungen zu verweisen. So war ich lange Zeit die einzige Bezugsperson des Betreuten, sozusagen sein gerichtlich bestellter Freund. Das wird es nicht mehr geben können.

In diesem Sinn auch Dir Mut zu neuen Wegen.
Heinz
 
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berufsbetreuer, betreueraufgaben, pauschale, vergütung

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