Dies ist ein Beitrag zum Thema Betreuervergütung 2026 im Unterforum Betreuervergütung - Aufwendungsersatz - Mittellosigkeit , Teil der Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts
Ich gehe davon aus, dass die Zahlen so nicht kommen werden. Wenn es nicht eh ein Tippfehler ist. Es ist ...
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#11 |
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Moderator
Registriert seit: 24.03.2005
Ort: Duisburg, Ruhrgebiet, NRW
Beiträge: 7,431
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Ich gehe davon aus, dass die Zahlen so nicht kommen werden. Wenn es nicht eh ein Tippfehler ist. Es ist wohl zuerst die Frage zu stellen, ob die sich aus der Befragung ergebenden Zahlenanteile (Evaluation Seit 18) überhaupt plausibel sind. Die bisherigen Rückmeldungen kamen von BetreuerInnen, bei denen das Zahlenverhältnis nicht wie in der Auswertung liegt (danach müssten ungefähr auf 1 Heimbewohner 1,5 Nichtheimbewohner kommen); was unterm Strich eine erkennbare Erhöhung darstellte (je mehr, desto länger die Betreuungen laufen, also umgekehrt wie bisher)
Sondern die ersten Rückmeldungen machen Betreuer, die bis zu 5 bis 10 mal mehr Nicht-Heimbewohner haben. Wie ist diese Diskrepanz erklärbar? Das wäre ganz anders als der angeblich bundesweite Mix. Und auch vielmehr, was Zufall wäre. Wo sind denn dann die ganzen Heimbewohner?
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Mit vielen Grüßen Horst Deinert Weitere Infos: https://www.lexikon-betreuungsrecht.de |
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#12 |
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Berufsbetreuer
Registriert seit: 21.02.2008
Ort: Hessen
Beiträge: 1,410
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Im Grunde könnte man den fast ganzen Entwurf kommentieren. Ich will keine Tapete schreiben, sondern greife jetzt einzelne Punkte heraus, welche zeigen, dass man hier auf dem Argumentationsniveau von Gebrauchtwagenhändlern angekommen ist:
Also, in diesem Beitrag nun Punkt III. 1. a): Nur noch zwei Betreuungszeiträume (auf Deutsch: Endvergütung nach 12 Monaten) Argumentation: Vergütungsmäßiger Anreiz für berufliche BetreuerInnen, neue Betreuungen zu übernehmen. -Wohin dann mit den Bestandsbetreuungen? Wer nimmt die? -Hat man im Wolkenkuckucksheim im Übrigen noch immer nicht bemerkt, dass immer mehr Betreuungen nicht binnen eines, nicht binnen zwei und auch nicht binnen zehn Jahren "zur Ruhe" gebracht werden können? Betreuungen, bei denen man an Tag 3000 genau so viel zu tun hat, wie an Tag 1 und, die dann auch so vergütet werden müssten? -Worin genau besteht dieser ominöse Anreiz zur Übernahme neuer Betreuungen, wenn ich schon im diesem ersten Jahr, für eine neue Betreuung (nicht vermögend) weniger Geld bekomme, als bisher? Das ist doch alles Blödsinn. Ich möchte nicht mal böse Absicht unterstellen. Ich glaube, es ist völlige Unkenntnis. Aber auch Unwilligkeit. Und praxisferne Weltfremdheit. Was anstünde, ist eine Vergütungserhöhung. Wie üblich, gibt es aber eine "Reform". Erhöhung ist hier gar nicht das Thema. Es gibt noch mehr Punkte, ich werde in den nächsten Tagen dazu schreiben. |
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#13 |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,577
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Ich kann nur beantworten, wo "meine" Heimbewohner sind. Viele sind gestorben, da sie mehrheitlich alt oder sehr alt und sehr krank waren. Zu Beginn meines Betreuerinnenlebens wurden mir vergleichsweise oft Fälle hochaltriger HeimbewohnerINNEN oder mehr oder weniger "normaler" alter Menschen übertragen, die im Laufe der Zeit ins Heim mussten.
Ich weiß nicht, ob im Laufe der Jahre mehr solcher Fälle ans Ehrenamt gingen oder gar kaum noch Betreuungen für sie eingerichtet wurden oder ob man bei Gericht nach einiger Zeit davon ausging, ich sei jetzt erfahren genug, um mir "schwierigere" Fälle anzutragen. Jedenfalls habe ich schon jahrelang keine "normalen Alten" mehr bekommen. Es wäre interessant zu erfahren, ob es anderen Kollegen auch so geht. Zuletzt hatte ich von diesen alten Heimbewohnern vom Anfang noch zwei, die ich infolge der Veränderungen, die sich bei mir ergeben haben, an eine Kollegin abgegeben habe. Der Grund dafür, diese beide auszusuchen, war in erster Linie der lange Fahrtweg. Beide lebten damals in Heimen hier im Stadtteil, beide Heime schlossen, als die Reform mit 80 % Einzelzimmern umgesetzt werden musste. Eins fiel ersatzlos weg, das andere wurde jahrelang umgebaut. Beide Betreute mussten vergleichsweise weit wegziehen, da es keine freie Alternative in der Nähe gab. Früher bin ich viel durch die Gegend gefahren, aber dazu blieb infolge des stetig steigenden Verwaltungsaufwands immer weniger Zeit. Früher hatte ich auch einen gewissen Ehrgeiz, meine Betreuten in einem möglichst "guten" Heim unterzubringen. Solche Bestrebungen sind heute völlig illusorisch. Man kann froh sein, wenn man heute irgendeinen Heimplatz bekommt, der nicht in irgendeiner unbekannten Einrichtung in Hintertupfingen liegt, wo auch noch die letzten verbliebenen Sozialkontakte durch die bloße Entfernung gekillt werden. |
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#14 |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,577
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Einer der schlimmsten und offensichtlichsten Effekte, die durch die angedrohte Änderung zu befürchten sind, kam noch gar nicht zur Sprache: Diese "Reform" setzt einen starken Anreiz dafür, Betreute im Heim unterzubringen und gar keinen, sich darum zu bemühen, eine ambulante Versorgung zu Hause auf die Beine zu stellen und zu halten. Es ist mit sehr viel Arbeit und Stress verbunden, ein Helfersystem zu schaffen, die Hilfen zu koordinieren, dauerhaft mit den Beteiligten zu kommunizieren, mit den ständigen Ausfällen umzugehen, immer wieder nachts oder am Wochenende angerufen zu werden, weil etwas war - selbst, wenn man das Telefon ausschaltet - oft bemerkt man in der Freizeit ja doch, dass etwas einging oder befürchtet es zumindest. Es sind u.a. diese Fälle, die viel mehr Zeit verschlingen, als man hat, einen in einem dauerhaften Standby halten. Wie sich die Missachtung dieser Umstände, die sich auch dem Laien problemlos erschließen, auf die Qualität in der rechtlichen Betreuung auswirken müssen, kann sich jeder ausrechnen.
Das alles atmet so viel Zynismus und Ignoranz, dass ich nur sagen kann, ich will nicht mehr. Derweil werden öffentliche Gelder fröhlich weiter im ganz großen Stil durch idiotische Fehler zum Fenster rausgeschmissen oder auch privatisiert. So könnten alleine von den aktuell bekannten Mehrkosten, die durch die Fehlplanung der Sanierung der Kölner Oper verursacht wurden, https://de.wikipedia.org/wiki/Oper_K%C3%B6ln 10 Jahre lang die in dem jetzigen Referentenentwurf prognostizierten Kosten der "Reform" für alle Betreuer in Deutschland bezahlt werden. |
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#15 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 14.07.2020
Ort: NRW
Beiträge: 253
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Bei mir ist die Verteilung gewesen:
50 Betreuungen 46 eigene Wohnung/besondere Wohnform 4 Heim Und das zieht sich bei uns im Verein eigentlich so durch. Wobei ich durchaus von Betreuern gehört habe, die ausschließlich Heimbewohner haben, die werden natürlich proftieren. Die sogenannte Mischkalkulation ist halt so eine Sache... Die Behörde sagt einem am Telefon: 86 Jährige im KH auf Intensiv, Rückkehr in eigene Whg nicht möglich, Anschluss Heim.... 70 Jähriger im Krankenhaus, geht in KZP, möchte nicht mehr nach Hause.... Und am Ende bleiben sie doch in ihrer Wohnung und der gedachte einfache Heimfall, entpuppt sich zum Dauerbrenner... hatte ich soooo so so oft. Und die Heimfälle versterben dann sehr schnell. |
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#16 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 27.06.2024
Ort: Sachsen-Anhalt
Beiträge: 255
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Eigentlich zu allem was zuvor geschrieben wurde, defintiv Zustimmung. In meinem Fall sind es 37 mittellose in eigener Wohnung von 55 Gesamt.
Ich möchte nur noch eins hinterherschieben aus Sicht eines kleinen Betreuungsvereins (vier Betreuer) um die es vorgeblich viel gehen soll: Wie soll man damit so wirtschaften, dass man einen Menschen einstellt und wettbewerbsfähig von Tag 1 an bezahlt, der überall sonst nach Tarif arbeiten kann und dringend gesucht wird? ![]() Unserer Erfahrung nach dauert es ein Jahr, bis das Einhorn genug Fälle hat und genug vergütet wurde um sich ansatzweise selbst zu tragen. Wir hatten einmal Glück, dass eine frisch Studierte unbedingt diesen Job machen wollte und das auch unbedingt bei uns. Soll das die Basis sein? Wenn diese Durstrecke bleibt bis die Vergütungen rundlaufen wird es nichts mit Nachwuchs! Jedenfalls nicht hier bei uns. Ich bekomme mittlerweile quasi jede Woche gequälte Anrufe von der Betreuungsbehörde ob ich / wir nicht noch einen kleinen Fall nehmen würden. Denn XY geht in Rente. Sowas kommt von sowas. |
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#17 |
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Moderator
Registriert seit: 24.03.2005
Ort: Duisburg, Ruhrgebiet, NRW
Beiträge: 7,431
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Wie ich schon sagte, evtl sind die Grundannahmen (hier die Mengenverhältnisse laut Evaluation) bereits unrichtig. Bislang melden sich -verständlicherweise - diejenigen, die weniger bekämen. Aber wenn die Annahmen stimmen, müsste es viel mehr Berufsbetreuer geben, die deutlich mehr bekämen. Bei dieser Feststellung gehts noch gar nicht darum, ob Fehlanreize durch das beabsichtigte System entstehen. Die Mengenzahlen stammen - angeblich - aus der großen Befragung aller Berufsbetreuer; was ist da falsch gelaufen?
Ich lese jetzt erstmal weiter. P.S. Bei Tschak scheinen die Mengenverhältnisse ungefähr hinzukommen. Diese waren lt. Evaluation 1,5 Nichtheimbewohner zu 1 Heimbewohner - und somit deutliche Mehreinnahmen!
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Mit vielen Grüßen Horst Deinert Weitere Infos: https://www.lexikon-betreuungsrecht.de |
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#18 | |
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Routinier
Registriert seit: 29.11.2009
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 1,305
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Zitat:
Genau diesen Ansatz finde ich richtig. Hier kursieren zu viele Betreuungen, die nach zwei Jahren abgegeben werden und wenn man diese Betreuung weiterführt, stellt man fest, dass kaum etwas gemacht wurde. Der Leuchtturm |
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#19 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 16.10.2023
Ort: Rhein-Pfalz-Kreis
Beiträge: 51
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Gestern abend war ich geschockt und es wurde nicht besser.
Jetzt hab ich mal spaßeshalber meine Budgetplanung kopiert und die Zahlen ausgetauscht. 54 Betreute bunt gemischt... Kummuliert waren es nach rund 12 Monaten (auf die Monate runtergebrochen) 97.914,50 € bei C; jetzt, nur die Zahlen ausgetauscht, Rest ist gleich geblieben, bin ich bei 92.193 € für das Jahr. Schon ein unterschied.... Da ist irgendwo ganz gewaltig der Wurm drin.... Aus dem Entwurf: Die Fallpauschalen wurden so festgelegt, dass sie auf Grundlage der Haushaltsdaten der Länder im gewichteten Bundesdurchschnitt insgesamt eine Steigerung der Einnahmen der Betreuerinnen und Betreuer von 12,7 Prozent zur Folge haben. Kommt nicht so ganz hin... Geändert von Christiane H. (17.09.2024 um 10:29 Uhr) |
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#20 |
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Forums-Azubi
Registriert seit: 16.10.2023
Ort: Rhein-Pfalz-Kreis
Beiträge: 51
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b) Neue Grund- und Qualifikationsstufe und Abschaffung der Vergütungstabelle A
In die neue Qualifikationsstufe werden die beruflichen Betreuerinnen und Betreuer eingestuft, die bisher Vergütung nach der Vergütungstabelle C bezogen haben. Alle übrigen fallen künftig in die Grundstufe, deren Abstand zur Qualifikationsstufe näherungsweise dem der früheren Vergütungstabellen B und C entspricht. Also ist Qualifikationsstufe C und der Rest fällt in die Grundstufe Geändert von Christiane H. (17.09.2024 um 10:36 Uhr) |
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