Dies ist ein Beitrag zum Thema Angst! im Unterforum Forum für Angehörige und betreute Menschen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Liebe Betroffene,
nach zwei qualvollen Tagen aus 800 km Entfernung habe ich gestern den Entschluss fassen müssen und anhand einer ...
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#1 |
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Gesperrt
Registriert seit: 14.08.2007
Beiträge: 2
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Liebe Betroffene,
nach zwei qualvollen Tagen aus 800 km Entfernung habe ich gestern den Entschluss fassen müssen und anhand einer Vorsorgevollmacht meine Tante in eine Psychiatrie überweisen lassen müssen und darüber hinaus einen Eilantrag auf Betreuung initiiert. Ich habe große Angst vor dieser Verantwortung (wohlgleich ich sie mit meinem Cousin teilen werde), noch viel mehr Angst aber macht es mir, wie meine Tante auf diese Notwendigkeit reagieren wird. Da mein vordringlichster Wunsch ein sicheres Leben für meine Tante als Motivation vorsteht, weiß ich (und werde hierbei auch von den behandelten Ärzten bestätigt), richtig gehandelt zu haben. Mich aber macht dies unglaublich hilflos und es ängstigt mich. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht, am Anfang einer Betreuungsmaßnahme? LG andreas |
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#2 |
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Gesperrt
Registriert seit: 04.04.2004
Ort: NRW
Beiträge: 2,294
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Hallo Andreas,
ich finde es schon mal ein gutes Zeichen, dass Du Dir solche Gedanken machst, denn oftmals wird den Angehörigen oder Betreuern ja vorgeworfen, das sie leichtsinnig Menschen in die Psychiatrie abschieben. Bei dieser Vorsorgevollmacht wird Deine Tante bestimmt an andere Notfälle gedacht haben und weniger an eine Einweisung in die Psychiatrie, oder? Sie wird vermutlich auch nicht begeistert sein. Ich kenne das Krankheitsbild Deiner Tante nicht, ob diese Überweisung richtig oder falsch ist, kannst Du besser beurteilen. Aber wenn Deine Tante durch ihr Verhalten suizidgefährdet oder selbstgefährdend desorientiert ist, dann musst Du handeln. Es geht ja darum, dass ein Schaden am Leben bzw. der Gesundheit Deiner Tante (und wohlmöglich anderer) verhindert wird. Ich kenne Deine Gefühle gut, gerade am Anfang habe ich mich sehr schwer getan solche Entscheidungen zu treffen. Bei unterschiedlichen Betreuungen müssen ganz verschiedene Entscheidungen getroffen werden, auch bei totkranken Menschen, die alleine überfordert wären, oder gar nicht mehr in der Lage sind zu entscheiden. Es ist eine große Verantwortung, mit der man sorgsam umgehen muss. Ich persönlich verlasse mich nicht alleine auf die Meinungen der Ärzte, sondern informiere mich gut und wäge ab. Es ist schon vorgekommen, dass man einer 84 jährigen Frau, ohne mein Wissen einfach eine Chemotherapie verpassst hat und mir erzählen wollte, dass sie dem zugestimmt hätte. Als ich dann in die Klinik kam, war sie ein Häufchen Elend, hatte natürlich gar nicht verstanden was man genau macht, sie ging davon aus, dass es ihr danach besser ginge.. Ich habe sie dann, zusammen mit der Ärztin, aufgeklärt. Das Ganze wurde sofort abgebrochen und alle schauten nur ganz verschämt aus der Wäsche. Also, es ist durchaus möglich, dass sich auch Ärzte irren und dafür sind Beteuer da, ihnen auf die Finger zu schauen und ruhig auch mal etwas in Frage zustellen. Wie gesagt, wenn sich Deine Tante massiv gefährdet, dann musst Du handeln und auch aushalten, dass sie sauer auf Dich sein wird. Du willst ihr helfen und sie vor Folgeschäden bewahren, daran solltest Du denken. Mit freundlichen Grüßen Tina |
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#3 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Hallo Andreas,
zu dem, was Tina dir mitgab, will ich noch einen Aspekt aufgreifen nämlich die Entfernung von 800 km im Zusammenhang mit dem Eilantrag auf Betreuung. Du schreibst nicht, wie nahe bei dein Cousin deiner Tante ist und in wie weit er die Betreuung ganz praktisch wahrnehmen kann. Zum andern gibt es noch die Möglichkeit, dass deine Tante eine private Vollmacht unterschreibt, mit der sie dich und deinen Cousin (ihr Sohn?) bevollmächtigt. Dies ist, wenn denn dein Cousin in ihrer Nähe ist, vielleicht besser, als die gerichtliche Bestellung, da diese stets mit Formalien verbunden ist. So wird bei der gesetzlichen Betreuung auf dich die Entfernung (ist doch dauerhaft oder nur vorübergehend?) berücksichtigt. Aus 800 km Entfernung kann man eine Betreuung nicht effizient führen. Kommen noch andere Aspekte hinzu, weshalb die Betreuung dein Cousin nicht allein und zuförderst wahrnehmen kann, kann schnell eine dritte Person, vermutlich BerufsbetreuerIn ernannt werden. Kläre es mit deinem Cousin ab, ob ihr es euch vorstellen könnt. Hinsichtlich der Ängste: Zur ehrenamtlich geführten Betreuung durch Angehörige gibt es vom Justizministerien Handreichungen und Infomaterial, das wie vieles andere auch aus dem Internet zu beziehen ist. Zum andern gibt es in jeder größeren Stadt keine Betreuungsstelle, Caritas, Diakonie oder Betreuungsvereine, die Angehörige bei der Betreuung beraten und unterstützen. Ich denke, für dich sollte es zunächst wichtig sein, wer vorort die Betreuung deiner Tante wahrnehmen kann und will. Ein Gespräch mit den Ärzten lässt sich nur notfalls per Telefon führen. Der die Betreuung wahrnimmt, ggfls. dein Cousin sollte sich ein konkretes Bild machen, wie und wo deine Tante untergekommen ist, wie sie sich fühlt, was sie sich wünscht und auch die Atmosphäre der Station zu erspüren. Jede Klinik und auch manche Station innerhalb einer Klinik ist anders. Und wie soll es weitergehen? Betreutes Wohnen? Wohnheim? Pflegedienst? Beim Wohnheim kommen auch Fragen der Finanzierung ins Spiel. Sollte dein Cousin der Sohn deiner Tante sein, müsste er prüfen, in wie weit unterhaltspflichtig. Ggfls müsste Anträge bei der Kommune oder Pflegekasse zu stellen sein. Ich weiß nicht, wie die Situation deiner Tante bereits vorher war, ob bereits pflegebedürftig. Eine Pflegestufe kann auch für psychisch Kranke anerkannt werden. Solches lässt sich schwer aus der Distanz klären und arrangieren. Dies wird das Gericht bei der Bestellung der Betreuung prüfen. Also tust du gut daran, das für dich und mit deinem Cousin zu klären. Und wie gesagt, es gibt reichlich Angebote, sich zu informieren und konkrete Hilfe zu erbitten. Viel Erfolg und nur Mut Heinz |
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#4 |
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Gesperrt
Registriert seit: 14.08.2007
Beiträge: 2
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Danke für die Feedbacks.
Meine Tante ist alkohol- und tablettenabhängig, neigt darüber hinaus zu "suizidalen Ankündigungen". Meine Cousin wohnt drei Fahrminuten von ihr entfernt, ist Dipl.Psych. und in einem (uns allen bekanntem ambivalenten) Verhältnis zur Mutter. Um das geht es aber nicht wirklich. Wie ich in den letzten Tagen lernen musste (und muss, obwohl es mich schier um den Verstand bringt), sind die "suizidalen Ankündigungen" nur Schein, da die tatsächliche suizidale Tat im Alkohol/Tabletten-Abusus bis "hin zum Verrecken" steckt. Am 03.09. wird es zur ersten amtlichen "Begutachtung" im Betreuungsvefahren kommen, was im Hinblick auf die "Uneinsichtigkeit auf Krankheit" und der Tatsache der "Selbstentlassung" aud em Krankenhaus eigentlich und vielleicht nur ein Akt lediglicher Hilflosigkeit meinerseits und für die Zukunft sein wird. Meine Tante hat beschlossen ihrem Leben ein Ende zu setzen. Damit muss ich leben. Betreuung, Gefühlen, Verantwortungsbewusstsein hin oder her. Danke trotzdem für die Feedbacks. God bless. andreas |
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#5 |
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Einsteiger
Registriert seit: 09.02.2007
Ort: Bayern
Beiträge: 23
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Hallo Andreas,
als erstes möchte ich Dir sagen, dass eine Betreuung eines Angehörigen immer mit Emotionen gebunden ist, welche ein fremder Betreuer nicht unterliegt und dieses Amt objektiver begleiten kann. Darum solltest Du Dir überlegen, ob es für Eure Beziehung Neffe/Tante zuträglich ist. Oder ob es sinnvoll wäre den "schwarzen Peter" einer fremden Person zu zuschieben. Ich habe Jahre lang in der geschlossenen Psychatrie gearbeitet und habe gesehen, was Angehörige allein schon auf Grund der Erkrankung mit erleben mussten. Wenn dann noch die Betreuung im Spiel war, gab es meist zusätzliche Spannungen. Des Weiteren möchte ich Dir noch einige Gedanken mitgeben: Wenn ein Mensch ernsthaft beschlossen hat, seine suidalen Gedanken in die Tat umzusetzten, wird niemand ihn aufhalten können. Psychatrie und Einrichtungen können dies zwar Verzögern, leider aber nicht verhindern. Und wenn ein Mensch nur noch Leidensdruck verspührt, weil er sein Ziel nicht erreicht- ist das dann in Ordnung? Ich weiß, das sind harte Worte, aber ich mußte diese Erfahrung vor einigen Jahren selbst machen, und genau dieses Denken hat es mir etwas leicher gemacht. Ich wünsch´Dir viel Kraft und Mut! Viele Grüsse, Carola |
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