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Ideen zur Unterstützung betreuter Mutter

Dies ist ein Beitrag zum Thema Ideen zur Unterstützung betreuter Mutter im Unterforum Forum für Angehörige und betreute Menschen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hi! Eckdaten: Meine Mutter leidet an einer schizoaffektiven Störung. Sie kann ihren Alltag größtenteils nicht alleine bewältigen. Nach dem Tod ...


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Alt 14.07.2021, 21:06   #1
Einsteiger
 
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Beiträge: 10
Standard Ideen zur Unterstützung betreuter Mutter

Hi!

Eckdaten: Meine Mutter leidet an einer schizoaffektiven Störung. Sie kann ihren Alltag größtenteils nicht alleine bewältigen. Nach dem Tod meines Vaters habe ich die Betreuung übernommen. Mein Bruder ist mit seiner Freundin im Haus meiner Mutter eingezogen, er hat zwei Kinder. Aktuell kommt täglich 2x der Pflegedienst zur Medikamentengabe.

Ich lebe nicht vor Ort und habe gelegentlich Auslandsaufenthalte zu Berufszwecken. Deshalb gibt es auch noch eine Ergänzungs- bzw. Vertretungsbetreuerin mit der Aufgabe der Gesundheitssorge und Aufenthaltsbestimmung. Sollte beispielsweise mal eine Unterbringung nötig und ich nicht vor Ort sein, kümmert die Ergänzungsbetreuerin sich darum.

Leider war vor kurzem wieder ein Klinikaufenthalt nötig. Meine Mutter ist von diesem inzwischen wieder zu Hause und einigermaßen stabil. Leider hat mein Bruder dies sehr negativ genommen und die Beleidigungen meiner Mutter sehr persönlich genommen. Ich vermute leider, dass mein Bruder und seine Freundin einen sehr niedrigen IQ haben und aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage sind, die Situation meiner Mutter zu verstehen und zu verarbeiten. Er nimmt alles was sie (auch im manischen Zustand) sagt persönlich und macht ihr Vorwürfe, obwohl sie dafür ja gar nichts kann.

Mein Bruder hat bereits mehrfach angedroht, dass er sich nicht mehr um unsere Mutter kümmern will. Das ganze hat für mich ein Geschmäckle, da er die letzten Jahrzehnte auf unsere Kosten gelebt hat und aktuell auch bei vollem Gehalt keine Miete zahlt und er und seine Freundin und Familie das Haus komplett kostenlos nutzen. Der Deal war, dass er dafür 1x die Woche für meine Mutter einkaufen fährt und sie bei Bedarf zum Arzt fährt. Dies scheint indes zu viel verlangt.

Nun würde ich gerne mal hören, was ich tun kann, sollte mein Bruder sich komplett weigern, diese Aufgaben zu übernehmen. Wenn eine 24h Pflege (auch finanziell) nicht in Frage kommt, was für Dienste gibt es, die zB Einkäufe übernehmen und die Fahrt zum Arzt übernehmen? In welchem Kostenrahmen bewegt sich das und wer bezahlt, wenn das Geld meiner Mutter nicht ausreicht? Insbesondere der Psychater befindet sich 30km entfernt. Habt Ihr Ideen wie man meine Mutter unterstützen könnte, wenn ich und mein Bruder dort nicht wohnen?

Ein Pflegeheim würde meine Mutter aktuell freiwillig nicht machen, daher ist das mittelfristig erstmal keine Option.

Randnotiz: Lebensmittel lasse ich bereits weitgehend liefern. Post wird automatisch an einen Dienstleister weitergeleitet, der das Ganze für mich einscannt.
Aurora921 ist offline  
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Alt 14.07.2021, 21:09   #2
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 29.11.2018
Beiträge: 105
Standard

Eingliederungshilfe nach § 99 SGB IX ( §§53 ff. SGB XII) beantragen
Anbieter suchen, der Ambulant Betreutes Wohnen in der Region anbietet..
Frankreichfahrer ist offline  
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Alt 15.07.2021, 08:37   #3
Admin/ Berufsbetreuerin, Dipl.Pädagogin,
 
Benutzerbild von michaela mohr
 
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Beiträge: 12,899
Standard

Zu deiner Darstellung tauchen Fragen auf.
Du schreibst:
Zitat:
Sie kann ihren Alltag größtenteils nicht alleine bewältigen.
Zitat:
Wenn eine 24h Pflege (auch finanziell) nicht in Frage kommt,
Zitat:
wie man meine Mutter unterstützen könnte, wenn ich und mein Bruder dort nicht wohnen?
Zitat:
Leider war vor kurzem wieder ein Klinikaufenthalt nötig. Meine Mutter ist von diesem inzwischen wieder zu Hause und einigermaßen stabil.
Wie alt ist deine Mutter?
Du scheinst eine 24 Stunden Pflege in Erwägung zu ziehen. Aus welchen Gründen?
Würde dein Bruder ausziehen und mit der Vermietung würde weiteres Einkommen generiert?
Wie hoch ist der Unterstützungsbedarf konkret im Alltag? Vor allem... auch evtl. nachts?
Klinikaufenthalt bei gereglter Medi Vergabe? Was ist passiert?

Was sagte die Klinik zu den häuslichen (Wohn-)Verhältnissen? Hast du dort euer "Modell" vorgestellt und dich beraten lassen?
Um sagen zu können welche Hilfen es gibt müsste zunächst der Bedarf genau benannt werden.

Dazu auch noch was:
Zitat:
Leider hat mein Bruder dies sehr negativ genommen und die Beleidigungen meiner Mutter sehr persönlich genommen. Ich vermute leider, dass mein Bruder und seine Freundin einen sehr niedrigen IQ haben und aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage sind, die Situation meiner Mutter zu verstehen und zu verarbeiten. Er nimmt alles was sie (auch im manischen Zustand) sagt persönlich und macht ihr Vorwürfe, obwohl sie dafür ja gar nichts kann.
Im Alltag mit einem psychisch Kranken zusammen zu leben ist Schwerstarbeit was jemand der nicht täglich dieser Belastung ausgesetzt ist selten wirklich nachvollziehen kann. Rede mal mit Pflegern auf psychiatrischen Stationen.
Sich das als Angehöriger anzutun ist regelrecht eine Meisterleistung und hat mit fehlendem IQ überhaupt nichts zu tun.
__________________
diese kommunikation wurde im rahmen der überwachungsgesetze auf ihre kosten dauerhaft gespeichert und wird jederzeit weltweit gegen sie verwendet werden. danke für ihre kooperation.
michaela mohr ist offline  
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Alt 16.07.2021, 20:51   #4
Einsteiger
 
Registriert seit: 01.12.2020
Beiträge: 10
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Zitat:
Zitat von michaela mohr Beitrag anzeigen
Zu deiner Darstellung tauchen Fragen auf.
Du schreibst:

Wie alt ist deine Mutter?
Du scheinst eine 24 Stunden Pflege in Erwägung zu ziehen. Aus welchen Gründen?
Würde dein Bruder ausziehen und mit der Vermietung würde weiteres Einkommen generiert?
Wie hoch ist der Unterstützungsbedarf konkret im Alltag? Vor allem... auch evtl. nachts?
Klinikaufenthalt bei gereglter Medi Vergabe? Was ist passiert?

Was sagte die Klinik zu den häuslichen (Wohn-)Verhältnissen? Hast du dort euer "Modell" vorgestellt und dich beraten lassen?
Um sagen zu können welche Hilfen es gibt müsste zunächst der Bedarf genau benannt werden.

Dazu auch noch was:

Im Alltag mit einem psychisch Kranken zusammen zu leben ist Schwerstarbeit was jemand der nicht täglich dieser Belastung ausgesetzt ist selten wirklich nachvollziehen kann. Rede mal mit Pflegern auf psychiatrischen Stationen.
Sich das als Angehöriger anzutun ist regelrecht eine Meisterleistung und hat mit fehlendem IQ überhaupt nichts zu tun.

Die Situation wurde mit Klinik und Sozialarbeit und Vertretungsbetreuerin abgeklärt. Meine Mutter ist 67 und dem Alter entsprechend körperlich in einer gesunden Verfassung. Allerdings sind die Supermärkte nicht fußläufig, sodass sie dies nicht allein bewältigen kann. Auch psychisch ist dies nicht möglich, da sie ihr eigenes Geld nicht verwalten kann und keinen Überblick darüber hat, wieviel sie braucht und was sie wirklich einkaufen muss (Kaufrausch/ - sucht). In diesem Falle benötigt meine Mutter aus meiner Sicht jemanden der: Einkäufe auch kurzfristig erledigen kann, sie zu ihren Arztterminen fährt und 1-2 mal die Woche nach ihr sieht und evtl. im Haushalt hilft (putzen, rasen mähen, etc.). Klingt nach wenig, scheint aber relativ schwer umzusetzen zu sein.

Zu deinem anderen Kommentar, das ist mir bewusst, ich habe schließlich selbst 20 Jahre mit ihr zusammengelebt. Solche Belehrungen brauche ich deshalb auch nicht. Allerdings kennt mein Bruder sie bereits, und das länger als ich, und reagiert selbst teilweise gewalttätig, das ist in keinem Fall in Ordnung. Neuerliche Äußerungen meines Bruders haben mich sehr alarmiert, sodass ich meine Mutter gerne unabhängig von ihm machen würde. Mein Bruder hat tatsächlich einen niedrigen IQ und einige Probleme auf seiner Seite, deren Ausführung aber den Rahmen hier sprengen würde. Zumindest möchte ich, dass man professionell mit ihm darüber spricht, wie mit der Krankheit unserer Mutter umzugehen ist, hierzu habe ich die Sozialarbeiterin der Klinik bereits kontaktiert und hoffe, dass sie ein Gespräch mit ihm führen kann. Dies war eigentlich bei Entlassung angedacht aber man hat dies von seiten des Krankenhauses wohl vergessen.

Zu deinem weiteren Punkt muss ich sagen, dass ich meinen Bruder natürlich nicht zum Ausziehen zwingen kann. Die Besitzverhältnisse sind 1/2 meine Mutter und 1/4 mein Bruder und ich. Ob man das Haus mit meiner Mutter, die dort lebenslanges Wohnrecht im Grundbucht verankert hat, vermieten kann, ist fraglich. Zumindest wären sicherlich bauliche Maßnahmen erforderlich um den Wohnbereich eindeutig abzutrennen. Auch hier fraglich, ob mein Bruder das finanziell mittragen würde.

Übrigens ist mein Bruder 44 Jahre alt und ich (27) muss ihn jetzt praktisch mitbetreuen.

Geändert von Aurora921 (16.07.2021 um 21:16 Uhr)
Aurora921 ist offline  
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Alt 16.07.2021, 22:33   #5
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Moin moin


Ich habe den Eindruck, als wäre Deine Mutter vielleicht in einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Problemen gut aufgehoben. Aber da wird sie nicht freiwillig einziehen wollen.

Da bleibt dann vielleicht die Möglichkeit Eingliederungshilfe in Form von ambulant betreutem Wohnen und einer Haushaltshilfe zum Thema einkaufen und Putzen.

Und sonst fällt mir eher noch die etwas böse Idee ein, ob Dein Bruder nicht vielleicht auch eine rechtliche Betreuung gut gebrauchen könnte... Das wäre aber nicht Dein Job wegen der Interessenkonflikte.


MfG
Imre
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Fehler sind dazu da, um sie zu machen
und daraus zu lernen.
Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen.
Imre Holocher ist offline  
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Alt 17.07.2021, 00:41   #6
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Standard

Zitat:
Die Situation wurde mit Klinik und Sozialarbeit und Vertretungsbetreuerin abgeklärt.
Mit welchem Ergebnis?

Zitat:
In diesem Falle benötigt meine Mutter aus meiner Sicht jemanden der: Einkäufe auch kurzfristig erledigen kann, sie zu ihren Arztterminen fährt und 1-2 mal die Woche nach ihr sieht und evtl. im Haushalt hilft (putzen, rasen mähen, etc.).
Für mich klingt das eher nicht nach wenig. Der Rat zur Eingliederunshilfe ist sicher gut gemeint aber es lässt sich schon jetzt absehen das es damit nicht getan sein wird.
Zitat:
putzen, rasen mähen,
fällt bei der EGH gleich mal vollständig raus. Dafür brauchts eine Zugehfrau und einen Gärtner.

Zitat:
Einkäufe auch kurzfristig erledigen kann,
Ebenfalls, denkbar wäre höchstens eine konsequente Wochenplanung und/oder evlt. ein Alltagsbegleiter der aber in der Regel privat gezahlt werden müsste. Spontan mal einsprigen wird evtl. jeder mal aber in der Regel nicht auf Zuruf.
Zitat:
1-2 mal die Woche nach ihr sieht
Das wäre für die EGH möglich zu fest vereinbarten Terminen.

Zitat:
Zu deinem anderen Kommentar, das ist mir bewusst, ich habe schließlich selbst 20 Jahre mit ihr zusammengelebt. Solche Belehrungen brauche ich deshalb auch nicht.
Kein Grund angesäuert zu reagieren und auch kein Vorwurf.
Du redest also von einem Zeitraum als 7 jähriges Kind bis zum Alter von 27?
Wenn man täglich mehrfach immer wieder dieselbenn Dinge gafragt wird, wenn man feststellt das jemand zwar den Weg zur Toilettte findet aber dann trotzdem "daneben" macht, wenn man gut gemeinte Rat(-Vor)tschläge täglich mehrfach und mit Fleiss ignoriert- letztlich auch wenn einem die eigenen Kinder mit ihren natürlichen Bedüfnissen völlig egal sind- krankheitsbedingt. Das ist eine schier unerträgliche Situation und meiner Ansicht nach für denjenigen der das nicht packt wirklich kein Grund eine Betreuung anzuregen.

Zitat:
Zumindest möchte ich, dass man professionell mit ihm darüber spricht, wie mit der Krankheit unserer Mutter umzugehen ist, hierzu habe ich die Sozialarbeiterin der Klinik bereits kontaktiert und hoffe, dass sie ein Gespräch mit ihm führen kann.
Das ist gegenüber einem fachlichen Laien einfach ein Ding der Unmöglichkeit! Hier hast du das Ergebnis.

Zitat:
Dies war eigentlich bei Entlassung angedacht aber man hat dies von seiten des Krankenhauses wohl vergessen.
Vergessen wurde es bestimmt nicht, das ist weder die Aufgabe eines KH noch sonstwie überhaupt möglich.

Ich kann dir nur raten die gesetzliche Betreuung für deine Mutter an einen neutralen Profi, also an einen Berufsbetreuer, abzugeben. Einerseits bist du zu nah dran aber gleichzeitig faktisch zu weit weg.
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michaela mohr ist offline  
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Alt 17.07.2021, 15:47   #7
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Hallo,

hat die Mutter denn einen Pflegegrad? Dann könnten dieser über hausw. Hilfen auch einkaufen.

Hat sie einen Schwerbehinderten-Ausweis? Je nach GdB sind Taxi-Freifahrt-Scheine möglich, auch bei psych. Erkrankung, wenn Wege nicht alleine zurück gelegt werden können (allerdings gibt es Einkommens- u. Vermögensgrenzen).

Was will denn die Mutter - das der Sohn/Bruder auszieht? (Ginge es ihr dann wohl besser oder schlechter? Ist Ruhe gut oder führt sie eher zu Einsamkeit?)

Oder nur, dass er sich an den Kosten beteiligt? Du schreibst, er ist nach dem Tod des Vaters dort eingezogen. Die Erkrankung war ihm ja bekannt. Er scheint dennoch aus dem Wohnen dort einen Nutzen zu ziehen.

Es klingt für mich eher so, als wolltest du, Aurora, aus der Ferne alles perfekt machen, aber die Hauptakteure spielen nicht so recht mit. Dann ist es halt nur mittelprächtig. Es ist ihr Leben.
Forenfuchs ist offline  
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Alt 17.07.2021, 15:51   #8
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Zitat:
Zitat von michaela mohr Beitrag anzeigen
Das ist gegenüber einem fachlichen Laien einfach ein Ding der Unmöglichkeit! Vergessen wurde es bestimmt nicht, das ist weder die Aufgabe eines KH noch sonstwie überhaupt möglich.
Da bin ich anderer Ansicht. Aufklärung über die Erkrankung nennt sich "Psychoedukaton" und sollte nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Angehörigen professionell stattfinden sofern gewünscht. Nachdem es sogar Gruppen für Kinder seel. kranker Eltern gibt, gehe ich schon davon aus, dass man sowas einem mittelmäßig begabten 44jährigen erklären könnte. Nicht jeder kann oder will es aber verstehen.
Forenfuchs ist offline  
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Alt 17.07.2021, 17:39   #9
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Zu dem Punkt Psychoedukation steht hier:
Zitat:
wie mit der Krankheit unserer Mutter umzugehen ist
Ich gebe zu, diese Formulierung stört mich ob ihrer Befehlsform erheblich.

Wie man in Zeiten der Besuchsverbote in KH`s ein psychoedukatives Setting herstellen können sollte ist mir unverständlich, zumal sich dieses in anderen, normalen Zeiten auch in höchstens ein bis zwei Gesprächen erschöpft.
Es wäre wünschenswert aber ...s.o.

Zitat:
Nicht jeder kann oder will es aber verstehen.
Oder ist zu fertig wegen der Überlastungssituation um dazu noch die nötige Geduld aufzubringen.
Ich bin evtl. leicht empfindlich bzw. hoch sensibilisiert an dieser Stelle da ich mich 16 Jahre lang selbst in der Situation einer pflegenden und organisierenden Angehörigen befunden habe- ich weiss bestens was eine solche Situation im Alltag bedeutet und wie die praktischen Hilfen dabei in Wirklichkeit aussehen. Die Rettung bestand bei uns wenigstens darin nicht nur gefordert zu werden sondern gleichzeitig auch Profi zu sein.

Es liest sich immer alles so logisch und schön, siehe hier:
https://www.neurologen-und-psychiate...ychoedukation/
die Umsetzung hingegen sieht leider öfter anders aus wie theoretisch beschrieben.
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michaela mohr ist offline  
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Alt 17.07.2021, 23:43   #10
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Vielen Dank erstmal für die vielen Antworten. Es ist leider so, dass die Situation sehr komplex und vielschichtig ist. Ich kann, wen es interessiert, mal einige Details nennen und vielleicht ergibt sich dann ein besseres Bild. Hier sind wirklich familiäre Dinge mit denen der Krankheit vermischt.

1. Geht es meiner Mutter aktuell gut und sie ist stabil. Mein Bruder reagiert aktuell auf alles was meine Mutter macht gereizt, vermutlich weil seine Freundin ihm da Dinge einflüstert. Er hat auch schon von Gewalt gesprochen. Meine Mutter ist im normalen Zustand eine sehr liebe Frau, das ganze ist für mich extrem skurril.

2. Es wurde ein Termin vereinbart zum Gespräch mit meinem Bruder am Tag der Entlassung. Dieser wurde dann von seiten des KH nicht eingehalten, meine Mutter stand an der Tür zum Abgeholt werden. Es läuft nicht immer alles perfekt, wie michaela hier erzählt und auch für die Leute im KH und Gericht ist die kranke Person nicht immer die erste Priorität. In anderen Worten: Das sind auch alles nur Menschen! Ich bin schon dran, dass wenigstens ein telefonisches Gespräch geführt wird.

3. Michaela, wie ich auch in deinen anderen Posts gesehen habe, hast du ein sehr idealisiertes Bild vom Betreuungsberuf. Meine Mutter hat bereits eine Vertretungsbetreuerin. Ich finde die Aufteilung für das Wohl meiner Mutter eigentlich sehr gut. Die Vertretungsbetreuerin erreicht man nur vormittags und das auch nicht immer. Sie hat ein relativ eingeschränktes Bild der Situation und macht hauptsächlich "Dienst nach Vorschrift und Gesetzeslage". Dass meine Mutter hier in besseren Händen wäre, wage ich zu bezweifeln und dies war auch unsere Erfahrung mit Berufsbetreuerin in der Vergangenheit. Dein Idealismus in allen Ehren, aber die Realität sieht leider anders aus.

Hier die Hintergrundstory, etwas ausführlicher:

Meine Mutter kam in den 80er Jahren aus einem dritte Welt Land nach Deutschland. Mein (Halb)bruder kam als kleines Kind mit. Laut Aktenlage waren sowohl der Vater als auch die Schwester meiner Mutter ebenfalls krank. Beim ersten Krankenhausaufenthalt kam sie auf einer Liege fixiert in die Klinik. Normalerweise ist sie manisch, zeigt kaufrausch, exzentrischen Kleidungsstil und bei keiner Medikamentengabe ist sie quasi nicht mehr ansprechbar, gereizt, lacht ununterbrochen und hat starke Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Im stabilen Zustand ist sie einigermaßen normal, hat aber kein Gefühl für Geld/Einkäufe/etc. und benötigt daher Hilfe. Im manischen Zustand kann sie sehr aggressiv sein, ist extrem vulgär/beleidigend, hat ununterbrochene Logorrhoe bis früh morgens und wird gelegentlich auch handgreiflich.

Mein Bruder hatte Schwierigkeiten sich einzugliedern und arbeitet in einem einfachen handwerklichen Beruf. Er hat die schlechten Geldangewohnheiten meiner Mutter übernommen und hatte stets Schulden, teilweise mit Androhung eines Haftbefehls. Er hatte meist ältere Freundinnen, die "nur sein Geld wollten". Seine aktuelle Freundin hat einen ähnlichen Umgang mit Geld, weigert sich arbeiten zu gehen und hat noch zwei Kinder aus früherer Ehe, die auf die Sonderschule gingen und freiwillig(!) beim Vater bleiben wollten.

Meine Familie hat meinen Bruder immer, teils wöchentlich, finanziell unterstützt obwohl seine Schulden stets selbstverschuldet waren. Zuletzt habe ich ihm ebenfalls Geld geliehen, da er Besserung gelobte. Er kauft ständig Kleidung und lässt sie dann in Originalverpackung liegen und schmeißt sie irgendwann in den Müll. Dazu kauft er stets teure elektronische Geräte, die er dann nicht nutzt. Daneben spielt er auch bei diversen Online-Wettportalen. Es wird selten zu Hause gekocht, meist in teuren Restaurants gegessen, wozu auch die Freundin drängt.

Was noch pathologischer erscheint: Er parkt beispielsweise stets im Parkverbot, obwohl er genau weiß, wo das ist. Die gelben Briefe werden ungeöffnet in die Ecke geworfen, bis dann mit Haftbefehl gedroht wird. Auch für einfache Aufgaben, wie mir ein Foto der Post zu schicken, braucht er sehr lange.

Die Freundin schreit von morgens bis abends mit den Kindern. Es haben bereits Nachbarn das Jugendamt verständigt, dessen Angebote der Beratung wurden nicht genutzt. Gegegentlich habe ich auch Schläge gehört/gesehen. Aus meiner Sicht sind die Kinder unterentwickelt, können mit 5 Jahren noch nicht richtig sprechen und sind sehr ängstlich/an die Mutter gebunden. Auch bei den erwachsenen Kindern sehe ich einen Entwicklungsrückstand von ca. 5 Jahren.

Mein Bruder ist vollständig der Sklave der Frau. Nach der Arbeit ist er sofort in ihrem Dienste und hat kaum Zeit, sich zu erholen. Die Frau bringt ihn zunehmend gegen die eigene Familie auf. Mein Vater war stets gegen die Frau, hat sich aber kurz vor seinem Tod versöhnt, wie das Sterbende Menschen nunmal so machen. Als die beiden mal keine Wohnung haben sind sie, ohne zu fragen, in das Haus meiner Oma gegangen und haben sich dort in ein Zimmer eingemietet. Weil meine Oma ein sehr herzlicher Mensch war, hat sie nichts gemacht. Sie haben auch eine Zeit bis Rauswurf ungefragt bei meinem Vater gewohnt.

Kurz vor dem Tod meines Vaters waren die Konten meines Bruders mal wieder gesperrt, er kam wöchentlich bei meinem Vater vorbei und bat um Geld, was er auch bekam (schließlich hat er für meinen bettlägerigen Vater einige Dinge erledigt). Zuletzt bot mein Vater ihm an, dass er gegen die Nebenkosten auch im Familienhaus wohnen kann, wenn er meinem Vater und meiner Mutter hilft. Hier wurde auch mündlich festgehalten, dass er mir eine kleine Miete zahlt, sollte mein Vater nicht mehr leben.

Letztlich trat der Tod unseres Vaters dann sehr schnell ein. Die beiden haben einen Teil der Wohnung kostenaufwändig renoviert, wobei ich auch etwas Geld geliehen habe. Das Haus wird mehr oder minder in Schuss gehalten, hier beschwer sich meine Mutter gelegentlich, dass sie nicht hinter sich sauber machen und sie es machen muss. Mein Bruder hat, vermutlich auf die Einflüsterung seiner Freundin, eine extreme Anspruchshaltung entwickelt. Rasen Mähen und putzen sind nun Dienstleistungen, die wir wertschätzen müssen, nicht normale Instandhaltung des Hauseigentums.

Auch über die Aufteilung der Nebenkosten oder die Bezahlung größerer Wartungsarbeiten wird stets diskutiert.

Neuerdings schreibt mir mein Bruder merkwürdige Nachrichten mit Sachen aus der Vergangenheit, wo es mich noch gar nicht gab. Er scheint sehr von seiner Freundin gegen uns aufgebracht zu werden. Er spricht von irgendwelchen Gewaltakten. Das ganze wirkt auf mich durchaus so, als scheine da eine Persönlichkeitsstörung bei den beiden vorzuliegen. Ein niedriger IQ in jedem Fall, was auch die Impulsivität und den Rückgriff auf Beleidigung/Gewalt zeigt, wenn man versucht, rational zu diskutieren.

Ich kann die beiden logischerweise nicht aus dem Haus entfernen, da es dem Bruder auch zu 1/4 gehört. Ich kann sie auch nicht dazu zwingen, meiner Mutter Unterhalt zu leisten, das wurde ja abgeschafft und aus meiner Sicht ist das auch richtig. Sie sollen sich ruhig verhalten und den Wocheneinkauf und die Fahrt zum Arzt erledigen, mehr verlangt niemand.

Persönlich kümmere ich mich gerne nach Kräften um meine Mutter. Ich halte es nicht für gut, wenn sie komplett alleine zu Hause wäre, auch wenn sie zB alleine für sich kochen kann und auch keine Probleme im Bad/auf dem Klo hat.

Die ganze Situation, letztlich auch meinem Vater geschuldet, sorgt nur dafür, dass die Probleme meines Bruders auch unsere werden. Das ist es, was ich nicht will und womit ich absolut gar nichts zu tun haben will. Was für Frauen sich mein Bruder aussucht und wo er Schulden macht ist absolut nicht mein Bier und sollte meine Gesundheit und mein Vermögen nicht betreffen.

Finanziell erhält meine Mutter eine Witwenrente von ca. 1100€. Die Instandhaltungskosten des Hauses belaufen sich monatlich auf etwa 500€.

Soviel mal zum Hintergrund.
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