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Stress mit dem betreuten Einzelwohnen

Dies ist ein Beitrag zum Thema Stress mit dem betreuten Einzelwohnen im Unterforum Forum für Angehörige und betreute Menschen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo zusammen, es kann sein, dass ich hier völlig falsch bin. Dann bitte ich um Löschung oder Verschiebung meines Beitrags. ...


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Alt 26.07.2022, 18:55   #1
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 19.11.2018
Ort: Berlin
Beiträge: 48
Standard Stress mit dem betreuten Einzelwohnen

Hallo zusammen,

es kann sein, dass ich hier völlig falsch bin. Dann bitte ich um Löschung oder Verschiebung meines Beitrags.

Ich bin Betreuerin einer jungen Frau mit psychischen Problemen, die vor ein paar Jahren einen völligen Zusammenbruch ihres Lebens erlebte. Die Betreuung wurde für drei Jahre angesetzt und jetzt leider verlängert.

Für die Betreute hatte ich einen Antrag auf betreutes Einzelwohnen gestellt - ihre Alltagsprobleme waren nicht mehr einfach zu lösen. Zunächst war auch alles ganz nett und ich wähnte die Frau dort gut aufgehoben und auch gut betreut.

Ich wurde immer wieder zu Hilfegesprächen eingeladen, die nicht besonders informativ waren - so richtig habe ich das erst nach einer Art "Aufwachen" realisiert.

Dann kam der Hammer: Eine der Mitarbeiterinnen aus der Einrichtung ging mich in einem Telefonat heftig an. Übrigens zu Unrecht in einer Sache! Vor allem wollte sie mir mal sagen, dass die armen Menschen in der Einrichtung eben Hilfe und insbesondere ganz viel Zeit benötigen. Ich hatte auch kritisiert, dass einfach alles zu lange dauert, ob Bewerbungsschreiben oder Aufräumarbeiten.

Ich war über das Gespräch dermaßen aufgebracht, dass ich mir sofort eine Supervision geholt habe!

In der Folge habe ich das nächste Hilfegespräch abgesagt und für weitere Gespräche eine Entschuldigung gefordert.

Desweiteren hab ich mich intensiv um meine Betreute gekümmert und auch eine Zielvereinbarung formuliert, die von uns beiden unterschrieben wurde.

Seitdem habe ich mit der Einrichtung nur noch Stress! Meine Betreute war zunächst total sauer, dass ich so aktiv wurde! Sie hat sich auch einiges einfallen lassen, um mich in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Sie hatte allerdings auch einige andere Probleme, seit diese gelöst sind haben wir wieder ein herzliches und auch sehr vertrautes Verhältnis. Sie zeigt sich auch sehr kooperativ und bemüht, die Zielvereinbarung einzuhalten.

Eine wichtige Vereinbarung zwischen uns lautete auch, dass keine Kontakte über Dritte hergestellt werden!

Eine der Mitarbeiterinnen hatte die Angewohnheit, mich (angeblich) im Namen meiner Betreuten anzurufen und z.B. um Geld zu bitten!

Dieses Verhalten habe ich gleich zu Anfang moniert!

Nachdem ich jetzt nicht mehr zu Hilfegesprächen komme - ich habe immer damit argumentiert, dass diese Gespräche nicht zielführend sind - hat diese Mitarbeiterin ihre schweren Waffen ausgefahren!
Sie forderte mich auf, zu einem Gespräch mit ihr und der Betreuten zu erscheinen. Angeblich hat meine Betreute diesen Wunsch geäußert - allerdings nicht mir gegenüber! Ich habe gleich abgelehnt, aber auch auch gefragt, warum die Dame meiner Betreuten nicht hilft, ihre Kommunikationsfähigkeiten auszubauen! Mittlerweile bin ich mir ohnehin sicher, dass die ganze Geschichte auf dem Mist der Mitarbeiterin gewachsen ist.

Am Telefon schrie sie mich mit hoher, sich überschlagender, Stimme an, dass ich zum Gespräch zu kommen habe! Allein der Befehlston war schon eine Frechheit!

Es gipfelte dann in ihrer Drohung, dass sie den SPD benachrichtigen würde und dann hätte ich zu dem Gespräch zu kommen! Dumme Sache, ich hatte schon vorher eine Beschwerde beim SPD abgegeben, weil meine Betreute regelrechte Rückschritte gemacht hat!

Ich habe jetzt eine kurzfristige freundliche Einladung vom SPD erhalten. Allerdings hat meine Betreute heute nichts zu diesem Thema gesagt. Offenbar ist sie nun nicht mehr eingeladen!

Ich habe keinen Bock auf dieses Gespräch, zumal ich schon bei einem anderen Vermittlungsgespräch mit den zuständigen Mitarbeiterinnen und dem Teamleiter erschienen war. Dieses Gespräch war so unsinnig und nichtssagend, wie die vorherigen Hilfegespräche. Natürlich bin ich auch sauer, dass ständig neue Gespräche folgen sollen, nur weil ich die Einrichtung kritisiert habe!

Es wird sich ohnehin erst etwas ändern, wenn im Herbst die Stundenzahl deutlich verringert wird.

Meine Meinung ist eigentlich gesetzt und klar - meine Kritik bleibt, egal, wie oft die Damen behaupten, sie bräuchten noch mehr Zeit und dies begründen sie mit ihrer Erfahrung!

Mir ist auch klar, dass der SPD mich natürlich nicht vorladen kann! Allerdings habe ich bei dem ganzen Ärger, der nun schon seit Wochen anhält, richtig die Nase voll! Ich habe ernsthaft schon überlegt, die Betreuung abzugeben!

Ich weiß, dass es kein Patentrezept gibt. Ich frage mich aber, wie gehen andere Betreuer mit solchen Ärgernissen um? Ich bin ohnehin überzeugt, dass die anderen rechtlichen Betreuer nicht so oft zu Gesprächen in der Einrichtung erscheinen, wie ich dies lange Zeit gemacht habe!
Vielleicht hat ja jemand einen Tipp oder ähnliche Erfahrungen, die mir in meinen Überlegungen helfen können.

Vielen Dank

Geändert von Kleist (26.07.2022 um 19:49 Uhr)
Kleist ist offline  
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Alt 26.07.2022, 19:30   #2
Berufsbetreuer
 
Registriert seit: 21.02.2008
Ort: Hessen
Beiträge: 1,441
Standard

Die Mitarbeiter der Einrichtung müssen ihre Arbeit schon selber machen, du musst das ja auch, was deine Arbeit betrifft.


Grundsätzlich gilt: du schaust der Einrichtung auf die Finger, nicht die Einrichtung dir. Dir schaut schon das Gericht auf die Finger.



Mitwirkung bei der Hilfeplanung/Bedarfsermittlung kann durchaus gelegentlich sinnvoll sein. Ich gehe, wo ich es für notwendig halte, zu solchen Terminen und mache auch direkt klar, wie lange ich zu bleiben gedenke: maximal eine Stunde.


Du kannst dir den Hilfeplan oder PIT oder welches Instrument auch immer aber auch schicken lassen und Korrekturen und Änderungen schriftlich einbringen.



Deine Arbeitsweise gestaltest du. Der Satz "Sie müssen" steht der Justiz und anderen Behörden gelegentlich zu. Dem BeWo nicht.


Lass dich nicht durchs Dorf jagen. Mir scheint, du bist eine kooperative und fleißige Betreuerin. Damit können manche Institutionen nicht sorgfältig umgehen. Dann solltest du ihnen den faulen Zahn ziehen.
Flafluff ist offline  
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Alt 26.07.2022, 19:35   #3
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 19.11.2018
Ort: Berlin
Beiträge: 48
Standard Danke

das sind klare Ansagen!

Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass für mich das Gericht zuständig ist.

Ich werde jetzt die Einladung zum SPD freundlich ablehnen und dann mal sehen, was passiert!

Ich sehe mich selbst übrigens auch als kooperativ und auch engagiert - dies wird mir auch von meinen Betreuten so gespiegelt.

Außer es liegen mal Ausnahmesituationen vor!
Kleist ist offline  
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Alt 26.07.2022, 19:41   #4
Einsteiger
 
Registriert seit: 17.05.2022
Ort: Bayern
Beiträge: 19
Standard

Zitat:
Zitat von Kleist Beitrag anzeigen
Hallo zusammen,

es kann sein, dass ich hier völlig falsch bin. Dann bitte ich um Löschung oder Verschiebung meines Beitrags.

Ich bin Betreuerin einer jungen Frau mit psychischen Problemen, die vor ein paar Jahren einen völligen Zusammenbruch ihres Lebens erlebte. Die Betreuung wurde für drei Jahre angesetzt und jetzt leider verlängert.

Für die Betreute hatte ich einen Antrag auf betreutes Einzelwohnen gestellt - ihre Alltagsprobleme waren nicht mehr einfach zu lösen. Zunächst war auch alles ganz nett und ich wähnte die Frau dort gut aufgehoben und auch gut betreut.

Ich wurde immer wieder zu Hilfegesprächen eingeladen, die nicht besonders informativ waren - so richtig habe ich das erst nach einer Art "Aufwachen" realisiert.

Dann kam der Hammer: Eine der Mitarbeiterinnen aus der Einrichtung ging mich in einem Telefonat heftig an. Übrigens zu Unrecht in einer Sache! Vor allem wollte sie mir mal sagen, dass die armen Menschen in der Einrichtung eben Hilfe und insbesondere ganz viel Zeit benötigen. Ich hatte auch kritisiert, dass einfach alles zu lange dauert, ob Bewerbungsschreiben oder Aufräumarbeiten.

Ich war über das Gespräch dermaßen aufgebracht, das ich mir sofort eine Supervision geholt habe!

In der Folge habe ich das nächste Hilfegespräch abgesagt und für weitere Gespräche eine Entschuldigung gefordert.

Desweiteren hab ich mich intensiv um meine Betreute gekümmert und auch eine Zielvereinbarung formuliert, die von uns beiden unterschrieben wurde.

Seitdem habe ich mit der Einrichtung nur noch Stress! Meine Betreute war zunächst total sauer, dass ich so aktiv wurde! Sie hat sich auch einiges einfallen lassen, um mich in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Sie hatte allerdings auch einige andere Probleme, seit diese gelöst sind haben wir wieder ein herzliches und auch sehr vertrautes Verhältnis. Sie zeigt sich auch sehr kooperativ und bemüht, die Zielvereinbarung einzuhalten.

Eine wichtige Vereinbarung zwischen uns lautete auch, dass keine Kontakte über Dritte hergestellt werden!

Eine der Mitarbeiterinnen hatte die Angwohnheit, mich (angeblich) im Namen meiner Betreuten anzurufen und z.B. um Geld zu bitten!

Dieses Verhalten habe ich gleich zu Anfang moniert!

Nachdem ich jetzt nicht mehr zu Hilfegesprächen komme - ich habe immer damit argumentiert, dass diese Gespräche nicht zielführend sind - hat diese Mitarbeiterin ihre schweren Waffen ausgefahren!
Sie forderte mich auf, zu einem Gespräch mit ihr und der Betreuten zu erscheinen. Angeblich hat meine Betreute diesen Wunsch geäußert - allerdings nicht mir gegenüber! Ich habe gleich abgelehnt, aber auch auch gefragt, warum die Dame meiner Betreuten nicht hilft, ihre Kommunikationsfähigkeiten auszubauen! Mittlerweile bin ich mir ohnehin sicher, dass die ganze Geschichte auf dem Mist der Mitarbeiterin gewachsen ist.

Am Telefon schrie sie mich mit hoher, sich überschlagender, Stimme an, dass ich zum Gespräch zu kommen habe! Allein der Befehlston war schon eine Frechheit!

Es gipfelte dann in ihrer Drohung, dass sie den SPD benachrichtigen würde und dann hätte ich zu dem Gespräch zu kommen! Dumme Sache, ich hatte schon vorher eine Beschwerde beim SPD abgegeben, weil meine Betreute regelrechte Rückschritte gemacht hat!

Ich habe jetzt eine kurzfristige freundliche Einladung vom SPD erhalten. Allerdings hat meine Betreute heute nichts zu diesem Thema gesagt. Offenbar ist sie nun nicht mehr eingeladen!

Ich habe keinen Bock auf dieses Gespräch, zumal ich schon bei einem anderen Vermittlungsgespräch mit den zuständigen Mitarbeiterinnen und dem Teamleiter erschienen war. Dieses Gespräch war so unsinnig und nichtssagend, wie die vorherigen Hilfegespräche. Natürlich bin ich auch sauer, dass ständig neue Gespräche folgen sollen, nur weil ich die Einrichtung kritisiert habe!

Es wird sich ohnehin erst etwas ändern, wenn im Herbst die Stundenzahl deutlich verringert wird.

Meine Meinung ist eigentlich gesetzt und klar - meine Kritik bleibt, egal, wie oft die Damen behaupten, sie bräuchten noch mehr Zeit und dies begründen sie mit ihrer Erfahrung!

Mir ist auch klar, dass der SPD mich natürlich nicht vorladen kann! Allerdings habe ich bei dem ganzen Ärger, der nun schon seit Wochen anhält, richtig die Nase voll! Ich habe ernsthaft schon überlegt, die Betreuung abzugeben!

Ich weiß, dass es kein Patentrezept gibt. Ich frage mich aber, wie gehen andere Betreuer mit solchen Ärgernissen um? Ich bin ohnehin überzeugt, dass die anderen rechtlichen Betreuer nicht so oft zu Gesprächen in der Einrichtung erscheinen, wie ich dies lange Zeit gemacht habe!
Vielleicht hat ja jemand einen Tipp oder ähnliche Erfahrungen, die mir in meinen Überlegungen helfen können.

Vielen Dank

Halte durch, es ist gar nicht deine Aufgabe, an solchen häufigen Hilfe- Gesprächen teilzunehmen. Man kann mal dabei sein, aber so häufige, sinnlose Gespräche sind doch gar nicht zielführend. Da haben die Damen vom Betreuten Wohnen offensichtlich keine Ahnung von der Materie. Die brauchen klare Grenzen, und die hast du ihnen gesetzt. Es wäre schade, wenn du die Betreuung aufgeben würdest. Durchhalten, Grenzen setzen, Klartext reden. Sonst begreifen die das nicht.
lebardo ist offline  
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Alt 26.07.2022, 19:52   #5
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 9,632
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Moin moin


Du hast Dir viel Mühe gegeben und mit einiger Anstrengung auch ein gutes Verhältnis zu Deiner Betreuten aufgebaut. Dein Job ist es die Betreute zu unterstützen und vertreten, wenn sie dies selber nicht oder nicht gut kann. Also auch bzgl. ihres betreuten Einzelwohnens, sofern dies von den Aufgabenbereichen gedeckt ist.



Was wünscht denn Deine Betreute und wie fühlt sie sich vom BW unterstützt? Oder ist ihr das auch zu viel und sie beklagt sich darüber. Dann hat Du ihr dabei zu helfen.


Egal worum es geht, es ist am besten, wenn Du Dich mit Deiner Betreuten absprichst, wie Du sie unterstützt.

Wenn Dich die Mitarbeiterinnen des BW nerven, dann kannst du dies auch mit Deiner Betreuten besprechen und von sie fragen, wie sie das Ganze sieht - welche Ziele vielleicht anzugehen sind und wie ihr sie angehen wollt.



Von den MitarbeiterInnen des BW (oder was es auch immer sein mag) lasse ich mich auch nicht beeindrucken. Ich höre ihnen zu, bespreche die Vorstellungen der Betreuten und meine Position dazu und vereinbare mit ihnen auch deren Leistungen. Bei Hilfeplangesprächen bin ich üblicherweise gerne dabei, aber die sind vor weiteren Kostenübernahmen und da sind alle mit am Tisch. Dann ist es meist besser, wenn jemand aufpaßt, dass die Betreuten nicht über den Tisch gezogen werden.



Ganz wichtig: Bei allen Gesprächen mit Dritten habe ich vorher meine Position und die der Betreuten klar im Kopf. Ist einfach besser.


Laß Dich nicht unterkriegen.



MfG
Imre
__________________
Fehler sind dazu da, um sie zu machen
und daraus zu lernen.
Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen.
Imre Holocher ist offline  
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Alt 26.07.2022, 20:14   #6
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 19.11.2018
Ort: Berlin
Beiträge: 48
Standard Hallo Imre,

danke für Deine Ratschläge.

Eines der größten Probleme ist leider, dass meine Betreute sehr gern "psychisiert". Sie fand es wohl auch sehr nett, dass die Dame für die Hausbesuche immer Spaziergänge mit ihr gemacht hat.

Darüber sind leider diverse andere notwendige Arbeiten völlig in den Hintergrund geraten. Als ich die Wohnung sah, war mir klar, dass sie keine Unterstützung bei notwendigen Entscheidungen bekommen hat.

Die ganze Wohnung war ein großer Depressionsbooster - ich war eigentlich fassungslos!

Beim Vergleich der sogenannten Hilfepläne für die Kostenträger zeigte sich, dass keines der definierten Ziele erreicht wurde. Beim zweiten Plan waren dann einfach völlig neue Ziele formuliert, die eher ein Bla Bla darstellten!

Wohlgemerkt: Als ich die Betreuung (in einem Frühjahr) übernommen habe, war die Wohnung nicht mehr bewohnbar. Im Sommer formulierte ich das Ziel "Weihnachten in der eigenen Wohnung und Essen mit der Familie". Mich haben natürlich alle für bekloppt erklärt - das Ziel wurde aber bequem erreicht. Kurz vorher hat die Betreute auch noch ne Geburtstagsfete in ihrer Wohnung veranstaltet!

Seitdem ist es immer ruhiger geworden - lag auch an Corona. Es wäre so viel Zeit gewesen für Ordnungsarbeiten, Entrümpeln und Sport an der frischen Luft! Vor allem aber hätte meine Betreute Strategien gegen ihre Desorganisation und Vergesslichkeit erarbeiten können - da blieb sie völlig allein!

Zumindest die Schreierin sieht vor allem ihre Arbeit in einer Art Psychotherapie. Die hat meine Betreute aber ohnehin bei einer Therapeutin in Anspruch genommen! Jetzt sind 2,5 Jahre vergangen und kein Fortschritt in Richtung Rehabilitation erreicht!
Kleist ist offline  
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Alt 26.07.2022, 20:17   #7
Gesperrt
 
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Beiträge: 14,097
Standard

Zitat:
Ich habe jetzt eine kurzfristige freundliche Einladung vom SPD erhalten. Allerdings hat meine Betreute heute nichts zu diesem Thema gesagt. Offenbar ist sie nun nicht mehr eingeladen!

Ich habe keinen Bock auf dieses Gespräch, zumal ich schon bei einem anderen Vermittlungsgespräch mit den zuständigen Mitarbeiterinnen und dem Teamleiter erschienen war. Dieses Gespräch war so unsinnig und nichtssagend, wie die vorherigen Hilfegespräche.
Zitat:
Ich werde jetzt die Einladung zum SPD freundlich ablehnen und dann mal sehen, was passiert!
Das halte ich nicht für klug, dreh den Spiess doch einfach mal um:
Du erscheinst dort, freundlich und bestimmt und nutzt die Gelegenheit deine Kritik am Umgang miteinander und vor allem deine Position zu verdeutlichen.

Teile kühl deine Bedingungen für weitere Gespräche, einschliesslich der Frequenzen ab- dann erklärst du das Gespäch von deiner Seite aus als beendet und gehst.
Viel Erfolg und viel Spass dabei

Zitat:
Es wäre so viel Zeit gewesen für Ordnungsarbeiten, Entrümpeln und Sport an der frischen Luft! Vor allem aber hätte meine Betreute Strategien gegen ihre Desorganisation und Vergesslichkeit erarbeiten können
Das klingt für mich jetzt leider sehr schematisch. Die Frage ist, ob deine Betreute das auch so sieht?

Ab und an muss man die Menschen da abholen wo sie stehen und sie ihren eigenen Rhythmus finden und bestimmen lassen. Das geht oft nur nach dem Prinzip zwei Schritte vor und einer oder drei zurück.
Das Tempo bei Entwicklungen lässt sich nicht "planen", auch sinnvolle Zielfestschreibugen sind nicht in Stein gemeiselt.
michaela mohr ist offline  
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Alt 26.07.2022, 20:34   #8
Forums-Azubi
 
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Zitat:
Zitat von michaela mohr Beitrag anzeigen

Das klingt für mich jetzt leider sehr schematisch. Die Frage ist, ob deine Betreute das auch so sieht?

Ab und an muss man die Menschen da abholen wo sie stehen und sie ihren eigenen Rhythmus finden und bestimmen lassen. Das geht oft nur nach dem Prinzip zwei Schritte vor und einer oder drei zurück.

Ich gebe Dir an diesem Punkt bedingt recht. Meine Betreute hat meist durchaus reagiert, wenn ich ihr einen Vorschlag zur Problembewältigung gemacht habe.

Aber: Vor drei Jahren haben wir das Problem Kellerentrümpelung ausgiebig besprochen. Vor ca. zwei Wochen wurde er entrümpelt. Es wäre sofort aufgefallen, wenn die Einzelfallhelferin mal den Vorschlag gemacht hätte, das Fahrrad in den Keller zu bringen.

Meine Betreute ist leider oft hilflos, meist greift sie aber auch kleine Verbesserungsvorschläge auf.

Zwischen Overprotection und Laissez faire liegt eine große Strecke für das richtige Maß bzw. für den Kompromiss.

Für mich liegt darin die Kunst in jeder Form der Rehabilitation und dieses richtige Maß zu finden, erfordert natürlich ein gewisses Engagement.
Kleist ist offline  
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Alt 27.07.2022, 12:51   #9
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Benutzerbild von mimi91
 
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Beiträge: 1,072
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Es tut mir leid, ich lese da ganz viel, vielleicht zu viel, Druck von deiner Seite. Wenn ein Richter eine Betreuung zunächst auf 3 Jahre befristet, heisst das ja nicht, dass alle Probleme dann gelöst sind oder gelöst sein können. Du machst mit der Betreuten Zielvereinbarungen, aber deine Betreute ist offensichtlich psychisch krank. Was daran ist so falsch, wenn die ambulanten Betreuer sagen, es braucht Zeit. War es deine Erwartung, dass in 3 Jahren alle Probleme gelöst sind und die Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen ist? Was sagt deine Betreute dazu, fühlt sie sich gut betreut, sind ihr Spaziergänge und Reden vielleicht wichtiger als ein aufgräumter Keller...
mimi91 ist offline  
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Alt 28.07.2022, 09:47   #10
Forums-Azubi
 
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Zitat:
Zitat von mimi91 Beitrag anzeigen
Es tut mir leid, ich lese da ganz viel, vielleicht zu viel, Druck von deiner Seite. Wenn ein Richter eine Betreuung zunächst auf 3 Jahre befristet, heisst das ja nicht, dass alle Probleme dann gelöst sind oder gelöst sein können. Du machst mit der Betreuten Zielvereinbarungen, aber deine Betreute ist offensichtlich psychisch krank. Was daran ist so falsch, wenn die ambulanten Betreuer sagen, es braucht Zeit. War es deine Erwartung, dass in 3 Jahren alle Probleme gelöst sind und die Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen ist? Was sagt deine Betreute dazu, fühlt sie sich gut betreut, sind ihr Spaziergänge und Reden vielleicht wichtiger als ein aufgräumter Keller...

Ich denke, Du siehst die Geschichte tatsächlich ein wenig zu "druckbelastet".
1. Ich hatte bisher ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu meiner Betreuten.

2. Als ich die Betreuung vor drei Jahren übernommen habe, waren die gesamten Verhältnisse deutlich schlechter als jetzt. Meine Betreute war aber sehr viel selbstständiger als sie es jetzt ist.

3. Es geht nicht darum, immer alles laufen zu lassen! Die psycho-sozialen Damen sagen grundsätzlich gar nichts! Sie haben auch einfach zugesehen, wie die Wohnung immer mehr zugerümpelt ist. In der Wohnung stand jede Menge Zeug rum, auch weil meiner Betreuten keine Idee kam, wie sie den gesamten Zustand auflösen könnte. Sie blickte drei Jahre lang jeden Tag auf ein ziemlich missglücktes Geschenk ihres Vaters. Genauer auf ein Fahrrad, welches ihr Vater für sie organisiert und repariert hat. Leider war der Vorderreifen platt - sie ist nie mit dem Teil gefahren! Es steht immer in ihrem Blickfeld! Sorry, aber das ist ein echter Depressionsbooster! Es gab noch ein paar ähnliche Geschichten!

4. Als ich in die Wohnung kam, monierte ich einige dick bepackte Kisten bzw. Umzugskisten, die in der Ein-Raum-Wohnung richtig viel Platz beanspruchten! Natürlich habe ich meine Betreute darauf hingewiesen und gefragt, weshalb die Teile schon acht Monate dort stehen! Sie antwortete ein wenig hilflos, dass diese Sachen ja in den Keller sollten, aber........! Haben die psycho-sozialen Betreuer niemals solch einen Vorschlag gemacht? Für mich ist das jedenfalls ein kreativer Vorschlag zur Lösung anstehender Probleme!

Nein, die Dame hat immer nur gefragt, ob man nicht mal die Kisten auspacken könnte! Hat sie mit ihrer großartigen Erfahrung niemals meine Betreute darauf hingewiesen, was solch ein Anblick mit der Psyche macht? Und wenn es mit dem Ausräumen nicht geklappt hat, warum hat die Helferin nicht auf andere Möglichkeiten hingewiesen z.B. die Kisten in den Keller zu schaffen? Dann wäre das Problem wahrscheinlich sofort deutlich geworden!

Es geht hier nicht um Druck, es geht darum, dass meine Betreute immer weniger kann und auch macht und das war nicht Sinn der Sache! Klar ausgedrückt: Sie geht wöchentlich zur Therapie und dann kommen noch mindestens zwei bis drei Stunden Psychogespräche mit den Einzelfallhelfern dazu! Den Rest der Zeit verbringt sie mit Psychogesprächen mit Freunden und Bekannten oder mit Filmchen! Die Probleme wachsen förmlich und im wahrsten Sinne des Wortes immer weiter!

So dolle psychisch krank ist sie nicht, sie hat keine Psychosen oder schwerste und chronische Depressionen! Sie wird sogar als leicht beeinträchtigt eingestuft und die Betreuung war auch gedacht, um ihr aus dem Schlamassel zu helfen, in den sie durch diverse Fehlentscheidungen geraten war. Jetzt zeigt sie eigentlich einen echten sekundären Krankheitsgewinn, sie kümmert sich um nichts und muss sich auch keine Sorgen machen, dass sich ein Inkassounternehmen meldet - dafür sorge ich ja.
Kleist ist offline  
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