Dies ist ein Beitrag zum Thema Probleme mit Betreuer im Unterforum Forum für Angehörige und betreute Menschen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Ich glaube, hier geht so einiges durcheinander. Dass Betreuer ein Recht auf ein Leben außerhalb des Berufs haben, bedeutet nicht, ...
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#11 |
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Berufsbetreuerin / Rechtsanwältin
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 580
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Ich glaube, hier geht so einiges durcheinander. Dass Betreuer ein Recht auf ein Leben außerhalb des Berufs haben, bedeutet nicht, dass die Betreuten ihnen eine Last sind Das Verhältnis eines Betreuers mit dem zwischen Eltern und Kindern zu vergleichen, ist aber extrem weit hergeholt, um nicht zu sagen polemisch-unsachlich.
Überhaupt sollte man uns zugute halten, dass uns rechtlichen Betreuern - wie auch den pflegenden Berufen - das Schicksal unserer Klientel am Herzen liegt, auch wenn wir uns weder selbst ausbeuten und aufopfern wollen noch über Adoptionen nachdenken - um das angesprochene Eltern-Kind-verhältnis zu generieren, was meist schon wegen des Altersunterschieds absurd wäre. Wir wollen doch mal festhalten, dass der Beruf des Betreuers nur deshalb entstehen konnte und musste, weil die Familienstrukturen den Hilfebedarf nicht mehr abfangen konnten. Wenn man bedenkt, wieviel Rente dem Staat jemand wert ist, der sein Leben lang gearbeitet hat, wird man wohl kaum ernsthaft erwarten, dass er eine Rundumbetreuung oder auch nur einen Ansatz davon finanzieren will oder kann. Wir sind rechtliche Betreuer, die das an Hilfe und Unterstützung organisieren, was die Betreuten selbst nicht mehr regeln können - wobei es bezüglich dessen, was notwendig ist, manchmal Diskrepanzen gibt. Wir übernehmen einen Teil dessen, was der Betreute selbst nicht mehr leisten kann, wir sind nicht selbst das Umfeld, das für ihn nach Möglichkeit aktiviert werden soll. Ich bin Betreuerin, weil ich das gerne tue. Ich komme mit allen meinen Betreuten gut aus, auch wenn wir zeitweise Meinungsverschiedenheiten hatten und wir uns manchmal erst zusammenraufen mussten. Ich bin normalerweise telefonisch erreichbar, weiß aber nicht, weshalb mich die Heime unbedingt nachts um 4 Uhr darüber informieren müssen, wenn einer meiner Betreuten verstorben ist. Vielleicht würde man an uns nicht zu hohe Erwartungen richten, wenn wir nicht Betreuer, sondern Vormund hießen, wie das bei unseren Vorgängern bis 1992 der Fall war. |
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#12 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 12.05.2009
Ort: Mörfelden-Walldorf
Beiträge: 214
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Hallo,
Betreuer sind keine billige Vollkaskoabsicherung! Wenn ich sehe, dass für nen "Altfall" max. 88€ im Monat rauskommen (hoffe der Satz ist noch aktuell bei stationär untergebrachten Menschen), kann sich doch jeder ausrechnen, dass dies bei ner Rufbereitschaft kaum mehr als 11 Cent die Stunde ausmacht! Wer würde dafür wohl arbeiten? Selbst wenn ich dies mal 50 Betreuungen nehme, käme ein Satz von 5,5€ zustande, aber jeder braucht mind. 12 Stunden Ruhezeit am Tag! Also weitere 12 Stunden für die Telefonistin - gleich= 2,5 Personalstellen für den Telefondienst Bei gleicher Entlohnung fielen auf einen Betreuer und 2,5 Telefonsitinnen also ein Stundensatz von: 4.400€ brutto monatlich geteilt durch 3,5 Stellen = 1250 € abzüglich Steuern, Auslagen fürs Büro, Zugehörigkeit zu diversen IHKs und Versicherungen (nehmen wir mal pauschal 50% an) = 625€ monatlich. Was einen Stundensatz unter 2€! ergäbe!!!Bezogen auf einen Normalarbeitnehmer mit 40 Stundenwoche wären wir - zumindest auf die Betreuerin mit 12 Stunden Tag bei unter einem €. Klingt nach nem Superabzockergeschäft, oder? Erwartest du immer noch ne Rufbereitschaft? Gruß M. (kopfschüttel)
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I need a fistfull of medication just to keep it in my pants (Monstermagnet) |
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#13 |
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Berufsbetreuerin / Rechtsanwältin
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 580
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Bei den 88 € sind 19 % USt. enthalten, wir finanzieren selber Krankenkasse, Altersvorsorge, Büromaterial, Versicherungen und und und .... Besonders viel Spaß macht es, wenn man Beihilfeanträge bearbeiten muss oder mit Behörden zu tun hat, bei denen man den Eindruck hat, dass die Androhungen von Untätigkeitsklagen auch nur noch grinsend auf den großen Haufen mit ähnlichen Schreiben packen.
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#14 |
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Ehrenamtlicher Betreuer
Registriert seit: 28.03.2008
Ort: NRW
Beiträge: 2,086
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Werte Berufsbetreuer,
also mir kommen gleich die Tränen! Es hat Euch doch keiner gezwungen diese Tätigkeit auszuüben (ich weigere mich einfach, das auch noch als Beruf zu bezeichnen). Grüße von einem entspannten, bei einem Arbeitgeber ab einer bestimmten Position angestellten Kohlenklau, der den Samstag auf Borkum verbracht hat und sich in diversen Cafes die Sonne auf den dicken Bauch hat scheinen lassen .
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Ich trinke nur an Tagen, die auf 'g' enden, und mittwochs They tried to make me go to rehab, but I say no - no - no (Amy Winehouse) |
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#15 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 29.05.2009
Ort: Wuppertal
Beiträge: 79
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Hallo zusammen,
ich möchte die Diskussion gerne noch ein bisschen weiter auf die Spitze treiben :ich kann auch aus Geldnot Banken überfallen, oder Busreisen für Senioren anbieten, um ihnen Heizdecken zu utopischen Preisen zu verkaufen.... Aber klar, es ist natürlich ehrenwerter, Menschen die in einem oder mehreren Bereichen in ihrer Entwicklung auf dem Stand eines Kindes oder Jugendlichen sind, in ihrer Hilfsbedürftigkeit abzuzocken (z.B. gerade in Notsituationen kann es wichtig sein, dass derjenige der für den Betreuten entscheidet auch ansprechbar ist),als vom Staat, von den Steuergeldern der immer mehr ausgebeuteten -noch arbeitenden- Bevölkerung zu leben. Auch wenn der Verdienst der gleiche ist. (Was aber nicht heisst, dass ich behaupte, dass es ein Patentrezept zum Umgang mit Betreuten gibt.) Und dass es mittlerweile nicht mehr Mündel heisst, sondern Betreute ist für mich einfach die konsequente Umsetzung von Demokratie und Mitbestimmung.(Bzw. ein Spiegel der immer individualisierteren, konsumorientierten, und Marktorientierten Gesellschaften, mit ihrer Erkenntnis, dass Dienstleistungsorientierung mehr Gewinn verspricht, ohne wirkliches Interesse am Nächsten ). Liebe Grüsse, Cassiopaia |
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#16 |
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Berufsbetreuerin / Rechtsanwältin
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 580
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Also ich sehe jetzt weder das Abzocken noch - um mal auf den Ausgangsfall zurückzukommen - ein Versäumnis einer nicht rund um die Uhr erreichbaren Betreuerin. In der Nacht wäre nur ein Aufenthalt in der Klinik möglich gewesen, solange und sofern sich nicht Verwandte, Nachbarn, Freunde bereit gefunden hätten, der Betreuten Gesellschaft zu leisten, bis der Pflegedienst kommt. Wäre dies nicht möglich gewesen, hätte notfalls eine Unterbringung gegen den Willen der Betreuten nach PsychKG erfolgen müssen. Ich sehe nicht, welche Entscheidung in dieser Nacht hätte getroffen werden können oder sollen oder welchen Sinn die Anwesenheit oder Mitsprache der Betreuerin gehabt hätte. Was hätte in dieser Nacht organisiert werden sollen? Mit welchem Recht fordert man vom rechtlichen Betreuer eine sozialmotivierte Übererfüllung seiner Pflichten und wirft ihm Geldgier vor, wenn er sich - da es doch um hilfsbedürftige Menschen geht - nicht aufopfert.
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#17 |
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Gesperrt
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 14,097
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Hallo zusammen,
also ich kann keinen Grund erkennen diese Diskussion jetzt auch noch weiter auf die Spitze treiben zu müssen. Was sollte das bringen ausser Gräben zu vertiefen, klarer wird dadurch nichts. Ich hatte es schon mal geschrieben: jeder Beruf, jede Tätigkeit birgt in sich bestimmte (Arbeits)merkmale. Die Nacht über an einem Bett zu sitzen und zu warten ist, wie immer man es dreht, keine Tätigkeit die einer rechtlichen Betreuerin zuzuordnen ist! Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie Ronja bereits richtig bemerkte, ob die zu "bewachende" Person hilflos, mehr hilflos oder weniger hilflos ist. Im gleichen Atemzug wird ja auch festgestellt, dass die Ärztin selbstverständlich nicht da sitzen bleiben kann. Wenn der Überwachungsbedarf aus medizinischen Gründen zweifelsfrei festgestellt worden wäre dann wäre eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgt. Die Rechnerei mit unseren Stundensätzen empfinde ich als kontraproduktiv im Zusammenhang. Ich habe mich für diese Tätigkeit entschieden weil ich sie gerne machen wollte, die Bedingungen und Stundensätze kannte ich vorher bzw. bin hineingewachsen. Mir war klar, dass es sich nicht immer rechnen würde aber das ist und war mir egal. Ich mache den Job gut und ich mache ihn gerne aber ich möchte nicht ausgenutzt werden, auch nicht unter einem fragwürdigen angeblichen "sozialen" Aspekt als Deckmäntelchen. Grüsse Michaela Mohr |
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#18 |
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Ehrenamtlicher Betreuer
Registriert seit: 28.03.2008
Ort: NRW
Beiträge: 2,086
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Hallo michaela,
und doch müssen wir die Diskussionen hier immer wieder und wieder führen, um nämlich den Sachverhalt vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wir werden als Forum von außen wahrgenommen, über das Jahr haben wir sechsstellige Zugriffszahlen und wir können hier auch, sicherlich in einem bescheidenen Maße, Einfluß auf die öffentliche Wahrnehmung nehmen. Gerade die oben geäußerte Anspruchs- und Erwartungshaltung ist doch weit verbreitet und bedarf einfach in bestimmten Punkten einer Relativierung. Vielleicht kommt der ein oder andere ja wirklich mal zum Nachdenken (das betrifft auch Betreuer, da es ja auch genug Auswüchse auf deren Seite gibt). Gruß Kohlenklau
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#19 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 29.05.2009
Ort: Wuppertal
Beiträge: 79
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Hallo zusammen,
ich hab da mal ein paar Fragen an euch, denn das der Ist-Zustand heutzutage für Betreuer und Betreuten zumeist nicht optimal ist meiner Meinung nach, das habe ich wohl schon zum Ausdruck gebracht-und so mancher Betreuer mag mir da auch zustimmen. Und Ronja, ich beziehe mich auf die Tatsache, dass der Betreuer dem Wohl des Betreuten entsprechend entscheiden sollte, also dessen wirklichen Bedürfnisse entsprechend! ![]() ![]() ok, wie soll ein Betreuer am besten entscheiden, was für den Betreuten in einer Situation seinem Bedürfnis entspricht, wenn er schläft und nicht erreichbar ist, und den Betreuten kaum kennt? In der vorliegenden Situation Ronja, wäre es für den Menschen besser gewesen, wenn ihm vertraute Menschen die Nacht über beaufsichtigt hätten, oder wenn er eine Zwangseinweisung bekommen häte (was auch traumatisierend sein kann) ? ![]() - Gehören Betreuer zum (sozialen) Umfeld von betreuten Menschen? - Wieso bekommen Menschen mit Schlafapnoe auch nachts eine Betreuung von einem Pflegedienst, um zu überwachen, dass ihr Atem nicht aussetzt, oder der Beatmungsschlauch verschleimt, o.ä., und werden nicht in ein Heim oder so gesteckt? - Würde man mit zwei Betreuern für einen Betreuten nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? - Wie oft ist es ein Fakt, dass Betreute so gut wie kein soziales Umfeld haben, oder familiäre Kontakte eher schädlich für sie sind? - Würde eine freundschaftliche Beziehung zu dem Betreuten die Verpflichtung zu einer gegenseitigen Bereicherung machen, bei der das Geld zumindest in den Hintergrund tritt? ![]() - Eine pflegerische /ärztliche Ausbildung und gleichzeitig Betreuer sein, das wäre doch mal was! liebste Grüsse, Cassiopaia |
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#20 |
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Berufsbetreuerin / Rechtsanwältin
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 580
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Es scheint immer noch nicht klar zu sein, dass ein rechtlicher Betreuer kein Pfleger ist. Als die Vormundschaft durch die Betreuung ersetzt wurde - warum, das würde hier zu weit führen-, waren verschiedene Bezeichnungen im Gespräch. Bei Betreuung glaubte man, da klinge was treuhänderisches mit und außerdem lassen sich mit diesem Wort zu schöne Ableitungen bilden. Im Gespräch war auch Beistandschaft und Sachwalterschaft. Der Betreute hieße dann der Besachwalterte - wäre vielleicht leichter, weil dann nicht Außenstehende aufgrund der Interpretation unserer Berufsbezeichnung etwas von uns erwarten würden, was dem Gesetzgeber nicht so vorschwebte und was nicht unsere Aufgabe ist, bei aller Wertschätzung und allem Verantwortungsbewußtsein, das wir haben.
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