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Betreuung gegen den Willen des Betreuten

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Hallo, ich habe eine Oma, die wegen Demenz und daraus ableitenden Problemen nicht mehr in Ihrer Wohnung leben kann. Sie ...


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Alt 26.09.2013, 12:34   #1
Ich bin neu hier
 
Registriert seit: 25.09.2013
Beiträge: 4
Standard Betreuung gegen den Willen des Betreuten

Hallo,

ich habe eine Oma, die wegen Demenz und daraus ableitenden Problemen nicht mehr in Ihrer Wohnung leben kann. Sie ist jetzt ins Heim gezogen, das war auch ihr Wunsch.

Die Probleme waren dass sie andauernd Schlüssel verloren, Sachen eingesteckt hat, Verwirrt umhergelaufen ist, etc. Daneben war der Kühlschrank voll mit Verdorbenem, rote Ampeln gelten für sie auch nicht mehr, in fremde Vorgärten wird gepinkelt, und lauter solche Sachen.

Im Heim ist sie jetzt einigermaßen zufrieden, wenn da nicht das Problem mit der Betreuung wäre.
Meine Mutter hat die Betreuung vom Betreungsgericht übertragen bekommen. Da ist meine Oma komplett dagegen und sträubt sich mit allen Mitteln, dass meine Mutter auch nur einen Handschlag selbständig macht. Sie ist der feslsenfesten Überzeugung nicht "entmündigt" zu sein.
Sie sieht meine Mutter als jemanden an, der springt wenn sie ruft, und den sie währenddessen noch aufs übelste beleidigen kann. Heute so, morgen anders. Schimpftiraden und Beleidigungen sind an der Tagesordnung....

Derzeit hat sie ca. 1000€ mehr Ausgaben als sie Rente bekommt, deswegen müssen wir möglichst bald ihre Eigentumswohnung verkaufen.
Da sie der Meinung ist, nicht betreut zu sein, empfindet sie jedes Handeln meiner Mutter als Eingriff in ihre Selbständigkeit. Sie war deswegen schon zweimal bei der Polizei um meine Mutter anzuzeigen. Jetzt droht sie mit dem Anwalt.

Meine Mutter ist langsam am Ende ihrer Kräfte, und überlegt die Betreuung aufzugeben.
Was natürlich die Kosten nochmal deutlich in die Höhe treiben wird.

Wir wollen natürlich alles in ihrem Sinne machen, aber die Wohnung muss einfach möglichst bald verkauft werden, sonst wird das Geld knapp.

Wie geht man da vor, wenn der Betreute sich absolut gegen die Betreuung wehrt? Und in jedem kleinen Handeln einen Faupaux sieht und ausflippt? (Ausflippen bedeutet völlig unansprechbar rumzubrüllen)
Aber selber nicht so fit ist das ganze selbständig oder nur mit etwas Hilfe zu machen?

Unser Plan ist jetzt ihr beim nächsten Besuch klar zu machen dass sie wirklich unter Betreuung steht und vor die Wahl zu stellen ob es meine Mutter oder ein Fremder macht. Und das meine Mutter es nur übernimmt wenn die Beleidigungen aufhören.....

LG
Skayaa
Skayaa ist offline  
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Alt 26.09.2013, 13:07   #2
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 9,628
Standard

Hallo Skayaa

Erst mal vorneweg die Betreuung gegen den Willen:
Eine Betreuung kann nicht gegen den "freien Willen" einer Person für diese eingerichtet werden. Im Fall Deiner Oma wird wohl (zumindest so, wie Du die Szene beschrieben hast) nicht davon ausgegangen, dass die Oma noch einen freien Willen hat.
Oder würde sie sich im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte ebenso verhalten und alle ihre Angelegenheiten selber regeln können?

Deshalb wurde die Betreuung auch korrekt beschlossen und jetzt hat Deine Oma eine.

Wenn Deiner Mutter das ganze zu viel wird, dann hat sie die Möglichkeit zum Gericht zu gehen und um Entlassung zu bitten, weil sie damit überfordert ist. Das ist keine Schande. Eher das Gegenteil. Seine Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren ist etwas positives.

Wenn ein anderer als (Berufs-)Betreuer bestellt wird, dann hat Deine Mutter endlich wieder die Möglichkeit einfach nur noch die Tochter zu sein. Die Vorwürfe bzgl. der "Bevormundung" wird die Oma dann gegen den neuen Betreuer richten dürfen. Die Vorwürfe - egal ob nun berechtigt oder auch nicht - werden jedenfalls nicht ausbleiben und sie sind bei dementen Menschen reichlich weit verbreitet.

MfG

Imre
__________________
Fehler sind dazu da, um sie zu machen
und daraus zu lernen.
Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen.
Imre Holocher ist offline  
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Alt 26.09.2013, 15:02   #3
Gibt einen aus
 
Registriert seit: 24.04.2013
Ort: Bayern
Beiträge: 222
Standard

Hallo Skayaa,

eine Demenz ist eine schwere Erkrankung und der Umgang mit dem Kranken ist alles andere als leicht. Die geschilderte Situation ist, wie Imre schon schrieb, recht typisch für Demente. M.E bringt es wenig, den Kranken aufzufordern, sich kooperativer zu verhalten, weil er es durch die Krankheit nicht kann.

Auch für Euch als Angehörige ist die Krankheit der Oma wohl eine neue Situation und Ihr müsst versuchen damit klar zu kommen und den richtigen Zugang zu ihr finden. Da kann es wirklich eine Erleichterung sein, wenn eine fremde Person für die rechtliche Betreuung zuständig ist und die Angehörigen "nur" Kind oder Enkel sind. Vielleicht findet sich sogar ein Ehrenamtler, der mit dem Krankheitsbild Erfahrung hat und bereit ist, die Betreuung zu übernehmen. Dann wäre die Kostenfrage kein Problem.

Viele Grüße
BineP
BineP ist offline  
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Alt 26.09.2013, 15:49   #4
Ich bin neu hier
 
Registriert seit: 25.09.2013
Beiträge: 4
Standard

Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten, je länger wir darüber nachdenken umso klarer wird es dass meine Mutter die Betreuung aufgeben wird.

Meine Oma war schon immer schwierig, aber das potenziert sich mit ihrer Demenz. Da sie wirklich bösartig ist, glaube ich nicht dass sich da jemand ehrenamtliches findet der die Betreuung übernimmt.
Im Heim ist der Zustand auch schon schwierig, sie ist schon sehr gefürchtet bei den anderen Mitbewohnern.

Die Beziehung zu meiner Oma prägten immer wieder jahrelange Kontaktabbrüche, da aufgrund von Beschuldigungen und Streits keine Treffen möglich waren.

Aber den einen Versuch werden wir noch starten, ab und an ist sie doch wieder sehr klar und analytisch.

Und bislang hatte sie nur die Alternative, sie schikaniert meine Mutter, und wir können nichts dagegen machen.

Jetzt erstmals werden wir ihr Konsequenzen androhen, dass wir das alles NICHT machen MÜSSEN.
Und dass sich da gegen Geld jemand anders kümmern wird.

Mal sehen......
Skayaa ist offline  
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Alt 26.09.2013, 20:22   #5
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 31.07.2012
Beiträge: 38
Standard

Zitat:
Zitat von Skayaa Beitrag anzeigen

Jetzt erstmals werden wir ihr Konsequenzen androhen
Skayaa, was BineP dazu geschrieben hat, finde ich sehr treffend.
Eure Oma kann jetzt krankheitsbedingt nicht anders.
Ihr könnt sie nicht mit normalen Maßstäben messen.
Selbst wenn sie in einem klaren Moment mal etwas einsieht, wird das bald wieder vergessen sein.
Man kann einem dementen Menschen nichts erklären oder von ihm Einsicht oder Verständnis erwarten.
Wenn Deine Mutter als Tochter "zu nah dran" ist und dadurch emotional zu verletzlich, ist ein Außenstehender als Betreuer möglicherweise besser geeignet.
Es wäre auch besser, wenn jemand die Betreuung übernimmt, der sich mit diesem Krankheitsbild auskennt und weiß, welche Art der Kommunikation mit dem Betreuten angemessen und zielführend ist.
Denn das scheint zumindest bei Dir nicht der Fall zu sein, sorry.
Ein "fremder" Betreuuer wäre für Deine Oma eine Chance, keine Bedrohung, und sollte ihr auch nicht als eine solche nahegebracht werden oder gar als Erpressungsmittel dienen!
Sie ist schon gekniffen genug mit ihrer Krankheit.
wurstbrot ist offline  
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Alt 26.09.2013, 22:02   #6
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Registriert seit: 25.09.2013
Beiträge: 4
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Es wird sehr wahrscheinlich auf ein Aufgeben der Betreuung rauslaufen.
Trotzdem möchte ich noch kurz was zur Demenz sagen. Das Verhalten hat sich jetzt nicht innerhalb der letzten Jahre so geändert, sondern bestand schon seitdem ich denken kann. Jetzt ist es nur schlimmer.
Hat sie vor 20 Jahren noch zwischen 2 Autos gepinkelt, macht sie es jetzt offen in diversen Vorgärten.
Meine Oma zeigt viele Züge einer narzistischen Persönlichkeitsstörung. Da wir das schonmal in der Familie haben, kann ich die Anzeichen recht gut einordnen.

Aber das alles ist noch ein Grund mehr die Betreuung abzugeben.

Ihr ist ihre freie Selbstbestimmung sehr wichtig, deswegen darf sie am Wochenende selbst bestimmen ob meine Mutter das macht oder jemand anderes.
Und dass meine Mutter in dem Moment aus dem Spiel ist, wenn sie mit ihren Beschimpfungen anfängt.

Früher kamen in regelmäßigen Abständen Briefe mit Beleidigungen. Als meine Mutter diese ungeöffnet zurückgeschickt hat, kam noch ein Brief mit Beleidigungen auf dem Umschlag. Danach kam nichts mehr.

Das hat sie schon sehr analytisch aufgefasst, dass sie mit dem Briefen kein Gift mehr verspritzen kann.

Und da wollen wir eben am Samstag in einem Treffen (wir fahren 3h) die Sache ruhig besprechen und ihr die Konsequenz erklären, dass meine Mutter sich dann aus allem rauszieht, wenn die Beleidigungen nicht aufhören. Androhen war da vielleicht das falsche Wort. Bislang hatte sie ja keine Ahnung dass sich da auch jemand fremdes drumherum kümmern könnte.

Das die Chance gering ist, ist uns genauso klar, aber dann haben wir wenigstens Alles getan.

Lg
Skayaa
Skayaa ist offline  
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Alt 30.09.2013, 16:44   #7
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Beiträge: 4
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Hallo,

eine Rückmeldung nach dem WE: es war ein erfolgreicher Tag!

Mithilfe des Arztes, Engelszungen und gaaanz viel Geduld waren wir nun mit meiner Oma in ihrer Wohnung und haben Erinnerungsstücke, Kleidung und sonstige Sachen mitgenommen.

Sie hatte wirklich einen guten Tag, und mit Ablenkung haben wir sie von kritischen Themen schnell wegbekommen.

Jetzt ist erstmal kein direkter Kontakt notwendig; den Papierkram können wir von hier aus machen.
Daher hat meine Mutter beschlossen die Betreuung weiterzuführen. Wenn wirklich nochmal ein direkter Kontakt notwendig ist, kann ich das auch übernehmen. Auf mich reagiert sie deutlich ruhiger.

Also alles in allem ein sehr anstrengender aber erfolgreicher Tag.
Skayaa ist offline  
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