Dies ist ein Beitrag zum Thema Medikamentenmissbrauch in Heimen ab den 1950er Jahren im Unterforum Gesundheitssorge - Arzteinwilligungen - Krankenkasse , Teil der Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts
Hallo in die Runde!
Am vergangenen Sonntag berichtete der WDR über Medikamentenmissbrauch und Impfversuche usw. bei Heimkindern in den 1950er, ...
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#1 |
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Routinier
Registriert seit: 20.12.2018
Ort: Weserbergland (NRW/Ostwestfalen-Lippe)
Beiträge: 1,173
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Hallo in die Runde!
Am vergangenen Sonntag berichtete der WDR über Medikamentenmissbrauch und Impfversuche usw. bei Heimkindern in den 1950er, 60er, bis hinein in die (späten) 70er Jahre. Ganz unbekannt ist mir das Thema nicht, da ich mich wissenschaftlich ein wenig damit beschäftigte, vornehmlich mit Medikamentenmissbrauch in Pflege- und Behinderteneinrichtungen (Sedierung pp.). Neu ist nun allerdings, dass die Landesregierung (Nordrhein-Westfalen) in Gestalt der damaligen "Landesimpfanstalt" scheinbar in erheblichem Maße involviert war. Und wie wird's wohl in anderen Bundesländern aussehen? Da ich so einige Klienten betreue, die in (großen) entsprechenden Einrichtungen seit der Kindheit aufhältig sind, frage ich mich gerade, ob Nachforschungen sinnvoll und angezeigt sein könnten. Krankenakte anfordern usw. (wird die überhaupt über so einen langen Zeitraum aufbewahrt?). Andererseits, was wären die Konsequenzen im Entdeckungsfall? Das Land ist vermutlich durch die vor vier, fünf Jahren geleisteten Entschädigungszahlungen der "Stiftung Anerkennung und Hilfe" entlastet worden, oder? Und gg. die Einrichtungen wird es wohl auch im Sande verlaufen. Allenfalls an den WDR könnte man berichten, in der Sendung "Westpol" bat man darum... Wie seht Ihr das, gibt es Erfahrungswerte..? MfG Florian Geändert von Florian (27.02.2024 um 10:03 Uhr) |
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#2 |
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Routinier
Registriert seit: 29.10.2018
Beiträge: 1,508
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Ich würde mich bei dem Thema unbedingt auch an Betroffenenverbände wenden, die kennen sich da besser aus als irgendwer von uns.
Grundsätzlich schließt die freiwillige Zahlung einer Entschädigung durch das Land/Bund eine Schadensersatzklage und/oder einen Anspruch nach dem Opferentschädigungsgesetz nicht aus, aber - du sagst es - nach mehr als 50 Jahren ist schlichtweg nichts mehr beweisbar. Alle Akten sind vernichtet, Augenzeugen sind nicht mehr auffindbar oder längst verstorben. Die Chancen stehen da ziemlich schlecht. |
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#3 |
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Berufsbetreuer
Registriert seit: 30.07.2007
Ort: Rheinland-Pfalz
Beiträge: 2,865
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Das läuft wohl so ähnlich wie bei den Missbrauchsfällen in den Kirchen. Jahrzehntelang herrscht stillschweigen und erst jetzt wo die Übeltäter verstorben sind, bricht eine Lawine los. Es geht ja nicht nur um Medikamente, sondern auch um Misshandlungen und fragwürdige "Erziehungsmethoden" in vielen "Erholungsheimen". Ich befürchte, da wird das meiste im Sande verlaufen.
mfg
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Optimismus ist nur ein Mangel an Information (Heiner Müller)
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#4 |
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Admin/Berufsbetreuer
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 9,632
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Moin moin
Das befürchte ich auch. Und sogar dass sich das auch weiter so fortsetzen wird. Also üblicherweise nach Ablauf von Fristen oder Ableben der Täter wird auch in 30 Jahren (also 2054) noch ein Haufen an Mist aufgedeckt werden, der heute passiert und erst mal verschwiegen wird. Aber wen wundern die Fälle der Kindesmißhandlungen in den jungen Jahren der Bundesrepublik, wenn die Ideen zur Kindeserziehung von Johanna Haarer (ihr größter Fan war A. Hitler) bis in die 60er Jahre noch unhinterfragt veröffentlicht und als erstrebenswert angesehen wurden? Die Prügelstrafe für Kinder war damals noch - frei nach Wilhelm Busch: ganz probat, insbesondere vor der Tat" - erlaubt und wurde erst ab den 70-ern in den Schulen verboten worden. Oder für Erwachsene: Die Psychiatrie-Enquete hat 1978 festgestellt, dass sich in den Psychiatrien seit dem 3.Reich nichts geändert hat, außer, dass die Patienten nicht mehr umgebracht werden dürfen. Machtopfer, Versuchskaninchen und Prügelempfänger waren sie geblieben. Im zweiten Bericht von 1988 wurde berichtet, dass sich in den Akutbereichen eine Menge getan hat. In den Langzeitbereichen eher weniger. Das kann ich durchaus bestätigen, da ich damals in dem Bereich angefangen habe. Bei dem damaligen Umgang mit Kindern in der Psychiatrie dreht sich mir noch heute der Magen um. MfG Imre
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Fehler sind dazu da, um sie zu machen und daraus zu lernen. Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen. |
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#5 | |||
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Routinier
Registriert seit: 20.12.2018
Ort: Weserbergland (NRW/Ostwestfalen-Lippe)
Beiträge: 1,173
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Zitat:
Zitat:
Zitat:
Was Du schreibst Imre, sehe ich auch so. Ich blicke so auf knappe 30 Jahre zurück, in denen ich immer wieder berufliche Einblicke in die verschiedenen Bereiche (Pflege, Klinik, Psychiatrie, Behinderteneinr. usw.) erhielt, zum Teil jedoch nur am Rande, aber dies zumindest regelmäßig. Nett (im Sinne von unterhaltsam und flüssig) nachzulesen ist die Entwicklung und der Diskursbeginn vor dem von Dir (Imre) angeführten "Lagebericht" in den 1970er Jahren in Goffmans Asylums (aus den frühen 60ern). Aber: Was wäre auch eine Gesellschaft ohne "Insassen" (sei es in Psychiatrien, Pflegeheimen Behinderteneinrichtungen oder Vollzugsanstalten). Und ja, die Gleichsetzung erscheint überspitzt, ist sie aber im Kern nicht. Ich muss da gerade an einen Böhmermann-Beitrag aus den letzten Sendungen denken und befürchte, dass dieser ganz gut widerspiegelt, wie bspw. "ältere" Menschen oftmals gesehen werden. https://www.youtube.com/watch?v=-VbPFSiBvQM MfG Florian |
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#6 | |
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Routinier
Registriert seit: 20.12.2018
Ort: Weserbergland (NRW/Ostwestfalen-Lippe)
Beiträge: 1,173
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Zitat:
Beste Grüße von Florian |
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#7 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 30.05.2026
Ort: Stuttgart in Baden-Württemberg
Beiträge: 124
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Hier ein Link zum Aufarbeitungsprozess für Bethel (Bielefeld):
https://www.hauptarchiv-bethel.de/un...inderjaehrigen Es wurden seit 2016 noch weitere Projekte zur Aufarbeitung dieser Missbrauchsfälle in mehreren Heimen gefördert. |
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#8 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 30.05.2026
Ort: Stuttgart in Baden-Württemberg
Beiträge: 124
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Das Landeskundliche Informationssystem Baden-Württemberg veröffentlichte die Forschungsergebnisse zur Aufarbeitung der ehemaligen Heimkindheiten in einem Themenmodul:
https://www.leo-bw.de/themenmodul/he...n/aufarbeitung |
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#9 |
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Routinier
Registriert seit: 20.12.2018
Ort: Weserbergland (NRW/Ostwestfalen-Lippe)
Beiträge: 1,173
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Hallo Elphaba,
ja, habe auch schon vor einigen Jahren eine "interessante" Veranstaltung dazu besucht (Bethel). Dort waren auch Betroffene vor Ort, das war schon sehr eindrücklich... MfG von Florian |
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