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Betreuungsvermeidende "andere Hilfen"

Dies ist ein Beitrag zum Thema Betreuungsvermeidende "andere Hilfen" im Unterforum Off Topic Bereich , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo, ich versuche im Moment eine möglichst umfangreiche Liste mit betreuungsvermeidenden, anderen Hilfen, im Sinne des § 1896 II 2 ...


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Alt 21.01.2016, 07:51   #1
Neuer Gast
 
Registriert seit: 15.01.2016
Beiträge: 2
Idee Betreuungsvermeidende "andere Hilfen"

Hallo,


ich versuche im Moment eine möglichst umfangreiche Liste mit betreuungsvermeidenden, anderen Hilfen, im Sinne des § 1896 II 2 BGB, zu erstellen.


Diese soll meinen Kolleginnen/Kollegen und mir bei der Arbeit in der Betreuungsbehörde dabei behilflich sein, eine Betreuerbestellung möglichst zu vermeiden und so in vielen Fällen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zu verhindern.


Natürlich sind in der Liste bereits die gängigsten Alternativen enthalten, wie zum Beispiel Dienstleistungszentren, ehrenamtliche Angebote (wie z.B. die Zeitschenker) oder Schuldnerberatungsstellen.


Es wäre schön, wenn Ihnen/Euch ein paar unkonventionelle, kreative Wege bekannt wären, wie man eine Betreuung im Sinne der Betroffenen vermeiden helfen kann und Sie/Ihr dieses Wissen mit mir teilen könntet. :-)


Ich bedanke mich schon einmal für etwaige Anregungen und hoffe auf ein paar gute Ideen!
Micky M. ist offline  
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Alt 21.01.2016, 19:24   #2
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 25.11.2014
Ort: Bayern
Beiträge: 140
Standard

Das Problem ist, dass sehr viele Möglichkeiten nur innerstädtisch, selten auch mal regional sind. Von überregional mag ich da gar nicht sprechen.

Mir fielen da noch ein: ABW, wobei ich hier die Hürde sehr hoch finde, ebenso bei den von dir genannten Sachen. Viele der zu Betreuenden haben Probleme damit, Hilfe zu suchen. Da sind niedrigschwellige Angebote gut.

Für Jena gibt es z.B. den Stadtteilgarten Winzerla. Da kann jeder hinkommen, das wird durch Sozialarbeiter und Studierende der Sozialen Arbeit betreut, ist ein offenes Angebot und einige unserer Klienten gehen da regelmäßig hin.

Sonst gibt es häufig auch Cafés, die auf spezielle Probleme zugeschnitten sind und damit die Hilfe zur Selbsthilfe fördern, ohne selbst einzugreifen.
May-Britt ist offline  
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Alt 22.01.2016, 07:49   #3
Gesperrt
 
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 14,097
Standard

Ich "zerstöre" jetzt mal die Fragestellung.

Meiner Meinung nach ist die Sache mit den betreuungsvermeidenden Hilfen Augenwischerei.
Wenn ich mir die Kunden ansehe die mir und den Kollegen landen dann wüsste ich nicht wie da noch etwas "betreuungsvermeidendes" helfen könnte.

Das liegt wohl zum Einen an dem aufzusuchenden Charakter den diese Hilfen in sich tragen und zum Anderen an der Zeit die oin der Vergangenheit vertan wurde.

Meine Kunden sind durch die Bank gar nicht in der Lage sich selbst Hilfen zu suchen, geschweige denn einen Termin zu vereinbaren und dann auch Wochen später- Termine gibts inzwischen fast nirgendwo zeitnah- hin zu gehen.

Die Frage: was gibt oder gäbe es denn an Hilfen ist verwirrend bzw. auch irreführend und geht am eigentlichen Problem glatt vorbei.
Was es alles gibt hat mal schnell raus, das grosse Aber besteht darin, kommt man überhaupt zeitnah dahin? Kann derjenige die Bedingungen, Leistungsbescheidvorlage z.B. überhaupt erfüllen? Und, hat derjenige nach der langen Zeit des Elends, der Resignation, auch der Zunahme seiner Erkrankung überhaupt noch die nötigen Resourcen dafür?

Bei meinen Kunden sehe ich durchgängig einen überlangen Leidensweg. Es hätte Möglichkeiten gegeben es nicht so weit kommen zu lassen, aber die lagen in den langen Jahren davor und wurden nicht genutzt bzw. keiner hat hingeschaut oder sich gekümmert.
michaela mohr ist offline  
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Alt 22.01.2016, 12:22   #4
Neuer Gast
 
Registriert seit: 15.01.2016
Beiträge: 2
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Vielen Dank erst mal für die Rückmeldungen.


Das Problem mit den regional begrenzten Hilfemöglichkeiten sehe ich auch. Daher ist es hier natürlich schwierig, für möglichst die gesamte BRD gültige Aussagen zu treffen.
Als positiv Beispiel würde mir hier u.a. die Schuldnerberatung Online einfallen, die egal von welchem Standort aus relevant sein kann.


Zu dem zweiten Post habe ich eine gemischte Auffassung. Sicher ist der überwiegende Anteil an Betroffenen nicht umsonst an die BtB "geraten" und alternative Hilfemöglichkeiten stehen meist gar nicht (mehr) zur Debatte.


Die Sammlung an möglichen Alternativen zielt daher gerade auf die Personen ab, wo "das Kind noch nicht (vollständig) in den Brunnen gefallen ist".
Hier abzuwägen und ggf. andere Hilfen in unseren Sozialberichten zu berücksichtigen und den Betroffenen zu empfehlen gehört zu unseren gesetzlichen Vorgaben.
Diese halte ich in Bezug auf die genannten Persönlichkeitsrechte, die es zu schützen gilt, schon als sehr sinnvoll.


Aber nochmal etwas konkreter: es soll hier nicht darum gehen, eine möglichst lückenlose Liste mit "Hilfen" zusammenzutragen, die dem Staat im besten Falle viele Kosten ersparen und am Ende den Betroffenen eh nicht gerecht werden können; vielmehr erhoffe ich mir, etwas individuellere Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben, wo vielleicht in einem Fall die Vermögenssorge eingerichtet werden muss, aber durch eine kreative andere Hilfe, an die man sonst häufig nicht denkt, ein anderer Wirkungskreis vermieden werden kann.


Ein gutes Beispiel war das Beratungs-/ Hilfsangebot durch Studenten der Sozialen Arbeit. So etwas könnte ich mir in unserer Stadt auch vorstellen und werde mal recherchieren, ob es ähnliche Angebote gibt.


Über weitere Anregungen oder auch konstruktive Kritik würde ich mich freuen. Aber bitte keine Grundsatzdiskussion

Geändert von Micky M. (22.01.2016 um 12:59 Uhr)
Micky M. ist offline  
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Alt 22.01.2016, 12:58   #5
Routinier
 
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,882
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Es wäre für viele schon mal eine enorme Hilfe, wenn Hilfsangebote schnell zu finden wären. Mir ist z.b. am Anfang meiner Berufstätigkeit als BB aufgefallen, wie viele Stunden ich in Google verbracht habe, um z.b. Schuldnerberatung, Anbieter von betreutem Wohnen, ambulanter Hilfe etc zu finden. Die Suche gestaltete sich oft schwierig und ich wette, ich habe immer noch nicht alle vorhandenen Stellen in meinem Umkreis gefunden.

Hier könnte z.b. der Aufbau einer Website nützlich sein. Klick auf Anbieter betreutes Wohnen oder Schuldnerberatung, .... und schon erscheinen alle Anbieter mit Ansprechpartner. Das könnte für viele in der 'Anfangsphase " vielleicht nocj helfen. Wer z.b. ne psychische Erkrankung hat und selbst tätig werden will, der hat krankheitsbedingt oft nicht die Ausdauer stundenlang Google zu durchforsten. Der gibt nach 3 Klicks auf und rutscht dann ggf immer tiefer ab. Bis er im Zustand unserer durchschnittlichen Kunden ist und eine Betreuung unvermeidbar ist.
Boomer ist offline  
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Alt 22.01.2016, 14:29   #6
Gesperrt
 
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 14,097
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Zitat:
Es wäre für viele schon mal eine enorme Hilfe, wenn Hilfsangebote schnell zu finden wären.
Da komme ich inhaltlich nicht mit. Schuldnerberatung und Stadtname eingeben und schon bin sogar ich auf der richtigen Seite.
Was dabei vergessen wird...... wieviele Betreute haben denn überhaupt erst mal Internetzugang? Bei meinen: von knapp 50 derzeit gerade mal drei Personen!

Das fällt auch unter die in meinem Post genannten Zugangsvoraussetzungen/Resourcen.

Ein weiteres Problem bei gut gemeinten Hilfen sehe ich in der Verbindlichkeit und der Verantwortlichkeit.
Was helfen kann sieht man recht schnell, auch bei einer unverbindlichen Beratungsstelle wie Teestuben usw.

Die Frage aber wer erklärt sich aber verantwortlich dafür, dass diese Hilfe auch wirklich gewährt wird ist das zentrale Moment. Jemandem zu sagen was es gibt ist das Eine- die entscheidende Frage bleibt: gelangt er auch dahin bzw. dazu?

Zitat:
Aber bitte keine Grundsatzdiskussion
Das lässt sich leider nicht erfüllen.
Wir sind absichtlich ein Forum rund um das Betreuungsrecht, dazu gehört zu einer Frage oder Bitte oder Aufforderung auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit.
Uns geht es hier um Realität und eine sinvolle und mögliche Verbesserung dieser Realität. Das geht nur über Kontroversen.
michaela mohr ist offline  
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Alt 22.01.2016, 18:19   #7
Routinier
 
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,882
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Da hast du natürlich vollkommen recht. Da sind viele Fragen offen und diese Hilfen funktionieren meist nur in der Theorie. In der Praxis ist das nicht durchdacht und im Endeffekt spart der Staat ganz sicher kein Geld, ,sondern reitet die Betroffenen nur noch weiter rein.

Das mit dem fehlenden inet - Zugang hatte ich nnn auch nicht bedacht.

Die Suche nach Stellen gestaltet sich aber durchaus oft schwierig. Nehmen wir die Schuldnerberatung als Beispiel : staatliche findet man. Mit ner Wartezeit von zur Zeit einem Jahr. Hier gibts noch eine von Caritas, Diakonie und einem freien Träger. Aber die zu finden dauerte. Den passenden Ansprechpartner ans Telefon zu kriegen ist nochmal ein Kunststück. Wartezeit hier im Schnitt 3 Monate. Alles Sachen für die die meisten Betroffenen keine Möglichkeit oder Ausdauer haben. Und so erging es mir erstmal mit fast allen Stellen. Ganz schlimm ist die Suche nach Wohngruppen für psychisch kranke Menschen. Durch den Dschungel musste ich mich erstmal durchkämpfen.
Boomer ist offline  
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Alt 22.01.2016, 19:08   #8
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
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Moin moin

Noch mal zurück zur Ursprungsfrage.
Hierauf dem Land hat es vor 15 - 20 Jahren noch Sozialarbeiter in den Gemeinden gegeben, die Kontakt zu den Sozialhilfe empfangenden Familien oder Einzelpersonen hatten, von denen bekannt war, dass sie mit Behörden nicht so recht klargekommen sind. Diese Personen wurden auch angerufen oder aufgesucht und auch gefragt, wie es ihnen so geht und wo der Schuh drückt.
Bei den fälligen Anträgen wurde ihnen sogar geholfen.
Im Rahmen der Sparorgie sind diese Sozialarbeiterstellen natürlich als allererstes weggefallen.
Damit könnten aber tatsächlich viele Betreuungen vermieden werden.

Anträge sind inzwischen so umfangreich und z.T. kompliziert geworden, dass selbst "normale" ohne besondere Probleme daran scheitern. Fast so als wäre das regelrecht gewollt.
Demnach sind dann wohl auch rechtliche Betreuungen gewollt...

MfG

Imre
__________________
Fehler sind dazu da, um sie zu machen
und daraus zu lernen.
Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen.
Imre Holocher ist offline  
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Alt 22.01.2016, 19:11   #9
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Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 14,097
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Zitat:
Im Rahmen der Sparorgie sind diese Sozialarbeiterstellen natürlich als allererstes weggefallen.
Wieso weggefallen? Meiner Kenntnis nach ist oder wäre das immer noch Aufgabe des städtischen Sozialdienstes.

Bei uns gibt es den auch noch aber frag mich nicht wieviele Stellen dort für wieviel tausend Menschen besetzt sind und ob das etwas nützen kann so.
michaela mohr ist offline  
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Alt 23.01.2016, 07:55   #10
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Dazu noch extra:
Zitat:
Diese halte ich in Bezug auf die genannten Persönlichkeitsrechte, die es zu schützen gilt, schon als sehr sinnvoll.
Bei dem Personenkreis der für eine gesetzliche Betreuung in Frage kommt giilt es nicht die Perönlichkeitsrechte zu schützen, sondern genau eben diese für und mit dem Betreuten zurückzuerobern, diese wieder zugänglich für ihn zu machen.
michaela mohr ist offline  
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