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Sterbende begleiten - habt ihr sowas schon mal erlebt ?

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Alt 31.01.2018, 13:40   #1
Routinier
 
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,546
Standard Sterbende begleiten - habt ihr sowas schon mal erlebt ?

Hallo.

Ich weiß , das Forum ist kein Kummerkasten. Aber es beschäftigt mich gerade und in unserem Job gehört das Thema sterben ja leider auch dazu:

Ich war heute morgen im KH bei einer sehr kranken Klientin und es wurde gemeinsam mit den Ärzten beschlossen, dass die weitere Therapie keinen Sinn macht (aussichtslos, mutmaßlicher Wille eindeutig ermittelbar). Besprochen war, Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr einstellen , Sedierung weiter hoch, in Frieden gehen lassen. Die Ärzte gingen von mehreren Tagen aus, da sie noch jung war und ein starkes Herz hatte. Ich bin dann nochmal zu ihr, habe mich verabschiedet. Ich habe ihr gesagt, dass sie jetzt nicht mehr kämpfen muss. Und ihr erzählt , dass es ihren Katzen gut geht und sie sich gut eingelebt haben. Ich bilde mir ein, dass sich in dem Moment die Mundwinkel hochzogen. Dabei lag sie im künstlichen Koma.

Ich bin raus, zum Auto und da klingelt mein Telefon: sie ist gerade verstorben, das Herz hörte einfach auf. Noch bevor die Ärzte mit den besprochenen Maßnahmen begonnen haben.

Nun habe ich genau sowas schon einmal privat erlebt: Schwer krank, bewusstlose, aber kämpfte wahnsinnig. Ich und der Pfleger vom ambulanten Hospiz standen am Bett und der meinte dann: Hör auf zu kämpfen Junge, du darfst gehen. Wir lassen dich los. Und 2 Atemzüge später starb er.

Das alles ist mir gerade unheimlich. Habt ihr sowas auch schon erlebt ? Ist es erklärbar, dass Menschen ihr eigenes Sterben wirklich soweit selbst beeinflussen können, dass der Körper aufgibt, wenn auch "die Seele" (oder was auch immer) dazu bereit ist? Und wieder stellt sich mir die Frage: wieviel kriegen Menschen im Koma, vor allem künstlich erzeugte Narkose oder auch bewusstlose Menschen noch mit? Oder ist das alles Zufall?

Wenn der Beitrag nicht gewünscht, dann bitte einfach löschen und sorry. Ich weiß nicht, ob er hierher gehört . Dachte nur, das Thema Tod betrifft uns ja alle immer wieder mal und mich beschäftigt es gerade sehr. Bin zugegebenermaßen etwas geschockt im Moment.

LG
Boomer

Edit: oh Gott, meine Signatur ist ja nunmal absolut unpassend. Bitte nicht daran stören. Sie wurde vorher und in ganz anderen Zusammenhängen eingestellt
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Boomer ist offline  
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Alt 31.01.2018, 13:57   #2
Admin/ Berufsbetreuerin
 
Benutzerbild von michaela mohr
 
Registriert seit: 22.08.2005
Ort: Darmstadt
Beiträge: 9,626
Standard

Zitat:
Wenn der Beitrag nicht gewünscht, dann bitte einfach löschen und sorry. Ich weiß nicht, ob er hierher gehört .
Ganz ruhig, alles ist gut.
Ins Forum gehört letztendlich (fast) alles womit man im Job beschäftigt ist.
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diese kommunikation wurde im rahmen der überwachungsgesetze auf ihre kosten dauerhaft gespeichert und wird jederzeit weltweit gegen sie verwendet werden. danke für ihre kooperation.
michaela mohr ist offline  
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Alt 01.02.2018, 20:18   #3
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 23.06.2017
Beiträge: 35
Standard

moin Boomer,

schätze dich glücklich, dass du soetwas erlebt hast.

Ja, es geht "so einfach", wenn die Seele loslässt, ist das körperliche, menschliche Dasein beendet, allgemein als Tod bekannt.

Man erreicht auch Menschen im Koma, nonverbal oder auch mit dem gesprochenen Wort, einer körperlichen oder seelischen Berührung.

Ich finde es grossartig, dass und wie du dich verabschiedet hast und halte das Ergebnis für "normal". Ich habe von ganz ähnlichen Vorgängen in meiner unmittelbaren Umgebund schon mehrfach gehört.
Christian Martens ist offline  
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Alt 01.02.2018, 21:08   #4
Routinier
 
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,546
Standard

Vielen Dank

Heute bin ich schon "versöhnlicher" mit dem Erlebnis gestimmt. Gestern war ich einfach nur geschockt und unendlich traurig. Heute seh ich manches positiver. Sie hat uns die Entscheidung abgenommen und mir bestätigt, dass der von mir "ermittelte mutmaßliche Wille " wohl richtig ermittelt war. Und ich freue mich, dass ich ihr zufällig beistehen konnte. Sie hatte niemanden mehr außer ihren Katzen und sie abzugeben war furchtbar für sie. Ich hoffe (und glaube heute auch) dass sie mich verstanden hat und beruhigt war, dass es den Beiden gut geht. Vielleicht konnte sie mit diesem Wissen besser los lassen.

Ich mag meinen Job wirklich. Aber für solche Situationen bin ich nicht geschaffen. Und ich bewundere immer wieder aufs Neue die Menschen, die regelmäßig Sterbenden beistehen und das aushalten können.
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Boomer ist offline  
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Alt 02.02.2018, 16:24   #5
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 05.10.2016
Beiträge: 49
Standard

Du hast das sehr gut gemacht. Nur wer gehen darf, geht in Frieden.

LG

Anette
Manavgat ist offline  
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Alt 02.02.2018, 20:50   #6
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 6,056
Standard

Moin moin

Beim Leben bekommt man ja schon nicht alles mit. Aber beim Sterben ist es noch weniger, weil es ein Tabu-Thema ist. Deshalb ist eine Begleitung in der letzten Minute immer etwas besonders berührendes, an dem jede/r tüchtig zu knabbern hat.
Es kann aber auch für beide etwas erlösendes haben - und das sollte es eigentlich auch sein.
- Eine Klarstellung: ab jetzt geht jeder von beiden einen anderen Weg und in Zurück gibt es nicht mehr. Aber auch
- eine gegenseitige Freigabe, weil man nicht mehr aneinander gebunden ist.

Es muss aber auch nicht nur die "letzte Minute" sein. Es kann auch die Begleitung davor und (insbesondere bei BetreuerInnen) geforderte die Entscheidungsfindung sein, die dann mit dem Ableben der Betreuten den Abschluss findet.
Ähnliche Situationen hatte ich auch schon, wenn Betreute (u.a. sogar auch ein stocktauber Mensch) irgendwie mitbekommen haben, dass ich deren Willen nach einem würdigen Tod (bei Sepsis keine Amputation mehr, keine Magensonde oder sonstige OPs mehr - sondern palliative Behandlung) in ihrem Beisein gegenüber Ärzten vertreten habe. Sie waren dann von einem Augenblick zum nächsten entspannt und brauchten auch nur noch ganz wenig Zeit, um zu gehen.

MfG

Imre
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und daraus zu lernen.
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Imre Holocher ist offline  
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Alt 16.08.2018, 09:22   #7
Ich bin neu hier
 
Benutzerbild von ahjo
 
Registriert seit: 10.08.2018
Ort: Köln
Beiträge: 8
Standard

Guten Morgen,

Ich hole mal diesen etwas älteren Post (Anfang 2018) aus der Versenkung. Ich hoffe das ist Ok - auch wenn es ein schweres Thema ist.

Ich bin ja selber bereits in einem ehrenamtlichen Hospizdienst engagiert und weiss daher, wie schwierig es ist, sich jedes Mal neu auf zu Begleitende in den letzten Lebensphasen einzustellen. Das was die Vorposter erlebt haben ist daher aus meiner Sicht normal und eure Reaktionen waren richtig und sehr gut.

Ich habe vielfach erlebt, dass manche Menschen tatsächlich einer Erlaubnis bedürfen, verbal aber auch nonverbal durch „Dasein“, um dann auch gehen zu können.

Manchmal kommt es sogar auch zu vermeintlich kuriosen Situationen, wo der Sterbende zum Beispiel in der fast letzten Minute nach einem Mantel oder seinen Schuhen verlangt oder fragt, ob auch die Mütze da ist ... weil er/sie dann „gehen“ möchte. Das sind dann echte Anzeichen für den nahen Tod und man kann dann durchaus sogar den Mantel hinlegen oder gar die Schuhe hinstellen / anziehen. Wichtig ist also einfach dann da zu sein, auf die Signale zu Achten und denjenigen dann „machen“ zu lassen. Und zwar egal, ob derjenige dann im Beisein von jemanden sterben möchte oder sogar alleine gehen möchte. Auch da sind die Menschen bis zuletzt individuell.

Grüße Anke
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ahjo ist offline  
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Alt 18.08.2018, 10:20   #8
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 02.02.2011
Ort: Südwestfalen
Beiträge: 287
Standard

Hallo Boomer,
tatsächlich habe ich schonmal eine fast identische Situation erlebt.
Ich wurde auf die Intensivstation gerufen, um zu klären, wie man nun weiter vorgehen sollte.
Als ich ankam, da informierte mich der behandelnde Arzt, dass der Betreute irgend etwas vor sich hin spreche und sichtlich große Angst habe.
Der Betreute sprach ausschließlich einen auch für mich schwer verständlichen hiesigen Dialekt, ich hatte mich im Laufe der Jahre aber schon daran gewöhnt, auf der Station konnte ihn aber nicht verstehen.

Ich habe mich dann ans Krankenbett gesetzt und ihm zugehört. Er hatte große Angst vor seinem Lehrer, und wollte am nächsten Tag nicht in die Schule gehen (er war da schon 85 Jahre alt...), er habe vergessen ein neues Heft zu besorgen und sprach mit seiner Mutter.
Ich habe deren Rolle dann einfach übernommen, ihm gesagt, dass ich das Heft noch heute besorgen werde, und er sich keine Sorgen machen müsse. Außerdem würde ich ihm noch eine Tafel Blockschokolade (seine Leidenschaft) mitbringen. Und wenn der Lehrer Ärger mache, dann würde er es mit mir zu tun kriegen.
Der Klient beruhigte sich sofort und strahlte mich an.

Schließlich bin ich wieder gefahren. Noch im Auto bekam ich den Anruf mit der Info, dass er friedlich gestorben sei.
Das hat mich sehr bewegt. Und ich war so froh, dass ich nochmal bei ihm war und ihn so gut kannte, dass ich ihm in seinen letzten Augenblicken Sicherheit und Ruhe geben konnte.
Rückblickend betrachtet war das für mich als Betreuerin eine Sternstunde.
Marsupilami ist offline  
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