Dies ist ein Beitrag zum Thema Hetzerischer Beitrag bei "frontal" im Unterforum Off Topic Bereich , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hat jemand von euch die relativ neue "Doku" bei "frontal" über Bürgergeldempfänger gesehen?
Eine derartige Volksverblödung, oberflächliche Herangehensweise und ein ...
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#1 |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,499
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Hat jemand von euch die relativ neue "Doku" bei "frontal" über Bürgergeldempfänger gesehen?
Eine derartige Volksverblödung, oberflächliche Herangehensweise und ein solcher Mangel an jeder kritischen Nachfrage ist mir bei einem öffentlich-rechtlichen Sender selten untergekommen. Es mag sein, dass es Leute gibt, die das Sozialsystem ausnutzen, aber diese Fernseh-Schmierfinken unternahmen nicht den leisesten Versuch, auch nur die Hintergründe der von ihnen direkt aufgegriffenen Fälle ein wenig zu beleuchten. Allein die Aussage: 5,5 Mio Menschen beziehen Bürgergeld. 1,8 Mio davon gelten als erwerbstätig. Bis zu dem Schluss, dass unter dieser Voraussetzung 3,7 Mio Bürgergeldbezieher, also mehr als 2/3, nicht mal theoretisch erwerbsfähig sind, kommen sie nicht. Es wird keine einzige Frage nach deren Lebenssituation gestellt. Wohnungsnot, der massive Mangel an Sozialwohnungen und seine Folgen, Obdachlosigkeit, die Auswirkungen von Obdachlosigkeit auf die Erwerbsfähigkeit? Gar kein Thema. Die Krönung war, dass eine der porträtierten Leistungsberechtigten, eine psychisch kranke Frau, während der Drehzeit eine Räumungsklage erhielt und aus ihrer Wohnung ausziehen musste. Hat das Jobcenter Hilfe angeboten? Nee, war kein Thema. Die Frau wurde mehrfach zu einem "Coaching" geschickt. Dieser Coach selbst, der sein Geld damit verdient, empfahl dringend therapeutische Behandlung. Wurde die Erwerbsfähigkeit überprüft? Nein. Usw. usf. Wenn jemand Arbeitslosigkeit verdient hat, dann diejenigen, die für dieses Machwerk verantwortlich sind. |
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#2 |
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Routinier
Registriert seit: 29.11.2009
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 1,267
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Moin,
ich schaue mir das nicht an, zumal wird das ganze Debakel und auch die aktuelle Rentenproblematik meines Erachtens Rot-Grün unter Kanzler Schröder zun verdanken haben. Ich hol mir noch ne Flasche Bier. Der Leuchtturm |
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#3 |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,499
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Besser das.
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#4 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 03.12.2017
Ort: Berlin
Beiträge: 152
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Habe die Doku auch gesehen und bin da anderer Meinung. Auf den Begriff Hetzerei würde ich auch nicht kommen.
Das bei 5,5 Mio Bürgergeldempfängern 1,8 Mio dabei sind, die durchaus arbeiten gehen können, halte ich ebenfalls für plausibel. Wahrscheinlich sind es mehr würde ich denken. Bin durchaus dafür, dass die die sich vor Arbeit drücken, auch schneller und härter sanktioniert werden. Das die Absagequote bei Terminen beim Jobcenter bei bis zu 50% liegt, ist ein Witz. Das kann ich nicht nachvollziehen. Und diejenigen, die aufgrund von Krankheiten oder anderen Lebensumständen nicht arbeiten gehen können, haben doch nichts zu befürchten, solange man dies mit entsprechenden Nachweisen belegen kann und man im Rahmen seiner Möglichkeiten mitwirkt. Und eine Mitwirkung kann man als Staat durchaus verlangen, wenn jemand Sozialleistungen bezieht. Auch das die Miete im ersten Bezugsjahr von Bürgergeld höhenunabhängig übernommen wird, finde ich nicht korrekt. Das sie überhaupt übernommen wird finde ich schon fragwürdig. Aber ohne Frage gibt es viel zu wenig Wohnraum, vor allem sozialen. Das gehört zur Wahrheit auch dazu. Das ist und bleibt wohl leider einer der größten und von der Politik weitestgehend ignoriertesten Felder überhaupt. Anderseits: Wenn ich mir als Arbeitnehmer keine Wohnung z.B. direkt in Berlin leisten kann oder in der Arbeitslosigkeit oder später im Bürgergeldbezug - dann muss ich umziehen. Ich wohne auch in Eberswalde zu 7€ den m2 und nicht in Berlin zu 15€ und aufwärts. Ich habe auch schon Bürgergeld bezogen für eine Zeit lang, ist aber auch schon ziemlich lange her. Daher weiß ich, dass das keine schöne Situation ist und man schnellstmöglich wieder raus möchte. Und jeder der Hilfe von der Gesellschaft benötigt, soll sie auch bekommen. Aber jeder der die Gutmütigkeit der Gesellschaft zu unrecht einfordert oder ausnutzt, gehört sanktioniert bzw. bestraft und die Leistung entzogen. Was das Thema Obdachlosigkeit angeht, muss ich sagen, hält sich mein Mitleid in Grenzen. Mit dem sozialen Sicherungssystem, welches es in Deutschland gibt, muss glaube ich niemand in Obdachlosigkeit leben. Es sei denn, man möchte es so. Das war nur meine Meinung - keine Faktensammlung. Also bitte keine persönlichen Angriffe, danke
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#5 | ||||
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,499
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Zitat:
Hast du auch eine Begründung dafür, dass du das denkst? Ich bin sicher, dass unter den 1,8 Mio ein hoher Prozentsatz von Arbeitsunfähigen ist, die 3,7 Mio aber sicher nicht arbeitsfähig sind. Warum? Na, weil es jede Menge Quellen gibt, aus denen man erfahen kann, wie sich die Zahl der Bürgergeldbezieher zusammensetzt. Ich zitiere nur mal stellvertretend für viele andere aus einer Veröffentlichung des Deutschlandfunks: "Die Fakten: In Deutschland erhalten etwa 5,5 Millionen Menschen Bürgergeld. 1,8 Millionen davon sind Kinder und Jugendliche. Über 2 Millionen sind aus anderen Gründen nicht für Arbeit verfügbar – wie gesundheitlichen Problemen oder fehlender Betreuung für Kinder. Etwa 800.000 Menschen davon arbeiten allerdins durchaus, brauchen aber zusätzliches Geld vom Staat, um ihren Lebensunterhalt zu sichern (Aufstocker).Rund 1,7 Millionen sind arbeitslos und könnten prinzipiell arbeiten. Die meisten von ihnen haben jedoch keine ausreichende Ausbildung oder gesundheitliche Probleme, die eine Arbeitsaufnahme erschweren. Arbeitgeber scheuen oft das Risiko, diese Menschen einzustellen, und wenn doch, endet die Beschäftigung häufig schnell wieder. Nur ein kleiner Teil missbraucht das System und verweigert die Arbeit: 16.000 Menschen, das sind gerade einmal 0,4 Prozent aller Bürgergeldbeziehenden." https://www.deutschlandfunk.de/buerg...alsch-100.html Wenn du die Doku aufmerksam geschaut hast, hast du einige Menschen gesehen, bei denen man sich nur fragen kann, warum sie nicht aus dem System ausgesteuert werden. Wir Berufsbetreuer erleben das ständig. Unsere Betreuten sind anerkannt (die jüngeren, also die im arbeitsfähigen Alter meist psychisch) krank. Oft sagen sie immer wieder, dass sie gerne arbeiten möchten. Um ihnen die Hoffnung und die Lebensperspektive nicht zu nehmen, erzwingt man nicht, dass sie "kaputtgeschrieben" werden. Die Jobcenter, deren Aufgabe die Feststellung der Arbeitsfähigkeit ist, machen sich darum jedoch offensichtlich keinen Kopf. So geht es teilweise über Jahrzehnte, dass viele Menschen, die du absehbar nie in Arbeit bekommen wirst, als angeblich faule Bürgergeldempfänger im SGB II-Bezug rumdümpeln. Wie willst du denn Menschen, wie die, die du in der Doku gesehen hast, ins Arbeitsleben integrieren? Den Junkie oder die psychisch kranke Frau, die zu allem Überfluss noch gerade obdachlos wird? Rund die Hälfte der als faul Verunglimpften sind Aufstocker. Also Menschen, die arbeiten, deren Arbeitgeber sich Arbeitnehmer aber eigentlich nicht leisten können und deshalb via Bürgergeld vom Staat gesponsert werden. Und dafür beschimpft man diese Arbeitnehmer. Was ist aus der sozialen Verantwortung geworden, die Arbeitgeber früher einmal bewiesen haben? Begriffe wie "Werkswohnung" oder "Urlaubsgeld", die noch vor wenigen Jahrzehnten selbstverständlich waren, kennt man heute gar nicht mehr. Es sind nicht die paar Männeken, die sich hartnäckig gegen jede Arbeitsaufnahme wehren, die das Land ausbeuten. Die gibt es, aber der wirtschaftliche Schaden, den sie anrichten, ist vernachlässigenswert. Wie die Zahlen, die bekannt sind, wirklich aussehen, kannst du hier nachlesen: https://taz.de/Zahlen-der-Jobcenter/!6099378/ Ausgerechnet die größten Profiteure, die ihre Arbeitnehmer auf besonders krasse Weise ausbeuten wie der amerikanische Riesenversandhändler, zahlen nur winzige Beträge an Gewerbesteuer. Wann immer man einen verantwortungsvollen Unternehmer präsentieren möchte, holt man den alten Herrn Grupp in eine Talkshow. Er scheint der einzige zu sein. "Milliardengewinne werden nicht mal im Ansatz angetastet. Keine Vermögenssteuer, keine annähernd gerechte Erbschaftssteuer, keine ernsthafte Bekämpfung von Steuerflucht. Aber wehe, jemand im Bürgergeld vergisst, 50 Euro anzugeben – dann kommt sofort die Sanktionskeule. Da wird das Existenzminimum gekürzt, Familien mit Kindern geraten in Not, Menschen werden in Angst, Scham und Obdachlosigkeit getrieben." (Cansin Koktürk). Hast du mal darüber nachgedacht, dass Deutschland in Fragen der Vermögensungleichheit mit an der Spitze steht? Bei uns zahlt die Mittelschicht quasi alles, die Sozialausgaben sowieso. Sie zahlt vor allem auch viel mehr steuern als die Reiche und Superreichen, die einen völlig überproportionalen Anteil des in Deutschlands vorhandenen Gesamtvermögens an sich gerafft haben. " Die zehn Prozent vermögendsten Haushalte besitzen 54 Prozent des gesamten Nettovermögens, die vermögensärmere Hälfte der deutschen Haushalte besitzt dagegen gerade einmal drei Prozent des Nettovermögens. https://www.sueddeutsche.de/wirtscha...eit-li.3228791 Wenn du die Motivation zu arbeiten verbessern willst, setzt du genau da an. Zitat:
Neurodivergenz und viele andere Krankheitsbilder diagnostiziert werden? Wenn der betroffene Mensch zudem nicht in der Lage ist, seine Beschwerden griffig zu beschreiben, passiert das häufig ein ganzes Leben lang nicht. Und was außerdem völlig außen vor blieb: Die Auswirkungen der sozialen Ungleichheit auf Kinder. Kinder, die in schlechten Verhältnissen aufwachsen, werden oft regelrecht behindert "gemacht". Armut bedeutet für Kinder, dass sie Benachteiligungen ausgesetzt sind, die sich oft auf ihr gesamtes Leben auswirken. Kinder, die dauerhaft oder immer wieder in prekären Verhältnissen leben, zeigen laut einem aktuellen Bericht des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti mehr als doppelt so häufig soziale und emotionale Verhaltensauffälligkeiten. Viele von ihnen haben einen geringeren Wortschatz und erkranken häufiger an Depressionen als Kinder, die in Wohlstand aufwachsen.Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einer "Epidemie der Ungleichheit". "In kaum einem anderen vergleichbaren Land hängt die Bildungsleistung von 15-Jährigen so sehr von ihrer sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Die erste PISA-Studie hat ein Schlaglicht auf die sozialen Schieflagen des Bildungswesens geworfen, seitdem hat sich eine Reihe von Untersuchungen dem Thema gewidmet." https://www.boeckler.de/de/boeckler-...lernt-6985.htm Zitat:
Durchaus. Wenn der Mensch dazu in der Lage ist. Auf die 1,8 Mio Kinder und den Bürgergeldempfängern trifft das schon mal per se nicht zu. Sie müssen aber trotzdem darunter leiden, wenn ein Mitglied ihrer BG sanktioniert wird. Es wird noch nicht mal aufgeschlüsselt, wieviele Arbeitsunfähige unter den restlichen 1,9 Mio sind, die nur deshalb keine SGB XII-Leistungen beziehen können, weil ein Mitglied der BG arbeitsfähig ist und sie mit ins SGB II zieht. Auch sie leiden genau wie die Kinder, wenn irgendwas schiefläuft. Vor allem haber hat ein Staat, in dem das Sozialstaatsprinzip in der Verfassung verankert ist, sozial zu handeln. Der Bürgergeldempfänger muss mitwirken, aber der Staat muss wirken. Das ist nicht einmal mehr im Ansatz gegeben. Ich fange jetzt nicht wirklich mit der Wohnungsnot, dem Pflegenotstand, der katastrophalen Gesundheitsvesorgung, dem Heimplatzmangel usw. an. An dieser Stelle will ich nur herausstreichen, dass die Jobcenter doch so gut wie gar nichts tun, um Menschen zu qualifizieren. Und ja, ich kenne die Arbeit dort von innen. Das sind sich selbst erhaltende Systeme, die wiederum eine Batterie von Maßnahmeanbierten am Leben halten, die sehr viel Geld verschlingen und ebenfalls zum System gehören. Auch das die Miete im ersten Bezugsjahr von Bürgergeld höhenunabhängig übernommen wird, finde ich nicht korrekt. Das sie überhaupt übernommen wird finde ich schon fragwürdig. Aber ohne Frage gibt es viel zu wenig Wohnraum, vor allem sozialen. Das gehört zur Wahrheit auch dazu. Das ist und bleibt wohl leider einer der größten und von der Politik weitestgehend ignoriertesten Felder überhaupt. Zitat:
Du meinst also, man sollte die Bildung von Armenghettos fernab der Großstädte fördern? Ich nicht. Ich bin ganz konservativ der Meinung, dass man endlich wieder genug Sozialawohnungen schaffen sollte. Früher ging das ja auch. Den Regierenden ist daran aber seit Langem nicht gelegen. Ärgert ja die Haie von der Immo-Lobby, die dann nicht mehr mietwuchern könnten. Apropos: Warum schlägst du nicht mal vor den Heuschrecken-Immobiliengesellschaften, die mit ihren überhöhten Mieten die Sozialkassen ausplündern, ihre Gewinne zu kürzen? Das könnte richtig was bringen. Aber manche nehmen ja lieber Alleinerziehenden 100 oder 200 € für die KdU weg. Geändert von Garfield (21.08.2025 um 01:57 Uhr) |
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#6 | |||
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,499
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Zitat:
Exakt. Genau das ist meine Erfahrung aus der Arbeit in einem Jobcenter. Weit über 90 % der schwer Vermittelbaren wollten nichts lieber als einen Job und eigenes Geld verdienen. Reelle Chancen darauf hatten sie allerdings nicht. Die Gründe waren immer die gleichen: Keine Ausbildung, krank, alt, ungebildet und manchmal alleinerziehend. Die Jobcenter bieten dieser Klientel keine echten Hilfen an. Sie schicken sie, wenn sie es irgendwie schaffen, in Schwachsinnsmaßnahmen, weil die besetzt werden müssen, nachdem sie eingekauft wurden. Wer effektive Hilfeleistungen beantragt, muss schon verdammt viele Kompetenzen mitbringen, um die durchzusetzen. Diese Leute gehören nicht zu der Klientel, die bei "frontal" zu sehen war. Zitat:
Warum verwendest du diese Energie nicht auf Forderungen gegen z.B. Steuerhinterzieher, Maskendealer, Mautversager, Alkohol-, Zigaretten und all die anderen Krebsproduzenten, die unser Gesundheitssytem schädigen? Statt bettelarmen undkranken Menschen das Existenzminimum zu missgönnen, würden Erfolge in dieser Hinsicht die Richtigen treffen und Kohle bringen. Zitat:
![]() Mit diesem letzten Absatz katapultierst du dich nun endgültig aus einem Bereich hinaus, in dem man dich noch ansatzweise ernst nehmen kann. Google doch nur mal, wie viele Kinder und Jugendliche in Deutschland obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Aber klar, die wollen das ja so... Ich empfehle den Konsum seriöser Medien und vor allem Faktenchecks und Nachdenken, |
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#7 |
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"Nervensäge" vom Dienst
Registriert seit: 08.12.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 1,047
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Garfield,
wir sind an SEHR vielen Stellen 1 Meinung! Inzwischen ist bekannt, der ein riesiger Kostenfaktor dabei die Verwaltung als solche ist. Dazu wurden bei Maßnahmeträgern ganze Pakete direkt für mehrere Jahre im Voraus eingekauft, anstatt (wie es an deren Stellen immer der Fall ist) das ganze auf max. 12-24 Monate im Voraus zu buchen. Wenn ich dann von Teilnehmern höre/lese, dass Dozenten nicht vorhanden sind und man die Teilnehmer bis zu 8 Std. sich mehr oder weniger selbst überließ, fällt mir wenig dazu ein! Genau das gleiche, wenn ein und derselbe Teilnehmer in 8 Jahren, 7x das gleiche Bewerbungstraining absolvieren musste, so ist dies doch nicht Zielführend! Auf der anderen Seite aber finde ich es mehr als fragwürdig, wenn sich Bürgergeldempfänger über die laufenden Leistungen einrichtet und sich eine kleine Nebentätigkeit sucht, die gerade so viel abdeckt, dass dadurch weitere Maßnahmen abgelehnt werden können. Ich bin seit Jahren in einigen Foren rund um SGB2/SGB12 unterwegs, wo ich beinahe schon eine "Persona non grata" darstelle, wenn ich der Meinung bin, dass wer einen Führerschein haben möchte, sich diesen aber (verständlich) nicht vom Bürgergeld leisten kann, der solle sich eine Nebentätigkeit oder ein Ehrenamt suchen (wenn es mit der Arbeitssuche ansonsten nicht klappt) und diese Mehreinnahmen dann für den Führerschein nutzen! Bei der von dir erwähnten Teilnehmerin wundere ich mich auch ein wenig. 1) wieso hat sie denn ihre Wohnung verloren? 2) wie sollen die SBs im Jobcenter fachlich beurteilen, wessen Erwerbsfähigkeit min. zeitweise aufgehoben ist, wenn (wie in jenen erwähnten Foren) immer lautstark betont wird, den SB gehen KEINE Diagnosen oder Symptome was an, da nicht fachlich qualifiziert, dies einzuordnen. Aha, aber 'ne Krankschreibung gibts auch nicht! Und wenn man mal die hohen Kosten für ein Gutachten beim Ärztlichen Dienst oder Gesundheitsamt beiseite schiebt, muss auch erstmal dort das geeignete Personal vorhanden sein, um zu begutachten! Einfach so "auf Zuruf" haut natürlich nicht hin! 3) Die Dame aus dem Beitrag bekam nun das 3te Coaching bei jenem Herrn. Er empfiehlt eine Psychotherapie. Ja Glückwunsch, wer in einer Gegend mit freien Kapazitäten lebt, hurra! Davon ab jedoch muss die Klientin aber auch eine Therapie WOLLEN und mitarbeiten! Meine Eltern waren einfach Arbeiter, mein Bruder und ich die ersten in der Familie mit Abitur. Ich bin aufgewachsen mit hart arbeitenden Eltern, die eher einen Drittjob gemacht hätten, als Wohngeld zu beantragen! Dass an ganz vielen Stellen seit Jahren Misswirtschaft betrieben wird, ich unterschreibe es dir! Auch sollte es nicht möglich/erlaubt sein, dass Millionen- oder gar Milliardengewinne kaum besteuert werden, durch beinahe absurde Steuer"gesetzte"/Tricks, bei Groß-Erbschaften dasselbe Spielchen! Wer heute Plusminus gesehen hat, konnte dort einen Beitrag verfolgen, wie es in Österreich vor Jahren gelang, dass die dortigen Beamten ins Rentensystem erfolgreich eingegliedert wurden! Wieso werden solche Erfolge aus anderen Ländern nicht 1:1 bei uns eingeführt? Die ganze reißerische Berichterstattung beruht einerseits auf nicht sauber geführte Zahlen durch die Jobcenter/Maßnahmeträger etc. Ohne richtige, belastbare Zahlen ist alles nur tendenziös und ich verstehe den Frust jener Menschen, die mit ihren Steuern selbst die wenigen "Echt-Verweigerer" durchziehen (müssen). Dass alle letztlich schauen, wo man selbst bleibt, ist menschlich nachvollziehbar, besonders, wenn man schon am E-Minimum lebt. Inkl. meiner Person und so lange diese wenigen Totalverweigerer als Gründe hergenommen werden, um die Regelsätze nicht zu erhöhen oder gar zu überlegen, sie zu kürzen, da greift man auch mir somit in die Tasche. Weil Regelleistung SGB2 der im SGB12 nun mal entspricht! Und ehe ich durch solche .... gezwungen werde, noch weniger Geld zu erhalten, da werde ich immer für Sanktionen sein! Es ist grad sooo viel am Zusammenbrechen, außerhalb von D und innerhalb! Dann aber jenen, die dieses fragile System noch finanzieren, indirekt einen Stinkefinger zu zeigen, indem man nicht zumindest mit irgendwas beginnt bzw. sich beteiligt, ist weder angebracht noch die Lösung! |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 03.12.2017
Ort: Berlin
Beiträge: 152
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@Garfield
1. Ohne persönlich zu werden kannst du es wohl nicht. 2. Ich wollte und will keine politische Diskussion mit dir beginnen. Ich wollte lediglich eine Gegenmeinung einstellen. 3. Zitat:
Wenn alles was du sagst faktenbasiert ist und du zu allem eine Quellenangabe machst, ist das deine Sache. Ich jedoch äußere meine Meinung wie ich es möchte und lasse mir nicht diktieren wie ich eine Diskussion zu führen habe. 4. Zitat:
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Ich teile deine Meinung nicht, aber ich respektiere sie. Schade, dass das andersrum nicht so ist. Das ist eigentlich einer der Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie. |
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#10 | |
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Berufsbetreuerin
Registriert seit: 29.03.2010
Beiträge: 1,499
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Zitat:
Hier im Thread ist der Kontext ja nicht der, was Betreuer machen können, sondern ob und wie effektiv Jobcenter unterstützen (können), um Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen. Ich wüsste keinen einzigen Fall, in dem das bei einem sog. C- oder D-Kunden nachhaltig gelungen wäre. Ich kenne aber auch keinen einzigen Fall, in dem jemand mit typischen Mittelschicht-Kompetenzen ohne ernsthafte gesundheitliche Probleme dauerhaft arbeitslos geblieben wäre. |
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