Dies ist ein Beitrag zum Thema Suspekte Bekannte aufgetaucht im Unterforum Situation der Betreuer/innen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Hallo.
Ich bin seit 2 Wochen Betreuerin in folgendem Fall:
Ältere Dame, Demenz, Weglauftendenz
Vermögen, Gesundheit, Aufenthalt
Sie war stationär ...
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#1 |
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Routinier
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,882
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Hallo.
Ich bin seit 2 Wochen Betreuerin in folgendem Fall: Ältere Dame, Demenz, Weglauftendenz Vermögen, Gesundheit, Aufenthalt Sie war stationär in der Psychiatrie, seit letzter Woche Kurzzeitpflege, vollstationär ist angedacht, da sie zu Hause nicht mehr zurecht kommen würde. Der Zustand im Haus war katastrophal. Es gibt ein eigenes Haus, sehr herunter gekommen, sanierungsbedürftig, aber in einer sehr begehrten Lage. Keinerlei Barvermögen vorhanden, ein Verkauf wird unumgänglich sein zur Deckung der Heimkosten. Die ersten Imteressenten sind schon da und einige würden ungesehen sofort kaufen. Gestern klingelte mein Telefon und es meldete sich eine Dame. Die erklärte, dass sie die B. aus Kindertagen kenne und diese ihr viel bedeuten würde. Sie wohnt 600 km entfernt. Am Donnerstag käme sie hierher und plane, die B. mit zu sich zu nehmen und die Betreuung zu übernehmen. Habe ihr erklärt, was es bedeutet, eine demenzkranke Person mit Weglauftendenzen zu betreuen. Das sei alles kein Problem, man habe das bereits alles geplant. Die B. hat noch Familie (Bruder, Nichten). Diese kümmern sich soweit möglich, aber das Verhältnis war wohl schon immer schwierig und die B. eine ziemliche Eigenbrödlerin. Der gesamten Familie ist diese Frau nicht bekannt. Der einfachste Weg wäre, mit der B. zu reden. Hab ich versucht. Leider traut mir die B. nicht und stellt sich absichtlich "dumm" wenn ich sie was frage . Bei der Nichte weiß sie noch viel mehr als bei mir. Immerhin konnte ich ihr entlocken, dass sie diese Frau kennt und war sehr erfreut, von ihr zu hören. Nun gut. Mein Problem ist, dass ich keine Ahnung habe, wie fit die B. wirklich noch ist, ob eine freie Willensbildung möglich ist (es gibt kein Gutachten,), ob sie die Tragweite eines Umzugs zu dieser Frau nach München verstehen könnte. Sie kann klar ihre Bedürfnisse und Wünsche äußern. Im Gegenzug weiß sie aber um 11 nicht mehr, dass ich im 10 da war. Ich kann es einfach nicht einschätzen und ärztliche Stellungnahnen dazu gibt es nicht. Und auch die Intention dieser Frau bleibt mir ein Rätsel. Die wusste nicht mal, dass die B. krank ist (was sie schon viele Jahre ist). D.h. es bestand ewig kein Kontakt mehr. Und dann will die von heute auf morgen ihr Haus herrichten, ihren Job schmeißen und eine fremde Frau 24 Stunden täglich ohne Entlohnung betreuen und pflegen? Spanisch kam mir auch vor, dass die Dame lieber einer Vollmacht hätte und sie nicht ganz damit einverstanden war, was rechtliche Betreuung im Sinne der Berichtspflicht heißt. Man müsse die B. so schnell wie möglich aus dem Heim holen, um die Kosten gering zu halten und das Haus nicht verkaufen zu müssen. Aber vielleicht ist das alles wirklich reine Nächstenliebe und die B. liegt ihr so sehr am Herzen, dass sie sich kümmern will. Ich will und kann niemandem Hintergedanken unterstellen. Ich weiß es einfach nicht. Und ich weiß nicht, wie ich dazu stehen soll. Was tun, wenn die B. einem Umzug zustimmt und gehen möchte? Kann ich das zulassen ohne zu wissen, ob sie das alles versteht? Hausverkauf .... erstmal stoppen oder verkaufen? Ich sage, Verkauf ist notwendig. Der B. ist es egal. Und rein vom Interesse hab ich in spätestens 2 Wochen einen Kaufvertrag. Aber soll ich das überhaupt voran treiben oder erstmal abwarten, wie diese Story weitergeht? Lg Boomer
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Die meisten Probleme lösen sich von selbst - man darf sie nur nicht dabei stören
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#2 |
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Routinier
Registriert seit: 17.07.2015
Ort: RLP
Beiträge: 1,072
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Als Antwort fällt mir zunächst deine Signatur ein.
Ich denke, ich würde erstmal so tun, als ob es die ominöse Bekannte nicht gäbe un den Hausverkauf planen. das wir dsich ja wohl noch hinziehen, da nach der Schilderung eine Genehmigung ununmgänglich wäre. Dann würde doch vsl. ein Gutachten notwendig und ein Verfahrenspfleger... |
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#3 |
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Admin/Berufsbetreuer
Registriert seit: 16.03.2004
Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 9,515
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Moin moin
Das sehe ich aber auch mal so wie Mimi. Keiner kennt die Dame und auf einmal schneit sie rein. Mach Deinen Job so, als gäbe es sie nicht. Und wenn sie sich mal persönlich vorstellt, fühle ihr auf den Zahn. Frage doch mal die Betreute, ob sie sie kennt... Die Betreute steht erst mal unter Deinem Schutz, den es nicht mehr gäbe, wenn die fremde Dame im Rahmen einer Vollmacht sich alles unter den Nagel reißt. Also Cool bleiben. MfG Imre
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Fehler sind dazu da, um sie zu machen und daraus zu lernen. Fehler sind nicht dazu da, sie dauernd zu wiederholen. |
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#4 |
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Routinier
Registriert seit: 25.01.2016
Ort: Niederrhein
Beiträge: 1,173
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Vielleicht gibt es ja ein Testament zu Gunsten der Dame und das könnte erklären, warum sie das Haus erhalten möchte ....
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Auslaufmodell Rechtliche Betreuung! |
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#5 |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 19.10.2014
Beiträge: 98
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Ein Betreuungsgutachten sollte es doch geben, ggf. eben beim Gericht anfordern oder Akte einsehen. Dann weißt Du, ob die Betreute überhaupt noch jemanden wirksam bevollmächtigen könnte. Wenn nicht, soll sich die Bekannte doch an das Betreuungsgericht wenden und ihr Ansinnen der Betreuungsübernahme dort vortragen.
Ich würde dieser Bekannten keine Auskunft erteilen auch nicht über den Hausverkauf mit ihr sprechen. Wenn es erst wird ggf. das Heim vorwarnen, nicht dass die Betreute "entführt" wird. So etwas ähnliches hatte ich auch schon mal... Manchmal steht nur eine gutgemeinte aber etwas naive Fürsorge hinter solchen Geschichten, manchmal eben auch handfeste finanzielle Interessen. Beides hilft der Betreuten nicht. Ein Umzug steht doch hier überhaupt nicht zur Debatte.... |
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#6 | |
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Forums-Geselle
Registriert seit: 23.06.2017
Ort: Nordenham
Beiträge: 176
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Zitat:
Ich vermute aufgrund der Schilderung stark, dass so ein Testament nicht existiert, jedoch von der betreffenden Person unbedingt angestrebt wird. Wie schon geschrieben wurde, einfach ignorieren, nötigenfalls klarstellen, wer die Betreuung macht und die Entscheidungen trifft. Christian Martens |
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#7 |
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Routinier
Registriert seit: 17.01.2015
Beiträge: 1,882
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Nachdem die letzten Tage in diesem Fall sehr turbulent waren lange Geschichte - ist heute der Richter kurzerhand ins Heim gefahren und hat die Betroffene dazu angehört. Fazit: genauso ratlos wie alle anderen. Nun hat er sich die Adressen der Nichte und dieser Dame aus München geholt und will dann mit uns dreien ein gemeinsames Gespräch führen. Finde ich super engagiert von dem Richter. Wo diese Reise endet, weiß ich noch nicht. Warten wir ab.
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Die meisten Probleme lösen sich von selbst - man darf sie nur nicht dabei stören
Geändert von Boomer (12.11.2019 um 19:43 Uhr) |
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#8 |
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Einsteiger
Registriert seit: 01.10.2015
Beiträge: 24
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Hallo Boomer, ein gut gemeinter Rat von mir: sei bloß vorsichtig. Bei mir entpuppte sich ein Freund von früher meines Betreuten als Betrüger, der mit dem Betroffenen zusammen ein Konto weit weg von mir eröffnet hat und über dverschiedene Krankenkassen Verhinderungspflege bei verschiedenen Hilfebedürftigen für den Betroffenen mit gefälschter Unterschrift abgerechnet hat. Als ich irgendwann dahinter kam, hat er alle möglichen Instanzen eingeschaltet um mir die Sachen in die Schuhe zu schieben. Interessant war, dass er das bei mehreren Betroffenen mit geistiger Behinderung gemacht hat. Allein bei unserem Gericht wurden 3 Fälle verzeichnet und in anderen Gerichtsbezirken das selbe. Es scheint sich da um ein System zu handeln, bei denen Leute, die nicht mehr durchblicken, bis zum Gehtnichtmehr ausgenutzt werden. Ich hoffe, dass dir sowas nicht passiert, deswegen mein Hinweis.
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