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ohne anwesenden Betreuer keine Behandlung?

Dies ist ein Beitrag zum Thema ohne anwesenden Betreuer keine Behandlung? im Unterforum Situation der Betreuer/innen , Teil der Offenes Forum gesetzliche Betreuung
Liebe Forenteilnehmer, gerade rief mich das Pflegeheim an, eine Betreute von mir müsse morgen zum Gesichtschirurgen (MKG) wegen Anpassung der ...


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Alt 06.06.2013, 15:53   #1
Forums-Geselle
 
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Beiträge: 291
Böse ohne anwesenden Betreuer keine Behandlung?

Liebe Forenteilnehmer,

gerade rief mich das Pflegeheim an, eine Betreute von mir müsse morgen zum Gesichtschirurgen (MKG) wegen Anpassung der Zahnprothese, das wisse ich ja, ich muss da ja als Betreuerin mit. Ich wusste von nichts und habe morgen auch keine Zeit. Die Betreute ist zwar recht betagt, aber aus meiner Sicht einwilligungsfähig in (überschaubare) ärztliche Behandlungen, noch kein Arzt (selbst nicht neulich im KH bei komplizierteren Eingriffen) kamen zu einer anderen Meinung.

Über diese große MKG-Praxis (hier so was wie der Platzhirsch, es gibt lokal keine richtige Alternative, die Betreuten müssen sonst mit teurem Taxi viel weiter fahren) ärgere ich mich immer wieder, denn dort gilt als eiserner Grundsatz: Ein Patient mit Betreuer (egal wofür) wird nur behandelt, wenn der Betreuer dabei ist. Ohne wenn und aber, vorher spricht kein Arzt mit ihm, er wird sofort wieder nach Hause geschickt. Mein Einwand, dass doch der Arzt den Patienten erstmal kennen lernen muss um entscheiden zu können, ob er (nicht) einwilligungsfähig ist interessiert dort nicht, ebenso wenig die Tatsache, dass der Arzt eine strafbewehrte Körperverletzung begeht, wenn er pauschal den Betreuer die Einwilligung zur Behandlung unterschreiben läßt, obwohl der Betreute selbst einwilligungsfähig war.Einer meiner fitteren Betreuten war mal zu Recht schwer beleidigt, dass man ihn dort ohne Betreuer nicht ernst nimmt.

Das wird darauf hinauslaufen, dass die Betreute morgen nicht behandelt wird. Ich habe echt keine Lust mehr, mich von denen quasi erpressen zu lassen, jedes Mal ist es ein großer Zeitaufwand, dort mitzugehen und dann im Behandlungszimmer dem Behandler (es gibt viele Ärzte dort) die grundlegensten Grundlagen bezüglich Einwilligungen zu ärztlichen Behandlungen zu erklären. Würden das alle Ärzte so machen, käme ich aus Arztpraxen nicht mehr raus.

Ich hätte große Lust, dort mitzugehen, wie gewünscht anstelle der Betreuten zu unterschreiben und nach der Behandlung eine Strafanzeige wegen Körperverletzung (meiner Betreuten) zu stellen, dann lassen sie das vielleicht.

Habt Ihr eine Idee, wie man solchen Ärzten beikommen kann?
Wie würdet ihr Euch in der Situation verhalten?

Viele Grüße,
Anni
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Alt 06.06.2013, 23:15   #2
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
Registriert seit: 16.03.2004
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Moin Anni

Wenn ich meine Betreuten für fähig halte, dass sie in eine medizinische Behandlung selber einwilligen können, weil sie das Warum und Wie verstehen und diese Behandlung auch noch wünschen, dann fordere ich die Ärzte notfalls auch dazu auf, mir eine schriftliche und ausführliche Stellungnahme über die Entscheidungsunfähigkeit der Betreuten zukommen zu lassen. Wenn sie dann die Behandlung ablehnen wollen, dann biete ich eine Klage wg. Hilfeverweigerung an. Letzteres habe ich bisher aber noch nie tun müssen.

In Deinem Fall wäre die Verweigerung der Hilfeleistung auch gegeben, wenn die Behandlung nicht stattfindet, bloß weil Du nicht dabei bist. (Vermute ich doch mal ganz stark.)

MfG

Imre
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Alt 07.06.2013, 13:35   #3
ehrenamtliche Betreuerin a.D.
 
Registriert seit: 01.09.2010
Ort: Münsterland
Beiträge: 488
Standard Hallo Annie,

ruf diese Praxis an und verschieben den Termin so, daß du dabei sein kannst. Wie steht es denn im Heimvertrag, wer für solche Dinge zuständig ist?
Informiere auch das Heim über den neuen Termin, vielleicht ist das eine Möglichkeit von mehreren.

Gruß Doro
Doro ist offline  
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Alt 07.06.2013, 14:29   #4
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 18.01.2010
Ort: Nähe Stuttgart
Beiträge: 291
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Hallo Imre, genau so ist es, die Behandlung wird verweigert, weil der Betreuer bei der Anmeldung und dann bei der Untersuchung nicht dabei ist. Es kommt gar nicht dazu, dass ein Arzt die Einwilligungsfähigkeit beurteilt.

Hallo Doro, es geht nicht darum, was im Heimvertrag steht, meine Betreute wird auch von einer Heimmitarbeiterin dorthin begleitet. Die Mitarbeiterin ist aber nicht die Betreuerin, deren Anwesenheit dort spielt also rechtlich keine Rolle. Die Praxis verlangt, dass der Betreuer auf jeden Fall auf der Matte steht, auch wenn dies völlig überflüssig ist. Warum sollte ich das Deiner Meinung nach tun?

Viele Grüße
Anni

Geändert von Anni (07.06.2013 um 14:32 Uhr)
Anni ist offline  
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Alt 07.06.2013, 15:54   #5
ehrenamtliche Betreuerin a.D.
 
Registriert seit: 01.09.2010
Ort: Münsterland
Beiträge: 488
Standard Hallo Anni,

na dann würde ich es echt mal so machen wie Imre es schreibt, vielleicht hast du dann ein für alle Mal Ruhe!


Gruß Doro
Doro ist offline  
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Alt 07.06.2013, 19:17   #6
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
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Ort: Betreuungsbüro Herrlichkeit 6 in 28857 Syke
Beiträge: 6,532
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Moin Anni

Sollte diese komische Praxis das sogar grundsätzlich so handhaben, dann gibt es sicherlich noch andere Betreuer/innen, die sich darüber ärgern.
Eine schöne Möglichkeit ist z.B. ein deutliches Schreiben an die Kassenärztliche Vereinigung, in dem dieses (Fehl-)Verhalten moniert wird. Sollten dadurch schon Behandlungen nicht zustande gekommen sein, könnten diese als Anlass zu Strafanträgen (sprich: Klagen) gegen diese Ärzte sein, mit denen man der Höflichkeit halber nicht gleich ins Haus fallen möchte. Noch besser, wenn mehrere Betreuer dies unterstützen.
Ärger mit der KV als Aufsichtsorgan haben die Ärzte auch nicht gerne, weil diese über die Ärztezulassung zu bestimmen haben.

MfG

Imre
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Alt 10.06.2013, 18:43   #7
Forums-Geselle
 
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Beiträge: 291
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Kurze Rückmeldung:
Die Betreute wurde wie zu erwarten mit der üblichen Begründung (kein Betreuer dabei) abgewiesen und zurück ins Heim geschickt. Ich werde es so machen wie Imre es vorschlägt und ein Schreiben an die Kassenärztliche Vereinigung richten, vielleicht bewirkt das wirklich was.

Ein Dauerbrenner sind ja auch die immer gleichen Narkoseaufklärungsgespräche vor Krankenhausbehandlungen, von denen mir jetzt wieder eins bevorsteht, die Betreute ist tatsächlich nicht mehr einwilligungsfähig. Hier wird unbedingtes persönliches Erscheinen an einem bestimmten Tag (Tag vor der OP) vorausgesetzt. Begründet wird es damit, dass sich ja sonst jeder am Telefon als Betreuer ausgeben könnte, daher geht das per Telefon und Fax nicht. Auf meinen Einwand, warum das einer tun sollte, bekam ich keine Antwort.

Ich habe versucht, wenigstens einen festen Termin (Vereinbarung zu einem Treffen/Gespräch mit dem Narkosearzt zu bestimmter Uhrzeit) zu bekommen. Das war für die Stationsschwester schon ein unfassbares Ansinnen, der Betreuer müsse einfach kommen und warten, bis der Arzt (zwischen Behandlungen und Notfällen) eben Zeit für ihn hat. Ich habe erklärt, dass ich dafür nicht einen halben Tag reservieren kann, da ich auch noch andere Aufgaben habe. Mit Mühe und Not habe ich ihr am Ende eine Uhrzeit abgepresst aber ob das was wird...

Wie lange wartet ihr bei solchen Gesprächen auf den Arzt? Ich habe mich mal erdreistet, nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens zu gehen, nicht ohne mir vorher Beschimpfungen der Pfleger anzuhören was ich mir rausnehme nicht mehr zu warten.

Viele Grüße
Anni
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Alt 11.06.2013, 09:45   #8
Dipl.Soz.Päd. / Berufsbetreuer
 
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Wenn die Betroffene nicht mehr einwilligungsfähig ist - denke mal an das Genehmigungsverfahren. Dann weißt Du wenigstens, ob Du überhaupt einwilligen kannst.

Kollege Imre regte bereits an, dem Arzt einen Kaffee im Büro anzubieten und die Einwilligung dann mit ihm zu besprechen.

Er hätte dann sogar die Möglichkeit, sich am Klingelschild von Deiner Identität zu überzeugen.

Geändert von Tomas11 (11.06.2013 um 10:30 Uhr)
Tomas11 ist offline  
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Alt 11.06.2013, 13:20   #9
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Hallo Tomas,

eine Genehmigung (speziell wegen der Narkose bzw. des Narkoserisikos bei der OP) brauche ich doch aber nur, wenn sich der Narkosearzt dahingehend äußert, dass ein erheblich überdurchschnittliches Narkoserisiko besteht und nicht wegen der nicht mehr vorhandenen Einwilligungsfähigkeit, hier wegen Demenz im Endstadium (wobei mir hier immer die Grenze nicht ganz klar ist, da bei sehr betagten Betreuten mit altersbedingt eingeschränktem Gesundheitszustand und diversen Zipperlein praktisch immer ein erhöhtes Risiko vorhanden ist). Davon ist mir bisher nichts bekannt, da sollte mich ja der Narkosearzt darüber informieren. Die OP an sich ist eher harmlos (2 oder 3 Zähne ziehen stationär unter Vollnarkose).
Wäre interessant zu wissen, wie lange eine solche Genehmigung im schnellsten Fall dauert, ich musste hier noch nie eine beantragen. Wenn ich dort hingehe, ist die Betreute ja schon stationär aufgenommen worden.

Das wir das Gespräch in meinem Büro abhalten können habe ich auch schonmal vorgeschlagen, mein Gegenüber am Telefon hat mir daraufhin zu verstehen gegeben, das es an meinen geistigen Kräften zweifelt. Gebracht hat es natürlich nix, so was liegt beim medizinischen Personal außerhalb jeglicher Vorstellungskraft.

Grüße
Anni
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Alt 11.06.2013, 20:21   #10
Admin/Berufsbetreuer
 
Benutzerbild von Imre Holocher
 
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Hallo Anni

"...Das wir das Gespräch in meinem Büro abhalten können habe ich auch schonmal vorgeschlagen, mein Gegenüber am Telefon hat mir daraufhin zu verstehen gegeben, das es an meinen geistigen Kräften zweifelt...."

Eitle Gecken in weißen Kitteln halten sich mit solchen Äusserungen ihren Gesprächspartnern gegenüber gerne für völlig überlegen - und überhaupt nicht bemüßigt noch Argumente bringen zu müssen.

"...so was liegt beim medizinischen Personal außerhalb jeglicher Vorstellungskraft..."

Treffer, versenkt:
Wenn was ausserhalb der Vorstellungskraft liegt, dann ist der geistige Horizont selbstredend sehr begrenzt oder zumindest eingeschränkt und unflexibel.
Es gibt halt solche Vollpfosten.

Zum Thema vereinbarter Termin und Wartezeit:
Eine Viertelstunde, vielleicht auch mal eine Halbe, aber auch nur wenn ein akuter Notfall vorliegt. Dann bin ich weg und erwarte, dass der Arzt persönlich vorbeikommt oder die telefonische Absprache akzeptiert.

Einmal habe ich mitgeteilt, dass ich im Khs bin und der Arzt mich bei der Betreuten findet. Bei dieser war ich ca. 20 Minuten. Der Arzt kam nicht, war aber im Arztzimmer und nicht allein (lustiges Tassenklötern und Gelächter unter Kollegen). Nach 15 Minuten habe ich die Pflegeleitung sehr deutlich gebeten, die traute Ärztrunde mal eben zu unterbrechen, weil sonst ein richtiges Donnerwetter losgeht.
Dann ging es doch richtig friedlich und nett mit dem Arzt.

Manchmal geht das dann nicht, aber dann muss man den weißen Halbgöttern einfach deutlich machen, dass man Atheist ist und sie einem gewaltig den Buckel runterrutschen können und kein Problem hat sie richtig fertig zu machen. Das glauben sie dann sogar auch. (Hasenfüße)

MfG

Imre
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