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kein Besuchskontakt in der Tagesstruktur

Dies ist ein Beitrag zum Thema kein Besuchskontakt in der Tagesstruktur im Unterforum Wohnungs- und Heimangelegenheiten - Immobilien , Teil der Rechtsfragen im Rahmen des Betreuungsrechts
Liebe Kolleg*innen, vorgestern ist mir etwas sehr unangenehmes passiert. Ich habe in einer besonderen Wohnform mehrere Klienten. Einige davon besuchen ...


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Alt 20.06.2026, 06:54   #1
Stammgast
 
Registriert seit: 02.02.2011
Ort: NRW
Beiträge: 885
Standard kein Besuchskontakt in der Tagesstruktur

Liebe Kolleg*innen,

vorgestern ist mir etwas sehr unangenehmes passiert.

Ich habe in einer besonderen Wohnform mehrere Klienten. Einige davon besuchen eine sehr niederschwellige Tagesstruktur des Hauses.

Da der Betreute telefonisch nicht erreichbar ist, und ich kein Personal mit unseren Terminen belästigen wollte, besuche ich den B. regelmäßig auf gut Glück. Meine Suche nach ihm führt dann auch zu dieser Tagesstruktur, wo ich (weil die Tür dieses Raumes geht direkt nach Draußen und steht offen steht) ihn häufig auch finde.

Am Donnerstag war wieder so ein Besuch. Im Raum waren 4 Klienten und eine junge Dame, die ich nicht kannte, die sich aber als Klientenschutzbeauftragte herausstellte.

Dieser Klient ist erheblich gehbehindert, daher plauschen wir oft direkt vor Ort und checken, ob ein weiterer, diskreterer Termin für persönliche/rechtliche Angelegenheiten nötig ist. So auch diesmal.

Als ich kam, saß mein Klient vor einem Stapel Unokarten, ein weiterer ihm gegenüber vor einem schon ausgefüllten Rechenblatt einer saß in der Ecke und sah fern. Den dritten hatte ich nicht im Blick.

Da sich zwei weitere Klienten zum Plausch hinzu gesellten, sprachen mittlerweile auch mehrere Menschen gleichzeitig. Alle haben sich sehr gefreut dass ich da war und wir sprachen über Erdbeerkuchen.

In dem Moment legte die junge Mitarbeiterin ihre Hand auf meine Schulter und sagte sehr energisch: "folgen Sie mir sofort nach Draußen". Ich war doch verdutzt, versuchte mich noch von meinem Klienten zu verabschieden, aber sie drängte.

Ohne sich selbst vorzustellen wollte sie nun wissen, wer ich überhaupt sei - ich stellte mich vor. Sie stellte sich nicht vor.
Es sei rechtlichen Betreuern aufgrund einer Dienstanweisung der Fachleitung nicht mehr gestattet Klienten in der Tagesstruktur zu besuchen. Ich hätte mich vorab anzumelden, dann würde man uns einen geeigneten Raum zu Verfügung stellen, wo wir persönliche Dinge besprechen könnten. Dies sei Inhalt eines Schutzkonzeptes, welches bei diesem Träger einen sehr hohen Stellenwert habe. Mir war das Konzept nicht bekannt, ich kenne die Einrichtung seit vielen Jahren.

Sie forderte mich nun auf ihr ins Haupthaus zu folgen, damit man mir dort meine Grenzen erklären könnte. Die dort anwesenden Mitarbeitenden waren so verdutzt wie ich.
Vorher klimperte sie noch mit einem Schlüssel und meinte, ich könne mich auch jetzt im Büro mit dem Klienten besprechen. Das war aber schon besetzt...

Weiter erklärte sie mir, dass ich gerne vor 9 Uhr und nach 16 Uhr oder in der Mittagspause kommen könnte.

Später habe ich die Fachleitung angeschrieben und um Kenntnis des Schutzkonzeptes gebeten - in der Antwort wurde mich vorgeworfen, ich hätte diskrete Angelegenheiten mit dem Betreuten in aller Öffentlichkeit besprochen. Davor müssten die Klienten geschützt werden (… es ging um Erdbeerkuchen...). Dann betonte die FL, dass er erwarte, dass seine Dienstanweisungen auch ausgeführt würden, die MA habe sich daher absolut vorbildlich verhalten. Erst nach mehreren Bitten um Kenntnis des Schutzkonzepts, erhielt ich eine pdf - die relevanten Passagen waren angestrichen: die Klienten dürfen die Tagesstruktur jederzeit verlassen und sie habe ein Recht auf Ungestörtheit in der Tagesstruktur.

Das ist das Schutzkonzept.

Nun wollte mein Betreuter aber ein Gespräch mit mir - es gab also nichts zu beschützen.

Für den Fall, dass ich mich nicht an diese Regeln halte wurden mir weitere Maßnahmen (??) angekündigt.


Nein ich bin eigentlich nicht im Streit mit dieser Einrichtung. Allerdings gibt es schon seit Längerem große Personalprobleme, es findet kaum eine persönliche Betreuung statt, Aufgaben (Bestellungen, Rechnungen, Termine) werden gerne an den Betreuer delegiert, was ich jedes Mal kritisiere und auf die vertraglichen Pflichten verweise.
Fast alle Klienten werden in der Tagesstruktur angemeldet, ob sie wollen oder nicht, wenn sie dann nicht hingehen und sich über mangelnde Betreuung beschweren heißt es, sie seien selbst schuld, sie könnten ja in die Tagespflege...

Habt Ihr so eine Situation auch schon mal erlebt, und wie geht Ihr damit um?
Marsupilami ist offline  
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Alt 22.06.2026, 20:38   #2
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 16.09.2025
Beiträge: 83
Standard

Also die Frage ist:


Wurde auch etwas anderes besprochen oder erwähnt, was vielleicht "heikel" ist?


Und kann das mit dem Erdbeerkuchen vielleicht auch ein Thema sein?
Hat der Betreute zum Beispiel Adipositas, und du hast mit Bewohnern darüber gesprochen, dass er ja vier Stück gegessen hat, dann ist das nicht mehr ein reines Erdbeerkuchengespräch.


Wie kannst du dir dieses "Überreagieren" erklären?
(Wenn du ganz ehrlich bist, und jede andere Brille aufsetzt, die nicht deine ist?)


Zu deiner Ausgangsfrage:
Ich selbst habe bislang noch nichts in die Richtung erlebt, bin aber auch erst sehr kürzlich dabei.
Deshalb kann ich da leider noch nichts berichten.


Was mir aber auch einfällt:
Die Bewohner sind ja eben die Bewohner. Und nicht dein Betreuter.
Wer weiß was da wer erlebt hat, oder was da der Hintergrund ist.
Aber wenn du sagst, bislang ist man noch nie so "verfahren" wird das einen (noch unbekannten) Grund haben.
Jungbrunhilde ist offline  
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Alt 23.06.2026, 06:30   #3
Stammgast
 
Registriert seit: 02.02.2011
Ort: NRW
Beiträge: 885
Standard

Guten Morgen Jungbrunhilde,


danke für Deine Rückmeldung.
Marsupilami ist offline  
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Alt 23.06.2026, 09:57   #4
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 27.06.2024
Ort: Sachsen-Anhalt
Beiträge: 275
Standard

Habe ich so auch noch nicht erlebt. Natürlich gibt es das ab und an, dass man in einer WfbM gebeten wird, Besuche außerhalb der Arbeitszeit zu legen. In der Regel lässt sich das aber direkt und praktisch besprechen, bzw. solche Besuche kurz halten.

Wenn man mir aber auf diese Art und Weise kommen würde, würde ich wie so oft, wenn die Rolle unklar ist, auf § 1823 BGB abstellen, das ist ein recht eingängiger Satz.

Wie und ob persönliche Angelegenheiten des Betreuten besprochen werden ist etwas was Betreuer mit Betreuten vereinbaren. Und letztlich Pflicht des Betreuers, die Wünsche dazu zu beachten und den Datenschutz zu wahren.
Also ist es tatsächlich die Einrichtung die sich außerhalb ihrer Befugnisse verhält. Oder haben sie einen Beschluss mit den entsprechenden Aufgabengebieten? Jemand anderes schon...

Dann kommt noch hinzu, die Leitung hat dir gegenüber kein Direktionsrecht. Allenfalls das Hausrecht.

Sie haben ein Schutzkonzept? Toll. Gut zu wissen, falls du den Eindruck hast dass dein Betreuter nicht ausreichend geschützt wird... Aber doch nicht um den Kontakt mit dem rechtlichen Vertreter einzuschränken. Damit würde die Einrichtung ja schlicht gegen ihren Bewohner selbst vorgehen und faktisch ja jetzt schon über den Umgang entscheiden.

Also, wenn es sehr bunt wird und es sich nur mit Eskalation deeskalieren lässt, dann sollen sie doch ihr Hausrecht durchsetzen und eine Anzeige aufgeben, dass der Betreuer gegen seine Schweigepflicht und DSGVO verstößt.
Kann lustig werden.

P.S.: mitunter lässt mich sowas hellhörig werden, kann es vielleicht auch sein, dass man nicht zu viel externen Einblick in die Tagespraxis haben will?

Ich habe noch nicht ganz erfasst, was es für eine Art von Tagesstruktur ist, aber kurzes Telefonat mit der Aufsichtsbehörde (Heimaufsicht?) kann das ganze auch abkürzen.

Klein beigeben würde ich auf keinen Fall. Denn du sollst dir ja einen unverfälschten Eindruck verschaffen können.
Tschak ist offline  
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Alt 23.06.2026, 22:53   #5
Forums-Azubi
 
Registriert seit: 15.03.2026
Ort: Nürnberg
Beiträge: 40
Standard

Sowas hatte ich noch nicht, außer vielleicht während Covid.

Ich verstehe auch das Konzept bzw. die Tagesstätte nicht ganz. Ist das eine Tagesbeschäftigung der Einrichtung? Vielleicht haben sie dort absichtlich wenig Mitarbeiter eingesetzt (Unterbesetzung) und wollen daher (aus deren Sicht) keine "Störungen", die Personal binden könnten? Ich denke die Einrichtung dient der Teilhabe und dem Austausch. Sollten die mit allen Besuchern so umgehen, ist das etwas schräg. Wenn diese Tagesbeschäftigung eine so konkrete pädagogische Funktion hat, die nicht gestört werden darf, dann würde ich nochmal nachfragen, ob die das erklären können.

Ein Betreuer kann sich auch mit einem Betreuten an einem Tisch mit mehreren Leuten unterhalten, wenn der Betreute damit kein Problem hat. Die Einrichtung hat m.E. keine Aufsichtsfunktion über dieses Gespräch. Ein unangemeldeter Besuch kann auch Prüfungszwecken des Betreuers dienen. Natürlich tauche ich nicht auf, wenn der Betreute auf der Arbeit in der Werkstatt ist oder sprenge eine Gruppenbeschäftigung. Aber so wie das geschildert wurde, war das ein offenes Zusammensein.

Ich würde mir nicht viele Gedanken, darüber machen und das einfach mal probieren. Nach dem gesonderten Gespräch kann man wieder mit Klienten zurück in die Gruppe schlendern und das Gespräch noch etwas fortsetzen....
borisbaumgaertner ist offline  
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Alt 26.06.2026, 08:47   #6
Stammgast
 
Registriert seit: 02.02.2011
Ort: NRW
Beiträge: 885
Standard

danke für Eure Rückmeldungen.


Ich habe die Angelegenheit mal mit der Betreungsbehörde besprochen. Dort war man auch sehr erstaunt: es handelt sich um ein Angebot der Strukturgebung und Begegnung. Wieso die nur intern sein soll ist nicht nachvollziehbar und schon gar nicht sinnvoll. Und dass man sich anmaßt Gespräche zu bewerten ist ein Akt der Bevormundung.
Marsupilami ist offline  
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Alt 30.06.2026, 23:13   #7
Forums-Geselle
 
Registriert seit: 17.12.2024
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 286
Standard

Es wurde von meinen Vorrednern schon einiges gesagt. Die Einrichtung vertauscht da etwas ihre Rolle. DU bist derjenige, der Kraft seines Amtes kontrolliert, ob sie ihre Aufgaben korrekt erfüllen, nicht umgekehrt. So eine Art und Weise der Kommunikation habe ich ja noch nie erlebt. Das stellt aus meiner Sicht eindeutig die fachliche Eignung der Einrichtung in Frage. Ich kündige Besuche in Einrichtungen nicht an, weil ich das in meinem pflichtgemäßen Ermessen sehe. Es ist nunmal auch Sinn der Sache, zu sehen, ob der Leistungserbringer seine Leistungen korrekt erbringt und nicht, den Leistungserbringer auf deinen Besuch vorzubereiten. Das ist echt eine Härte, sowas habe ich noch nie erlebt. Das Schutzkonzept mag schön sein, aber für mich nicht relevant, weil ich immernoch eigenständig die Entscheidungen treffe, wie ich meine Klienten besuche.
Suprarenin ist offline  
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